Oedter Ortsgeschichte (10) : Die lange Tradition der Wassermühlen

An der Niers lagen früher auf 118 Kilometer Flusslänge 64 Wassermühlen Auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Grefrath gab es insgesamt vier wassergetriebene Mühlen.

Obwohl die Niers nur 118 Kilometer lang ist und zwischen Kuckum bei Erkelenz und Gennep in den Niederlanden lediglich ein Gefälle von 64 Metern besitzt, gab es an diesem kleinen Fluss insgesamt einmal 64 Wassermühlen. Der Mathematiker errechnet da schnell alle zwei Kilometer eine Mühle mit je einem Meter Höhenunterschied des Stauwassers. Die Statistik täuscht: Die tatsächlichen Abstände zwischen den Mühlen und deren Stauhöhe fiel viel geringer aus. Die Vielzahl der Mühlen war immer auch ein Zeichen der wirtschaftlichen Blüte durch die damalige Landwirtschaft. Gemahlen wurden hauptsächlich Getreide und Ölfrüchte, beispielsweise Raps und Flachs (Leinöl).

Im heutigen Grefrather Ortsteil Oedt gab es mit der Sanders- oder Oedter Mühle nur eine, in Mülhausen dagegen zwei wassergetriebene Mühlen. Mülhausen wurde von der Kurkölnischen Mühle im Ortskern geprägt. Sechs Kilometer fluss­abwärts liegt die Neersdommer Mühle, gegenüber der Abtei Mariendonk. Dazwischen befindet sich die Langendonker Mühle. Sie gehört zum Ortsteil Vinkrath.

Eine Mühle mit
zwei Wasserrädern

Die Oedter Mühle: Im Hintergrund ist die Burg Uda zu erkennen. Foto: Norbert Prümen

Die Oedter Mühle arbeitete fast 700 Jahre und mahlte Getreide oder presste Öl. Sie wird schon 1273 in einer Urkunde erwähnt und lief dann bis zu ihrer Stilllegung im Jahre 1960. Die Wassermühle wurde zuletzt elektrisch betrieben, da man ihr aufgrund der Niersverlegung in den 1920er-Jahren das Wasser entzog. Bis dahin drehten sich zwei Wasserräder, das eine für den Mahlgang, das andere für die Ölpresse. Bis zum 15. Jahrhundert befand sich diese Mühle im Besitz der Benediktinerabtei St. Vitus in (Mönchen-) Gladbach, bis 1454 der Erzbischof von Köln die Oedter Mühle übernahm. Bereits 1348 gelangte die benachbarte Burg Uda an Kurköln. Die Oedter Mühle wurde in den vergangenen Jahren aufwendig restauriert. Das große Mühlengebäude aus dem 19. Jahrhundert ist heute ein Mehrfamilienhaus.

Die Neersdommer Mühle in den 1960er Jahren, links das Räderhaus. Foto: Repro Knorr

Die Kurfürstliche Mühle zu Mülhausen gehörte, wie die Oedter Mühle, schon im 13./14. Jahrhundert zur Abtei Gladbach, bevor sie dann 1454 zum Kurfürstentum Köln kam. Sie war eine reine Kornmühle mit nur einem Wasserrad, das einen Mahlgang betrieb. Bei der Säkularisation kirchlicher Güter ging die Mühle 1806 für 12 800 Franc an den „Cultivateur“, also den Landwirt Johann Schmitz aus Oedt. Er übernahm damit auch alle dazugehörigen Gebäude, wie auch die Wiesen, das Acker- und Wildland. Die Mühle blieb bis 1902 für vier Generationen bei der Familie Schmitz, bis Mathias Brauwers die Mühlenanlage übernahm. Als auch hier die Niers begradigt und damit etwa 500 Meter weiter westlich verlegt wurde, kauften die Schwestern „Unserer Lieben Frau“ 1925 die Mühle, um ihre expandierende Mädchenschule erweitern zu können. Heute gibt es keine Reste mehr von der Mülhausener Mühle zu sehen, seit am Ende der 1980er-Jahre auch die Wirtschaftsgebäude abgetragen wurden.

Die dritte Mühle im alten Amt Oedt war die im äußersten Norden von Mülhausen gelegene Neersdommer Wassermühle. Nach einer Urkunde von 1354 gehörte sie zu dieser Zeit dem Herzog von Geldern. Erst 1522 kam die Neersdommer Mühle an das Erzstift Köln. Die seit 1984 unter Denkmalschutz gestellte Mühle verfügte über vier Mahlgänge für Getreide, die von einem unterschlägig arbeitenden Wasserrad angetrieben wurden. Bis ins 14. Jahrhundert war das unterschlägige Wasserrad überall in Deutschland verbreitet. Es wurde von der Strömung der Niers unmittelbar in Drehung gehalten. Auch diese Mühle wurde 1806 aus dem kirchlichen Besitz durch die französische Herrschaft an einen Laien verkauft. Peter Heinrich Stieger kaufte sie für 8700 Franc einschließlich aller Gebäude und der Wiesen – das ist ein Drittel weniger als der Kaufpreis der Mülhausener Mühle. Die Mühle besaß mit ihrem Gut große Bedeutung. Die letzte Generation der Familie Stieger blieb allerdings kinderlos. Johanna Stieger vererbte kurz vor ihrem Tod 1904 den ganzen Besitz den Benediktinerinnen. Bereits 1899 hatte sie Benediktinerinnen den Grund zur Errichtung eines Klosters, der heutigen Abtei Mariendonk, geschenkt. Die Niers wurde hier nicht verlegt, aber die Niersmühlen mussten ihre Staurechte an den neu gegründeten Niersverband abtreten. In der ehemaligen Wassermühle lief jetzt ein elektrischer Motor für den Mahlbetrieb, bis auch der 1942 endgültig abgestellt wurde.