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Kempen: Schülern stinken nicht nur die Toiletten

Kempen : Schülern stinken nicht nur die Toiletten

Der Sanierungsbedarf an vielen Schulen in Kempen ist groß. Das erfuhr die WZ bei einer Umfrage unweit von LvD, Gesamt- und Realschule.

Kempen. Immer wieder ist es der Sonnenschutz an Fenstern, der sowohl an der Gesamtschule als auch am LvD von Schülern und Lehrern vermisst wird. Das wurde auch bei der WZ-Redaktion vor Ort gestern am Kempener Schulzentrum deutlich. „Wir haben die heißeste Klasse der Schule und müssen umziehen, wenn es sehr heiß ist“, berichtet ein Sechstklässler der Gesamtschule, die sich gestern zu den Bundesjugendspielen auf der Sportanlage an der Ludwig-Jahn-Straße versammelt hatte. Auch von Schülern des LvD gibt es ähnliche Klagen über zu heiße Klassen.

Eine Verschattung der Räume müsse dringend noch zu diesem Sommer angebracht werden, sagt auch Gudrun de la Motte. Als Elternvertreterin der Gesamtschule ist sie zurzeit selbst mit einbezogen in die pädagogische Analyse zur Sanierung des Schulcampus. Viel Engagement hätten die Eltern bereits eingebracht. Ergebnisse habe man bisher noch nicht gesehen. Aber wenn diese vorliegen und mit den baulichen Sanierungsanforderungen abgeglichen sind, hofft sie, dass es mehr Räume gibt — für gemeinsamen Aufenthalt der Schulklassen und Jahrgangsstufen, eigene Klassenräume, in denen die Inklusionskinder individuell gefördert werden können, und Rückzugsräume für die Schüler. Gudrun de la Motte erhofft sich vom zuständigen Planungsbüro ein realistisches Konzept, das auch in den vorhandenen Gebäuden umgesetzt werden kann. Doch sie ist überzeugt, dass der Platzmangel so enorm ist, dass auf jeden Fall auch ein Neubau geplant werden muss.

Auch Gesamtschullehrer Ulrich Müller-Romeike sieht einen großen Raumbedarf. „Wenn wir für jede Klasse zwei Räume hätten, wäre das super“, sagt er. Besonders für die Förderung von Inklusionsschülern wäre das sehr sinnvoll.

Schüler der Gesamtschule finden, dass die Toiletten saniert werden müssten. Außerdem: „In ein paar Klassenräumen gibt es bei uns Säulen, wenn man da sitzt, sieht man gar nichts“, berichtet eine Schülerin. Ein Mitschüler würde sich Tablets, an denen man arbeiten kann, wünschen.

Antonia (17), Lisa (17) und Kim (16) sind Mitglieder der Schülervertretung am LvD und sogar selbst schon aktiv geworden, um ihre Schule schöner zu gestalten. Im Rahmen der Aktion „Gesunde Schule“ haben sie versucht, etwas zu bewirken selbst zum Pinsel gegriffen und für bunte Wände gesorgt. „Aber es dauert alles viel zu lang, bis man etwas machen darf. 1000 Genehmigungen der Stadt sind erstmal nötig“, berichten die drei vom Austausch mit der Stadt. Die bunte Farbe mache die Schule gleich viel freundlicher. Bei dem blaugrauen Anstrich komme man sich doch eher vor wie im Krankenhaus. Antonia, Lisa und Kim finden, dass man die Schüler in den Prozess der Schulsanierung einbeziehen sollte. Auch wenn sie vielleicht selbst nichts mehr davon haben werden, sei die Motivation groß, etwas beizutragen. „Das Engagement ist da“, sagen die Schülerinnen.

Am LvD seien ebenfalls einige Toiletten sanierungsbedürftig, berichten sie weiter: „Im Neubau kann man die Hälfte der Toilettentüren gar nicht abschließen.“

Der Gestank in der Turnhalle nervt ebenso mehrere Schüler. Die LvD-Oberstufenschüler haben in der „Berliner Halle“ einen Platz, an dem sie ihre Pausen verbringen können. Doch diese sei nicht groß genug für alle Schüler. Ein großes Pädagogisches Zentrum, wie es das am Thomaeum gibt, fänden sie an ihrer Schule auch gut.

Aus den Schülern der Q1 am Luise-von-Duesberg-Gymnasium sprudeln die Wünsche nur so heraus. Sie haben viele Kritikpunkte. Die schlechte Luft sei an vielen Stellen ein Problem. In einigen Räumen gebe es Schimmel. Viele Fenster seien alt, ließen sich teilweise nicht öffnen. Die Technik der Aula müsste komplett erneuert werden. Zu den Pavillons haben die Schüler eine eindeutige Meinung: „Am besten abreißen.“ Und auch der Internetzugang müsse besser werden. „Das WLAN ist schrecklich.“

Das sieht LvD-Lehrerin Gisela Ditzen ganz ähnlich. „Es fehlt die Basis, um unterrichten zu können, wie es an der Zeit ist“, sagt sie. Mal fehle der Strom, um Laptop und Beamter anzuschließen, dann wieder fehle die Verdunkelung, um überhaupt etwas erkennen zu können. Die Schulleitung bemühe sich zwar enorm, daran etwas zu ändern — doch wirklich erreichen könne sie nur wenig: „Ich habe hier 1982 Abitur gemacht. Seitdem hat sich an der Schule kaum etwas verändert. Selbst die alten Bilder hängen noch.“