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Serie Unser Verein - Heideröslein St. Hubert

Mensch & Stadt - Unser Verein: Heideröslein : „Ohne Kostüm fällt man bei unserer Party garantiert auf“

Unter dem Motto „Danz on Dollerei möt de Hei“ lädt die Straßengemeinschaft Heideröslein ins Forum St. Hubert.

Wenn sich am Samstag um 18.30 Uhr im Forum St. Hubert die Türen öffnen, dann sind sich Manfred Pilters und Nils Leenen sicher, dass es im Saal voll wird und beste Stimmung herrscht. Die beiden gehören zum Vorstandsteam der Straßengemeinschaft Heideröslein und beschäftigen sich derzeit nur mit einem Thema – Karneval. Die Straßengemeinschaft mischt schon seit Jahrzehnten im Kempener Karneval mit. Durch das närrische Treiben ist sie weit über „de Hei“, wie ihr Entstehungsgebiet heißt, hinaus bekannt geworden.

Die Entstehungsgeschichte der Straßengemeinschaft Heideröslein beginnt 1953 beim Rosendrehen für die Goldhochzeit des Ehepaares Lehnen, die in der Heide wohnen. Bei der gemeinschaftlichen Arbeit kommt die Idee auf, eine Straßengemeinschaft zu gründen. Das ist nach der Goldhochzeit dann auch der Fall. Die Gründungsfeier findet mit 68 Anwohnern in der Garage der Familie Hotz statt.

Nils Leenen (links) und Manfred Pilters vom Vorstandsteam der Straßengemeinschaft Heideröslein mit einem besonderen Gardisten. Foto: Wolfgang Kaiser

Die ersten Karnevalsaktivitäten lassen nicht lange auf sich warten. Schon ein Jahr später feiert die Straßengemeinschaft zum ersten Mal miteinander Karneval. Die nachfolgenden jecken Veranstaltungen finden einen so großen Anklang, dass man 1962 beschließt, es einmal mit einer Karnevalssitzung zu versuchen. Etliche Mitglieder der Straßengemeinschaft sind in anderen karnevalistischen Vereinen aktiv. Und der Wunsch nach einer eigenen närrischen Sitzung ist groß. Im Saal von Tieves in Escheln findet die erfolgreiche Premiere statt. Man zieht in die Gaststätte „Waldschenke“ im Schadbruch um. Doch die Räume sind dort ebenfalls zu klein. Aus Platzmangel wechselt die Straßengemeinschaft ins St. Huberter Forum.

1962 kommt der eigene Elferrat als Sitzungspräsidium hinzu. Aus einer Sitzung werden aufgrund der großen Karten-Nachfrage zwei, wobei das Programm immer aus den eigenen Reihen stammt und nicht eingekauft wird. Jede Sitzung steht bis einschließlich 1991 unter einem anderen Motto. Seit 1992 heißt es hingegen „Danz on Dollerei möt de Hei“.

Im Jahr 2017 löste eine lockere Party die jährliche Sitzung ab

Ein Verein in diesem Sinne ist die Straßengemeinschaft zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht. Erst am 29. Januar 2001 wird die Straßengemeinschaft ein eingetragener Verein mit dem offiziellen Namen „Straßengemeinschaft Heideröslein St. Hubert 1953“. Aktuell zählt der Verein 175 Mitglieder.

Im Forum ist die Straßengemeinschaft noch heute zu Karneval anzutreffen, wenngleich es keine Sitzung mehr ist, die dort stattfindet. „Wir haben uns 2017 entschlossen, statt einer Sitzung eine lockere Party mit kleinen Programmeinlagen zu machen“, sagt Nils Leenen, der seit 2006 auch der Präsident und Moderator der Sitzungen und der nunmehr zum vierten Mal stattfindenden Party ist.

Der Hintergrund für den Wechsel: Die Vorlieben der Besucher haben sich geändert. Eine Sitzung mit einem festen Programm ist nicht mehr gewünscht. Vielmehr möchten die Besucher feiern und tanzen. Dem kommt die Straßengemeinschaft nach. Für beste Stimmung mit der richtigen Musik ist DJ Kosimo zuständig. Für viel Spaß sorgt zudem die alljährliche Kostümprämierung. „Ohne Kostüm fällt man bei unserer Party garantiert auf“, sagt Manfred Pilters. Jedes Jahr prämiert eine Jury aus den Reihen der Straßengemeinschaft die besten Kostüme im Bereich Single, Paar und Gruppe. Es kommt dabei auf Originalität und Handarbeit an.

Der Besuch des Prinzenpaares gehört nach wie vor zu der Party-Veranstaltung dazu und ist ein Höhepunkt des Abends. Dazu kommen kurze Einlagen der eigenen Tanzgruppen. Die „Shinin’ Roses“ treten genauso auf wie die „Mixed Dancers“, wobei es sich um eine gemischte Tanzgruppe der Straßengemeinschaft handelt – ein Nachfolger der nicht mehr bestehenden Frauen-Tanzgruppe.

Die Gruppe gestaltet einen jecken Nachmittag bei der Lebenshilfe

Die „Shinin’ Roses“ existieren schon seit dem Jahr 2000. Seinerzeit waren sie allerdings noch unter dem Namen „Dance Girls“ aktiv. Erst vor drei Jahren erfolgte die Namensänderung. Aktuell zählt die Gruppe, die sich auf den karnevalistischen Showtanz spezialisiert hat, 17 Tänzerinnen im Alter von 16 bis 30 Jahren. Getanzt wird aber nicht nur im Karneval, sondern das ganze Jahr über bei Straßenfesten, Jubiläen, Geburtstagen und Hochzeiten. Was der Straßengemeinschaft sehr wichtig ist, ist der karnevalistische Nachmittag im Haus Drabben der Lebenshilfe in St. Hubert. Direkt am Folgetag der Party im Forum stehen die Jecken dort auf der Bühne und gestalten mit den Bewohnern einen fröhlichen Nachmittag.

Dass man im Zug mitzieht, versteht sich von selbst. Bis 2017 war immer noch ein großer Mottowagen im Einsatz. Doch auch mit Bollerwagen und Fußgruppe, fallen die Straßengemeinschaftsmitglieder immer auf.