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Schul-Bau auf dem Jahn-Platz in Kempen: Studie ist beschlossen

Schulcampus Kempen : Schul-Bau auf dem Jahn-Platz: Studie ist beschlossen

Die Mehrheit des Stadtrates sieht derzeit keine alternativen Flächen für einen Neubau der Kempener Gesamtschule. Nun erfolgt eine Machbarkeitsstudie für das Großprojekt.

Das Ergebnis der Abstimmung war nicht überraschend, auch nicht die Argumente der Fraktionen. Dennoch gaben die politischen Vertreter in der letzten Ratssitzung vor der Kommunalwahl noch einmal ausführliche Stellungnahmen zu einem möglichen Schul-Neubau auf dem Ludwig-Jahn-Platz ab. Im Ergebnis wird nun eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Darin soll geklärt werden, ob ein Neubau für die Gesamtschule auf einem Teil des Jahn-Platzes realisiert werden kann – vorausgesetzt, dass im Sportzentrum an der Berliner Allee ein neuer Kunstrasen samt Laufbahn entstehen kann. Für diese Studie stimmten CDU, FDP, Freie Wähler und Linke. Gegenstimmen gab es von Grünen und SPD.

„Ich kann nur noch einmal für unseren Antrag werben. In der Studie sollten auch Alternativen abseits des Ludwig-Jahn-Platzes analysiert werden“, so Grünen-Fraktionschef Joachim Straeten. Vorstellen können sich die Grünen den Bereich der „abgängigen“ Turnhalle an der Wachtendonker Straße sowie den Standort von Pavillons des Gymnasiums LvD.

Die CDU beharrte darauf, dass es keinen Sinn habe Alternativen zu prüfen, weil es keine gebe. Ratsherr Wilhelm Stückemann setzte sich intensiv mit dem Grünen-Vorschlag auseinander. „Wir brauchen eine Fläche für ein Schulgebäude für vier Jahrgänge à sechs Klassen. Das macht in der Gesamtschule etwa 700 Schüler aus“, rechnete Stückemann vor. Dies sei schon mal die Größenordnung eines der Kempener Gymnasien. Vorgerschrieben sei zudem eine ausreichende Schulhof-Fläche. Stückemann schätzte den Bedarf auf etwa 3500 Quadratmeter. „Die Fläche, die Sie da im Auge haben, kommt für so ein Projekt gar nicht infrage“, sagte der CDU-Vertreter in Richtung der Grünen. Daher sei die Machbarkeitsstudie in dieser Form richtig angelegt. „Und wenn wir die jetzt beschließen, heißt es ja nicht automatisch, dass das Projekt auch tatsächlich umgesetzt wird.“

Neben den Grünen warb auch die SPD für die Einbeziehung von Alternativen. Fraktionschef Andreas Gareißen machte zwar deutlich, dass die Pläne für den Jahn-Platz erfolgreich sein könnten. „Aber wenn die Studie zeigen sollte, dass es nicht funktioniert, fangen wir wieder bei Null an. Warum lassen wir also nicht schon jetzt Alternativen pürfen?“ Dies nicht zu tun, sei ein Fehler, so Gareißen. Der fraktionslose Ratsherr Jeyaratnam Caniceus (ÖDP) schloss sich der Meinung an, Alternativen einzubeziehen.

Der FDP hingegen kann es nicht schnell genug gehen. Fraktionschefin Irene Wistuba befasste sich in ihrer Stellungnahme mit dem Faktor Zeit. Neben der Machbarkeitsstudie sollten möglicherweise auch schon vorbereitende Aspekte angegangen werden. „Wir haben jetzt schon Jahre verloren, ohne dass etwas Konkretes passiert ist“, so Wistuba. Angesichts der düsteren Finanz-Prognose von Kämmerer Jörg Geulmann mit einem möglichen Haushaltssicherungskonzept (die WZ berichtete am Donnerstag) sieht Wistuba nun die Gefahr von weiteren Verzögerungen. „Ich kann nur hoffen, dass uns die Finanzlage bei den Ausgaben für den Schulcampus keinen Strich durch die Rechnung macht.“

Die Fraktionen von Linken und Freien Wählern bezogen zu den Einwürfen aus der Bevölkerung Stellung. Inzwischen gibt es zum Beispiel eine Online-Petition für den Erhalt des Jahn-Platzes. Günter Solecki (Die Linke) erwähnte, dass sich dort rund 430 Menschen für den Erhalt ausgesprochen hätten: „Das sind 430 von 35 000. Und dann sind auch viele Leute dabei, die gar nicht aus Kempen kommen. Da machen sich Leute aus Pirmasens Gedanken über den Baumbestand am Sportplatz.“ Dabei stünden gar keine Bäume zur Debatte. Im Gegenteil: Er sei davon überzeugt, dass das Areal trotz eines Neubaus naturfreundlicher werden könne. Statt Tartanbahn und Steintribünen könne „ja was angepflanzt werden“.

Udo Kadagies (Freie Wähler) wies das Argument aus der Einwohnerfragestunde zurück, dass die Schüler künftig einen zu weiten Weg von der Schule zum Sportplatz an der Berliner Allee hätten. „Es gibt viele Städte, in denen die Wege weitaus weiter sind. Fragen Sie doch mal die Schüler in Krefeld“, so Kadagies. „An dieser Stelle müssen wir mal die Kirche im Dorf lassen.“ Ein neuer Platz an der Berliner Allee könnte für Vereine und auch den Schulsport eine gute Lösung sein.