Meinung : Sieg für die Demokratie

Was war das für eine Aufregung: Nahezu täglich gab es politische Stellungnahmen, Leserbriefe, E-Mails, Anrufe. Und sogar einen offenen Brief von Alt-Bürgermeister Karl Hensel, der sich ansonsten seit fast neun Jahren aus dem politischen Tagesgeschäft heraushält.

Kurzum: Die Zukunft der Burg bewegt die Kempener wie kaum ein anderes Thema.

Somit haben wir den ersten und einzigen Sieger der Burg-Entscheidung: die demokratische Willensbildung. Es ist schön zu beobachten, wie sich die Kempener mit dem Thema auseinandersetzen. Und es war wohltuend, dass um die Entscheidung zur Übernahme bis kurz vor der Sitzung gerungen worden ist. Keine Vorabstimmung im nicht-öffentlichen Ältestenrat der Fraktionen. Kein Abnicken im Rat. Gut so!

Sowohl Gegner als auch Befürworter einer städtischen Übernahme hatten gute Argumente. Auch Bürgermeister Volker Rübo. Der Verwaltungschef hat die Situation nach dem Ist-Zustand bewertet. Dafür ist er verantwortlich — und dafür kann er auch zur Verantwortung gezogen werden. Diese laut Rübo „realistische Einschätzung“ zeugt nun nicht von sonderlich großen Visionen. Das Vorgehen des Bürgermeisters aber mutlos zu nennen, wird Rübos sachlichen Gedanken nicht gerecht.

Möglicherweise hat er bis zuletzt darauf gesetzt, dass Landrat Coenen doch noch ein Kreis-Stadt-Projekt wagt. Dass der Viersener und wohl auch die anderen acht Kommunen des Kreises das nicht wollen, steht jedoch schon fest, seitdem der Archiv-Wegzug nach Dülken beschlossen ist.