1. NRW
  2. Kreis Viersen
  3. Kempen und Grefrath

„Schön, einmal noch die Wasserspritze zu halten“

„Schön, einmal noch die Wasserspritze zu halten“

Die Feuerwehrjugend besucht das Senioren- Pflegezentrum. Dabei erzählt ein ehemaliger Brandmeister von seinem gefährlichsten Einsatz.

Breyell. Zitternd und zaghaft greifen die dünnen Hände nach Schlauch und Spritze. Eine junge Feuerwehrfrau hilft dabei. Der Brandmeister verzieht keine Miene, so konzentriert ist er. Dann nickt er, ein Wasserstrahl schießt aus dem Schlauch. Und alle freuen sich mit Bernd Gastel am Nachmittag des Weltjugendtags im Curanum Seniorenpflegezentrum.

Lena Ritters (13), Mitglied der Jugendfeuerwehr

Brandmeister ist Bernd Gastel schon einige Jahre nicht mehr: „Ich musste aus Krankheitsgründen meinen Beruf aufgeben“, sagt der 58-Jährige aus Sachsen-Anhalt. Er zog deshalb ins Altenheim nach Breyell in die Nähe seiner Angehörigen. Und als er in einer Gesprächsrunde mit Bewohnern von seiner Zeit bei der Feuerwehr erzählte, war die Idee zu einer besonderen Veranstaltung schnell geboren.

„Die Begegnung von jungen und alten Menschen ist immer für alle bereichernd, dafür ist der Weltjugendtag natürlich ein willkommener Anlass“, meint Kathrin Grulke. Die stellvertretende Leiterin der Nettetaler Curanum-Häuser lud die Feuerwehrjugend ein. Und die ist gern gekommen: „Es ist doch nett, mit den alten Leuten zu reden. Sie erzählen von früher, wir von der Feuerwehr heute“, kommentiert die 13-jährige Lena Ritters.

Da sitzen über 50 Bewohner und ihre Betreuer vor dem Altenheim und sehen den jungen Wehrleuten zu, die geschickt den dicken Schlauch vom Löschwagen ausrollen. „Unsere Jugend ist sehr engagiert, trotz der Ferien machen über zehn Jungen und Mädchen mit“, lobt Thomas Ritters. Der stellvertretende Stadtjugendwart und seine jungen Kollegen sind beeindruckt vom Interesse der Senioren, die mit Eifer selbst den Wasserstrahl ins Gelände schießen.

Zwischendurch erzählt Bernd Gastel, der sich mit zittrigen Händen an der Gehhilfe festhält, von früher. „Mein gefährlichster Einsatz war der Brand in einem Stall. Wir mussten 40 Rinder retten“, erinnert sich der frühere Brandmeister.

Die jungen Nettetaler Wehrleute staunen, als sie hören, mit welchem Mut der Feuerwehrmann damals zwischen Rauch und Flammen die Tiere von den Ketten löste und ins Freie bugsierte: „Wir konnten alle bis auf ein Rind retten!“ Und dann sagt er leise: „Schön, einmal noch die Wasserspritze in den Händen zu halten.“