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Song-Lua-Trio spielte den Auftakt der Reihe „Weltmusik“ in Kempen

Auftakt der Reihe „Weltmusik“ in Kempen : Zarte Klänge aus Vietnam in Kempen

Das deutsch-vietnamesische Song-Lua-Trio verzauberte die Besucher in der Kempener Paterskirche mit seinen „Klangverschmelzungen von den Ufern des Mekong“.

Viele Saiten müssen erst einmal an den beiden Instrumenten, der Viola da Gamba und der Dan Tranh, gestimmt werden, und dabei entsteht schon eine Vorahnung von der vietnamesischen Klangwelt durch die vietnamesische Wölbbrett-Zither. Der Gambist Diethard Krause beginnt mit einem gezupften Solovorspiel das Programm des Song-Lua-Trio „Klangverschmelzungen von den Ufern des Mekong“.

Zu den weichen Klängen kommt die klare Stimme der Sängerin Khanh Nguyen hinzu, die mit ihrem Lied eine Geschichte leise und ruhig vorträgt. Dann setzt Tri Nguyen mit seiner Dan Tranh ein, und die beiden Instrumente erwecken Assoziationen an Wellen und das Plätschern von Wasser.

Dieses musikalische Motiv ist auch das Leitthema des Abends und namensgebend für das Trio, wie die Sängerin erklärt: „Song Lua bedeutet Fluss aus Seide“. Zarte Wellenbewegungen lieferten damit schon die passende Atmosphäre für das „Lied über der Brücke“, in dem sie von einer unerfüllten Liebe gesungen hat.

Mit dem zweiten Stück folgt eine Klangverschmelzung mit alter europäischer Musik, eine „Begebenheit unter den Linden“ von Walther von der Vogelweide. Es ist eine interessante Entdeckung, wie wunderbar die beiden Musikwelten durch Instrumente und Gesang harmonieren können.
Neue Horizonte eröffnen sich für das Publikum, das in der Kempener Paterskirche zu Gast ist und der Musik lauscht. Vietnamesische und europäische mittelalterliche Klänge erscheinen so perfekt abgestimmt, als sei genau diese Musik die selbstverständlichste Kombination überhaupt.

In ihrem Programm spielen die drei diverse Varianten durch, wie es die Zuhörer dank ansprechender Moderationen auf Deutsch und Englisch erfahren können. Da hat man einen Musiker im Mittelalter aus Europa auf eine Reise zu Berufskollegen nach Südostasien geschickt und sich vorgestellt – und natürlich musikalisch umgesetzt, wie er dort mit einheimischen Musikern zusammen gespielt hätte.

Das Trio bewegt sich dabei und auch bei den folgenden Stücken fast ausschließlich im Bereich leiser zarter Klänge, die in den Bann ziehen, und man kann durchaus das völlig berechtigte Klatschen nach den Stücken als eine Zerstörung der zauberhaften Atmosphäre betrachten.

Wie schön, dass jeder Vortrag sofort wieder die unterbrochene Stimmung im Raum entstehen lässt. Tri Nguyen bietet schließlich auch noch eine kleine Instrumentenkunde rund um seine Dan Tranh und ihre Verwandten in der asiatischen Musikwelt, wie zum Beispiel die japanische Koto. Auf seiner vietnamesischen Dan Tranh mit ihren 16 Saiten spielt er ein „very, very sad piece“, ein Lied des kaiserlichen Hofs, wo dieses einst ausschließlich nur gespielt werden durfte. Jeder einzelne Ton wird hier zelebriert, denn jede Note hat eine Bedeutung. Die Noten eines solchen Stückes wurden mit Wörtern festgehalten. Trotz des langsamen Tempos handelt es sich um eines der technisch schwierigsten Werke der traditionellen vietnamesischen Musik.

Leichter zu spielen ist dagegen die Dan Bao, die nur eine einzige Saite besitzt. Krause erklärt, dass dieses Instrument vor 800 Jahren von Bettlern erfunden und genutzt worden war. Der Musiker besitzt eine moderne Variante, bei der er mit entsprechender Technik seinem Spiel noch lang anhaltende Vibratoeffekte geben kann.

Diese Instrumentierung gibt auch der Interpretation eines Lieds von der Dichterin, Komponistin und Benediktinerin Hildegard von Bingen einen besonderen Reiz, das Khanh Nguyen meditativ in lateinischer Sprache vorträgt.

Wie unterschiedlich die Erwartungen bei einem Schlaflied sein können, wird während des Konzerts schließlich bei der Zugabe des Trios deutlich. Khanh und Tri singen es gemeinsam, und es endet ziemlich abrupt – so als müsse man nicht mehr weiter singen, wenn das Kind eben eingeschlafen ist.