Grundschule : Schul-Comeback als „Testballon“

Sie sind „not amused“. Ein Gemütszustand, den man gerne der Queen nachsagt, ist auch den Lehrerinnen und Lehrern der Regenbogenschule derzeit nicht fremd. So wie alle Lehrer, Eltern und Kinder der NRW-Grundschulen wurden sie am Freitag mit der Nachricht überrascht, dass ab 15. Juni alle Grundschüler wieder zur Schule gehen sollen, müssen, dürfen.

Nach der Corona-Zwangspause sollen zumindest die Klassen eins bis vier noch einmal regulären Unterricht erfahren. Zwei Wochen lang – bis zu den Sommerferien.

„Wir können und müssen mit den Vorgaben aus Düsseldorf umgehen“, sagt Schulleiter Philip Herz. Was ihn und die Kolleginnen, die in Kürze ihre vierten Klassen verabschieden, aber sehr bewegt, ist, dass die vom Ministerium viel zitierte Planungssicherheit nun keine Rolle mehr spielt. „In den vergangenen Wochen war stets die Rede davon, den Eltern Planungssicherheit geben zu müssen. Ihnen die Präsenztage ihrer Kinder genau mitzuteilen“, so Herz. „Das haben wir getan. Wir haben Konzepte entwickelt. Kinder und Eltern hatten bis zu den Ferien Planungssicherheit.“ Und jetzt sei dies wieder hinfällig.

Fünf Parzellen werden
auf dem Schulhof eingerichtet

Nun müssten wieder neue Konzepte erarbeitet werden, damit der Schulalltag mit allen Kindern in den letzten zwei Wochen reibungslos klappt. Außerhalb der Klassenräume gelten die Corona-Abstandsregeln. Was zum Beispiel dazu führt, dass der Schulhof in fünf Parzellen eingeteilt wird, damit die Klassen nicht durchmischt werden. Zudem gibt es ab Montag für die Pausen drei Zeitfenster. In den Klassenräumen wiederum dürfen sich die Kinder freier bewegen und auch annähern. „Anders ist das ja auch nicht umzusetzen“, sagt Herz. Lehrerin Svenja Hansen ergänzt: „Trotzdem ist es etwas schwierig, Grundschülern zu erklären, dass die Gesellschaft penibel auf diese Abstandsregeln achtet, diese aber im Klassenraum aufgehoben sind.“

Dass nun wieder einmal Planungen vom Land umgeworfen sind, sei eine Herausforderung, mit der man umgehen müsse, betonen die Lehrkräfte der Regenbogenschule. „Aber es ist schon frustrierend, wenn die Pläne, die man erarbeitet hat, dann wieder über den Haufen geworfen werden“, so Lehrerin Judith Weidinger. „Es wird ja oft kolportiert, dass Lehrer im Moment nur Däumchen drehen. Das ist mitnichten so.“ An der Regenbogenschule habe man sich intensiv Gedanken darüber gemacht, wie zum Beispiel der Abschied der vierten Klassen auf Abstand funktionieren soll. Dafür gibt es bereits Konzepte und Ablaufpläne. Und nun kehren alle Schüler zurück. Wieder alles auf Null. „Wir fühlen uns von diesen immer wieder neuen Nachrichten etwas überfahren und unter Druck gesetzt“, sagt Weidinger. „Trotzdem ist es natürlich nicht so, dass wir uns nicht auf die Kinder freuen. Und ich kann auch die Freude vieler Eltern verstehen, dass es vor den Ferien noch einmal losgeht.“

Weidingers Kollegin Katharina Janke-Franz spürt ebenfalls eine leichte Verunsicherung: „Jetzt wurde kurzfristig entschieden, dass alle Kinder zurückkehren. Da fühle ich mich ein bisschen wie in einem Testballon. Der Weg zurück in die Normalität sei für alle Beteiligten – insbesondere die Kinder – sehr wichtig. „Ob es denn aber diese letzten zwei Wochen noch sein müssen, erscheint etwas fraglich“, so Janke-Franz.

Neben dieser kurzfristigen Herausforderung ist das Team der Regenbogenschule mit der Planung für die Abschlussfeiern beschäftigt. „Wir versuchen einfach, etwas Tolles für die Kinder auf die Beine zu stellen – unter den gegebenen Umständen“, so Schulleiter Herz. Die Viertklässler sollen einen würdigen Rahmen auf dem Schulhof erleben. Ebenso sind Gottesdienste vorgesehen. Auch dazu gibt es konkrete Konzepte, die mit den Kirchengemeinden abgestimmt worden sind. Die Regenbogenschule zum Beispiel führt die Gottesdienste in Gruppen in den Kirchen Christ-König und St. Josef durch. „Wir müssen uns verteilen und nach jedem Gottesdienst durchlüften. So sind die Vorschriften“, sagt Judith Weidinger. Die Pfarrgemeinden mit Propst Thomas Eicker und seinem evangelischen Kollegen Bernd Wehner seien in jedem Fall eine „super Unterstützung“.

Fragen zur Einschulung können noch nicht beantwortet werden

Und dann ist bekanntlich nach dem Schuljahr vor dem Schuljahr. Verbunden mit der Frage, wie denn die Einschulungen vonstatten gehen werden. „Das ist eine Frage, die mir logischerweise im Moment sehr häufig gestellt wird“, sagt Philip Herz. Eine Antwort hat er aber offiziell noch nicht. „Es gibt dazu noch keine Vorgaben des Landes. Wir wissen ja alle nicht, wie es Mitte August in Sachen Corona-Krise aussieht. Und dazu vorher etwas zu kommunizieren, macht keinen Sinn. Da sind wir wieder bei der Planungssicherheit.“ Herz kann allen Eltern und Kindern aber versprechen, dass man nicht unvorbereitet auf den 13. August zusteuert. „Wir planen mit unterschiedlichen Szenarien. Im Mittelpunkt steht dabei immer, dass es für die neuen Erstklässler ein wunderschöner Tag wird.“