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Schießfreunde-Freischütz-Tell in St. Tönis bieten Bogenschießen an

Bogenschießen bei Freischütz-Tell : Schießen wie einst Robin Hood

Bei den Schießfreunden-Freischütz-Tell St. Tönis wird nicht nur mit Gewehr und Pistole, sondern auch mit Pfeil und Bogen geschossen.

Robin Hood hatte einen, die Ureinwohner Pandoras, Wilhelm Tell und sehr wahrscheinlich auch der Freischütz in der gleichnamigen Oper von Carl-Maria von Weber: einen Bogen. Die beiden letzten Namen führen auch die Bogenschützen in ihrem Vereinsnamen Schießfreunde-Freischütz-Tell. Ein Sport, dem sich in St. Tönis zurzeit 170 Schützen widmen. Peter Mikulaschek ist der Abteilungsleiter und war selbst sieben Jahre in der olympischen Mannschaft. Ihm liegt vor allem die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen am Herzen.

Sport ist auch gut für
schulische Fähigkeiten

„Wenn Filme wie Avatar oder Robin Hood im Fernsehen gelaufen sind, dann kommt immer ein Schwung zu uns“, sagt Peter Mikulaschek. Um sich und den Sport auszutesten, gibt es Schnupperkurse für den der Verein das Zubehör stellt. So geschehen am vergangenen Samstag. Schon mit acht Jahren kann ein Kind mit den Training anfangen. „Dazu muss es eine gewisse Größe haben, um den Bogen ausziehen zu können“, sagt Mikulaschek. Die Armlänge muss stimmen und eine gewisse Konzentrationsfähigkeit. Diese wird im Laufe der Zeit verstärkt. „Sich auf den Punkt konzentrieren zu können, den Stress einzugrenzen, das ist in diesem Sport nötig. Und das sind Fähigkeiten, die in der Schule benötigt werden und hilfreich sind.“ Der Tagesablauf müsse wegen Schule, Lernen und Sport ebenso organisiert werden. Ein gutes Training für das Erwachsenenleben. Mikulaschek: „Ich habe 2018 eine Gruppe von 22-Jährigen geleitet, die nicht nur im Sport hervorragende Leistungen erbracht haben, sondern auch mit guten Noten ihre Abschlüsse geschafft haben.“ Bogenschießen ist nicht nur ein Sport für Einzelkämpfer. Es gibt auch Teamwettkämpfe, in denen die Ergebnisse der Einzelnen einfließen. So erlernten die jungen Sportler auch soziale Kompetenzen, wie das Aufbauen aber auch Trösten, je nach Verlauf der Wettkämpfe.

Acht ehrenamtliche Jugendtrainer kümmern sich um die jungen Schützen, die nach dem Schnupperkurs dabei bleiben wollen. Ein Bogen wird ihnen vom Verein gegen eine Leihgebühr von 50 Euro für ein halbes Jahr überlassen. Das andere Zubehör wie Pfeile, Arm- und Fingerschutz sowie Köcher und eventuell einen Streifschutz, der die Kleidung am Körper hält, müssen die jungen Sportler anschaffen. Die Schutzeinrichtung sowie Pfeile, so schätzt der Abteilungsleiter, kosten etwa 200 Euro in der Anschaffung.

Pfeil und Bogen – das klingt so einfach. Es sind aber ausgefeilte Geräte, die auf den jeweiligen Nutzer ausgerichtet sein sollen. So muss der Bogen an die Größe und Leistungsfähigkeit des Nutzers angepasst werden. Bei Anfängern besteht zum Beispiel der Mittelteil aus Holz. Sobald mehr Kraft aufgebaut werden konnte, wird er durch einen aus Metall ersetzt. Ein Bogen kann bei Profis bis zu vier Kilo wiegen. Der Recurvebogen wird am häufigsten bei Meisterschaften eingesetzt. Er besteht aus drei Teilen, einem Mittelteil aus Holz oder Leichtmetall und zwei Wurfarmen aus Holz, Glasfiber oder Carbonfasern. Spezielle Pfeilauflagen, Stabilisatoren und Schwingungsdämpfer ermöglichen einen erschütterungsfreien Abschuss der Pfeile und somit bessere Treffer. Pfeile bestehen aus Aluminium oder Carbon. „Daneben gibt es noch den Compoundbogen mit einem Rollen- und Seilzugsystem, das  die Haltekräfte verringert“, sagt  Peter Mikulaschek. Er besteht aus Leichtmetall und Wurfarmen aus Carbon. Hochleistungssportler legen auch schon mal 2500 Euro für ihr Gerät hin, Anfänger etwa 200 Euro, so Mikulaschek.

Und dann muss auch noch die Scheibenauflage auf den Zielscheiben aus gepresstem Stroh getroffen werden – möglichst in die Mitte. Auf den Scheiben lassen Fähnchen erkennen, aus welcher Richtung der Wind kommt. Dieser und der  Lichteinfall wirken sich auf den Schuss aus. „Dafür stellt man sich im 90-Gradwinkel zur Schießrichtung auf, die Beine schulterbreit geöffnet“, sagt  Mikulaschek. Sehne gespannt, Pfeil ausgerichtet und durch das Visier das Ziel fokussiert. Pfeil loslassen, den Bogen entspannt absenken. Im Wettkampf muss man sich dann schon wieder auf den nächsten Schuss einstellen. „Draußen hat man für sechs Pfeile vier Minute Zeit, in der Halle für drei zwei Minuten“, weiß der Abteilungsleiter. Pfeilschnell – bei einem Spitzensportler heißt das 200 km/h. Die Distanz, die ein Pfeil zurücklegt, liegt in St. Tönis zwischen 25 und 70 Metern. Einsteiger können auch bei zehn bis zwölf Metern anfangen, erreichen aber laut Mikulaschek schnell die 25 Meter.

Und zum Schluss ein kleiner Exkurs zum Thema „kontrollierendes Auge“. Dass das bei der Zielgenauigkeit eine große Rolle spielt, ist klar. Gut ist es, wenn bei einem Rechts- oder Linkshänder das jeweiligen Auge auf der gleichen Seite diese Aufgabe übernimmt. Ist das nicht der Fall, dann kann eine Klappe auf dem „starken“ Auge helfen,  das „unterlegene“  zu stärken. Abteilungsleiter Peter Mikulaschek „Das Umtrainieren von Händen und Muskelaufbau bei Armen ist nicht geeignet.“