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Schule und Sport sind „Pflichtthemen“ in der Kempener Politik in 2021

Politischer Ausblick in Kempen : Schule und Sport sind „Pflichtthemen“

Die WZ hat nachgefragt: Was steht 2021 in Kempen an? Es muss auf jeden Fall mehr Bewegung ins Spiel, sind sich die Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat einig. Die wichtigsten Themen: Schulcampus und Sportplatz St. Hubert.

Was steht 2021 an? Was ist dringend zu erledigen? Ohne Corona würden diese Fragen auf Neujahrsempfängen beantwortet und eine politische Ausschau gegeben. Da das aber aktuell nicht möglich ist, fragte die WZ bei den Fraktionschefs im Kempener Stadtrat nach.

Schulcampus und Sportplatz St. Hubert – das waren zwei der großen Themen im Kommunalwahlkampf 2020. Wie ist der aktuelle Stand aus Sicht der Fraktionsvorsitzenden?

Wenn es um den möglichen Schulcampus auf dem Ludwig-Jahn-Platz geht, ist seitens der Parteien von „Pflichtthema“, „wichtigem Projekt“ und „Dringlichkeit“ zu lesen.

Bernhard Lommetz, Fraktionsvorsitzender der FDP sieht ein „Umschalten vom Verwaltungsmodus in den Gestaltungsmodus“, als dringend notwendig, um dem Anspruch eines zukunftsfähigen Schul- und Bildungsstandortes wieder gerecht zu werden. Und weiter: „Die Bausubstanzen und Ausstattungen der Kempener Schulen werden dem seit Jahren nicht mehr gerecht. Notwendige Sanierungsmaßnahmen sind ständig zurückgestellt worden, es mangelt an vielen Stellen. Von daher unterstützen wir den Bau eines zentralen Campus auf dem Ludwig-Jahn-Sportplatz. Das ist der zentrale Ausgangspunkt für die weiteren Sanierungsschritte des Gymnasium Thomaeum und des Luise-von-Duesberg-Gymnasium sowie der Erweiterung des Sportzentrums an der Berliner Allee. Wir wollen sozialen Aufstieg, unabhängig von Herkunft und Bildung der Eltern, durch beste Bildung vor Ort ermöglichen. Wir fordern den Neubau und die Weiterentwicklung der Schulen, denn Schulen sollen Orte des Lernfortschritts und nicht des Stillstands sein.“

Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie erwarten auch Jeyaratnam Caniceus und Günter Solecki der ÖDP-Linke Fraktion, auch wenn innerhalb der Fraktion unterschiedliche Meinungen zur Umsetzung bestehen: „Der Schulcampus ist eines der wichtigen Projekte in dieser Wahlperiode. Hier haben wir unterschiedliche Meinungen: Die ÖDP ist für den Erhalt des Ludwig-Jahn-Platzes, DIE LINKE ist, wenn nötig, für die Bebauung. Letztendlich wird uns eine Machbarkeitsstudie eine Entscheidungsgrundlage liefern.“

Eine „dringende Entscheidung“ hinsichtlich der Nutzung des Ludwig-Jahn-Platzes wünscht sich auch Hans-Joachim Herbst (CDU). Bildung müsse ohnehin der erste Themenschwerpunkt sein. „Wir hoffen, dass wir jetzt bald über die Machbarkeitsstudie Schulcampus/Ludwig-Jahn-Platz beraten können. Wir brauchen jetzt dringend eine Entscheidung, wie das Sportzentrum Berliner Allee weiterentwickelt werden kann und wie die verbleibende Teilfläche des Ludwig-Jahn-Platzes zukünftig weiterhin für sportliche Aktivitäten genutzt werden kann. Sollte dies alles möglich sein, wollen wir den Neubau der weiteren erforderlichen Gebäudeteile der Gesamtschule angrenzend auf einem Teil des Ludwig-Jahn-Platzes realisieren. Die Gesamtschule als Ganztagsschule muss zukünftig zusammenhängend um die Mensa herum entwickelt werden.“

Auf „schnellstmögliche Umsetzung“ drängen die Freien Wähler Kempen: „Der Schulcampus ist eines der Pflichtthemen, die schnellstmöglich umgesetzt werden müssen. Wir stehen weiterhin zu unserer Meinung, dass der Ludwig-Jahn-Platz die geeignete Fläche hierfür ist. Damit aktuelle Entscheidungen zukünftig nicht bereut werden, fordern wir, dass der Schulcampus so modular wie möglich gestaltet wird. Dadurch soll dessen Nutzung so flexibel wie möglich sein. Eine Änderung des Schulkonzeptes in NRW oder die Einführung von neuen pädagogischen Maßnahmen sollten nicht dazu führen, dass weitere Baumaßnahmen benötigt werden. Der Kunstrasenplatz an der Berliner Allee müsste dann ebenfalls dynamisch gestaltet und schnellstmöglich umgesetzt werden, um die Ausübung von Sportangeboten zu ermöglichen. Die dabei entfernten Grünflächen sollen nicht nur ebenwürdig, sondern durch bessere Lösungen ersetzt werden. Wir fordern also nicht einen Baum für einen Baum, sondern wollen das Konzept vom „Miniwald“ („Tiny Forest“) in Kempen auf momentan versiegelten Flächen etablieren. Dieses Konzept speichert mehr CO2 und hat einen positiven Einfluss auf die Biodiversität und das hiesige Mikroklima.“

Für die Grünen ist der Ludwig-Jahn-Platz nur eine Möglichkeit. Stattdessen wurden „ergänzende Konzepte erarbeitet“, die es ermöglichen sollen den Platz zu erhalten und gleichzeitig einen „echten Schulcampus“ zu errichten. Fraktionsvorsitzender Joachim Straeten formuliert hierzu: „Beim Thema Bildung setzen wir Grüne auf den Ausbau und die Modernisierung der Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen. Bei den Schulen ist uns wichtig, „bauliche und pädagogische Konzepte in Einklang“ zu bringen. In der Diskussion um den Schulcampus Kempen ist es zuletzt nur noch um Neu- und Umbauten gegangen und nicht mehr um zukunftsweisende pädagogische Konzepte. Wir bleiben dabei, dass man im Zuge der Machbarkeitsstudie für einen Gesamtschul-Neubau auch andere Standorte hätte prüfen sollen, als sich nur auf das Gelände des Ludwig-Jahn-Sportplatzes zu konzentrieren.“

Die Sportplatzsituation in St. Hubert ist seit vielen Jahren ein Dauerthema. Zwischenzeitlich keimte im Kendeldorf Hoffnung auf einen Kunstrasen auf, doch nach planungsrechtlichen Schwierigkeiten, bleibt das Thema weiter offen. Deshalb haben wir auch hierzu die Fraktionsvorsitzenden befragt:

Für die SPD antwortete Andreas Gareißen kurz und bündig: „Der Erhalt des Ludwig-Jahn-Sportplatzes im Rahmen eines Sportentwicklungsplanes für Kempen, bei dem auch die Sportplatzsituation in St. Hubert berücksichtigt wird, bleiben uns weiterhin wichtig.“ Auch die ÖDP-Linke und die Freien Wähler halten es knapp beim Thema Sportplatz im Kendeldorf. Jeyaratnam Caniceus (ÖDP-Linke): „Wir befürworten den Bau des Kunstrasenplatzes für St. Hubert.“ Und Werner Rennes (FWK): „Beim Sportplatz in St. Hubert handelt es sich wieder einmal um ein stark verzögertes Projekt, welches nie umgesetzt wurde und damit auch die Vereine schädigte. Eine schnelle und kosteneffiziente Lösung wäre hier unser Wunsch, damit man die Sportler im Ort halten kann beziehungsweise wieder zurück nach St. Hubert holt.“

Ausführlicher bezieht die FDP Stellung: „2021 wird endlich eine Park- und Umkleidelösung an der Stendener Straße für die Sportlerinnen und Sportler in St. Hubert realisiert. Der Sportplatz „An Eulen“ wird langfristig aufgegeben. Ein Sportentwicklungsplan muss klären, ob der Bedarf eines weiteren Sportplatzes (Kunstrasen) besteht oder die Modernisierung und Weiterentwicklung des Naturrasenplatzes an der Stendener Straße ausreichend ist. Diesen Prozess gilt es gemeinsam mit allen Vereinen in St. Hubert sowie dem Stadtsportverband, Politik und Verwaltung zu gestalten. Die Vereine brauchen eine Perspektive, um ihre Entwicklung und Planungen zukunftssicher gestalten zu können.“

Die Themen Sport und Bewegung möchten Die Grünen ganzheitlich erarbeiten und in der anstehenden Sportentwicklungsplanung nicht auf einzelne Sportstätten reduzieren. Ihr Ziel: „Vor diesem Hintergrund setzen wir uns weiter dafür ein, eine Bewegungs- und Freizeitfläche einschließlich Kunstrasenplatz in St. Hubert zu entwickeln, wobei der Rasensportplatz nicht umgewandelt wird und in seiner aktuellen Nutzung erhalten bleibt.“

Aus Sicht der CDU-Fraktion ist das Thema Sportplatz in St. Hubert eines, das in Kürze beraten werden müsse. „Hier konnte ausschließlich aus planungsrechtlichen Gründen, weder der vorgesehene Neubau eines Sportplatzes noch die angedachte Neukonzeption des Sportzentrums an der Stendener Straße bisher um-gesetzt werden. Aus Sicht der CDU-Fraktion sollte jetzt aber zügig der Neubau der Umkleidekabinen an der Stendener Straße erfolgen. Hier muss jetzt alles gemacht werden, damit das Sportzentrum Stendener Straße modern genutzt werden kann.“

DIe Statements der einzelnen Fraktionen zu den Themen Wohnen im Westen und Haushaltsplanung folgen.