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Sich selbst ganz neu erfinden - Eine Ärztin schreibt über den Umgang mit Kranken

Sich selbst ganz neu erfinden - Eine Ärztin schreibt über den Umgang mit Kranken

Die Ärztin Ruth Metten hat ein Buch über den Umgang kranker Menschen mit sich und anderen geschrieben.

Kempen. Diese Überlegung kennt wohl jeder: „Eigentlich weiß ich ja, dass ich in bestimmten Situationen anders handeln sollte, aber ich tappe immer wieder in die gleichen Fallen.“ Oft fühlen wir uns unverstanden, ungeliebt und vernachlässigt.

Andere Menschen wiederum müssen lernen, etwas für sich selbst zu tun, besonders wenn sie krank sind. Alte Mechanismen durchbrechen und neue Wege für sich finden, dazu gibt Ruth Metten die Anleitung in ihrem wissenschaftlich fundierten Buch.

Das Werk der 45-Jährigen trägt den Titel: „Bewusst Sein gestalten durch Achtsamkeitstraining und Selbsthypnose“. Eigentlich wollte die an der Klosterstraße in Kempen niedergelassene Ärztin für Psychiatrie und Palliativmedizin nur die Tipps, die sie ihren Patienten gibt, aufschreiben. Daraus ist dann aber ein 350 Seiten langes Werk geworden.

Das Besondere daran ist die praktizierte Kombination von Achtsamkeitstraining und Selbsthypnose. „In unserer Praxis wird seit rund zwei Jahren eine Studie über diese Zusammenspiel in der psychoonkologischen Behandlung durchgeführt. Dies erfolgt erstmals und in wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit der Abteilung für Medizinische Psychologie der Uniklinik Köln“, berichtet Metten. „Die Ethikkommission der Ärztekammer prüft die Studie.“

Zwei altbewährte und bereits in ihrer Wirksamkeit belegte Techniken würden hier erstmals kombiniert angewendet, so die Medizinerin weiter. „Mit ihnen lassen sich nicht nur alte Klippen umschiffen, sondern auch Tiefendimensionen erschließen, die wir nicht für möglich gehalten hätten.“

Gerade hierin liege die Bedeutung dieser Methode für schwerstkranke und sterbende Menschen, die in ihrer bedrohlichen Situation tiefer gehende Methoden der Bewältigung suchten. „Wir können uns umprogrammieren“, lautet ihre Botschaft im Buch.

Weiter: „Wir müssen Achtsamkeit üben uns selbst gegenüber, alte Gewohnheiten ablegen, es trainieren ,offline’ zu gehen, um später wieder anzuspringen, ,online‘ zu gehen, wenn das Gehirn neu erlernte Situationen erkennt. Die Hypnose ist die Möglichkeit, die alternative Wirklichkeit zu konstruieren, also Bewusstsein gestalten.“

Die Hilfe für unheilbar Kranke: „Wenn sie die Kontrolle über ihren Körper und ihre Aktivitäten verlieren und auf Hilfe angewiesen sind, werden durch das Achtsamkeitstraining Ängste besser umgangen, der Mensch kann sich beruhigen, auf sich selber Acht geben. Durch die Selbsthypnose erlebt der Mensch die Erfahrung, sein Leben selbst zu gestalten.“