Schnäppchenjagd in der Schule

Schnäppchenjagd in der Schule

Die Stadt Kempen hat in der Astrid- Lindgren-Schule Fundsachen versteigert. Unter den imaginären Hammer kam vieles — von Fahrrädern bis zum Parfüm.

Kempen. Die Blicke, die entlang der mehr als 50 Fahrräder schweifen, sind prüfend. Dort wird eine Gangschaltung genau unter die Lupe genommen, ein Stückchen weiter zieht jemand an den Bremsen. Es knubbelt sich entlang der Räder, die in einem Klassenraum der Kempener Astrid-Lindgren-Schule stehen und die allesamt zur Fundsachenversteigerung der Stadt Kempen gehören. Nach einer Pause von zwei Jahren, bedingt durch weniger Fundgegenstände, stand jetzt wieder eine Versteigerung ins Haus. Und die lockte die Besucher nicht nur aus Kempen an.

„Ich bin auf der Suche nach zwei Rädern. Ich hätte nicht gedacht, dass die Auswahl so groß ist. Ich habe bereits Räder gefunden, auf die ich auf jeden Fall bieten möchte“, sagt Sandy Geerißen. Auch Paul Schmolke und sein Sohn Sven sind bereits fündig geworden. „An dem Rad, das uns interessiert, muss zwar einiges gemacht werden, aber wenn wir es günstig ersteigern können lohnt sich das, da wir selber reparieren“, so der Willicher.

Dann ist es soweit. Manfred Joosten, Leiter der Servicestelle der Stadt Kempen, begrüßt die zahlreichen Besucher, die sich im Foyer der Schule vor den Versteigerungstischen eingefunden haben. „Der Meistbietende erhält den Zuschlag. Bezahlt wird in bar bei meiner Kollegin, und es gibt eine Bescheinigung, dass der ersteigerte Gegenstand in ihr Eigentum übergegangen ist“, erklärt Joosten den Ablauf.

Doch bevor die Räder an die Reihe kommen, gehen zunächst einmal die Kleinteile unter den imaginären Hammer. Von Uhren über Smartphones bis hin zu Parfüms zieht sich die Palette. Die Düfte und weitere kosmetischen Produkte stammen dabei aus einer Sicherstellung durch die Polizei und waren von der Staatsanwalt zur Versteigerung freigegeben worden. Den Anfang macht ein Stativ, das nach einigem Zögern für den vorgesehenen Mindestgebotspreis von 15 Euro den Besitzer wechselt. Die Service-Mitarbeiterin Evelyne Bongen-Romba, die auch die Kasse innehat, füllt den ersten Eigentumserwerb aus.

Dann aber geht das Bieten los. Schmuck in Form einer Kombination von drei Ringen und einem Kettchen startet bei einem Euro und landet blitzschnell bei sechs Euro. Bei den Kinogutscheinen herrscht noch ein kurzes Überlege. Das aber verschwindet, als Joosten definitiv erklärt, dass sie bis November 2018 für ein Düsseldorfer Kino gültig sind. Es geht flott von fünf auf zehn Euro. Der nächste Schmuckfund klettert sogar auf 20 Euro, da es sich um ein Armband aus 333er Gold handelt, wie der Stempel auf der Schließe verrät.

Hände fliegen nach oben, die Stimmung ist gut und das Überbieten geht locker vonstatten. „Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten“, der Satz ist am laufenden Meter von Joosten zu hören. Hätte er einen Hammer, würde dieser auf den Tisch knallen, so aber ist es nur seine Hand, die auf den neuen Besitzer zeigt.

Eine Herrenarmbanduhr für einen Euro, ein aktuelles Smartphone für 44 Euro — die Kleinteile einschließlich des Parfüms sind schnell versteigert. Endlich kommen die Fahrräder an die Reihe, auf die so mancher Bieter voller Spannung gewartet hat. Auch hier gilt, der eine oder andere macht sein Wunschschnäppchen, während andere überboten werden.

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