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Scheiterhaufen und Folterkammer in der Dorenburg

Scheiterhaufen und Folterkammer in der Dorenburg

Im Niederrheinischen Freilichtmuseum Dorenburg kann man zurzeit eine Ausstellung über Hexenverfolgung und -verbrennung am Niederrhein sehen. Dies war auch in der frühen Neuzeit noch ein Thema.

Grefrath. „1570 wird Beel This aus Kempen beschuldigt, den Bauer Sander Honn, seine Kinder, sein Vieh und seinen Hof durch Zauberei geschädigt zu haben. Während der Folter bekennt Beel This, eine Hexe zu sein und Schadenszauber begangen zu haben. Sie wird am 20. Oktober 1570 auf den Peschwiesen verbrannt.“ Hinter diesen schlichten Sätzen verbirgt sich ein Schicksal aus der Zeit der Hexenverfolgung und -verbrennung. Nachzulesen in der Sonderausstellung „Da selbsten ein Anfang zu brennen gemacht. Aberglaube und Hexenwahn am Niederrhein“, die morgen im Freilichtmuseum Dorenburg eröffnet wird.

Scheiterhaufen und Folterkammer in der Dorenburg

Hexenverfolgung war am Niederrhein nicht unbekannt, sagt Diana Finkele, Leiterin des Grafschafter Museums im Moerser Schloss. Sie hat die Ausstellung für das Museumsnetzwerk Niederrhein zusammengestellt. „Hexenverfolgung war kein Phänomen des ,dunklen Mittelalters’, sondern auch der frühen Neuzeit“, sagte sie bei einer Presseführung. Das letzte Opfer sei 1738 in Gerresheim hingerichtet worden. Insgesamt fielen allein im 17. Jahrhundert 1000 Menschen dem Hexenwahn zum Opfer.

Scheiterhaufen und Folterkammer in der Dorenburg
Foto: Kurt Lübke

Die meisten Verfolgungen gab es 1480 bis 1575 und 1580 bis 1650. Wo und in welcher Anhäufung — darüber gibt eine Übersichtskarte zu Beginn der Ausstellung im ersten Stock der Dorenburg Aufschluss. Und über die wichtigste Grundlage für die Hexenverfolgung: Es war der „Hexenhammer“. Was wie ein Folterinstrument klingt, war ein Buch des päpstlichen Inquisitors Heinrich Kramer. Er hat 1487 die Schrift „Malleus maleficarum“ verfasst, in der er laut Finkele sein Frauenbild beschreibt. „Femina“, schreibt Kramer damals, heißt die, die weniger Glauben hat. Ergo sei die Frau von Natur aus schlecht, so Finkele. Anders als der Mann, der mehrheitlich behext worden sei, also ein Opfer. Und so erklärt es sich auch, dass 80 Prozent der verfolgten Hexen Frauen waren.

Die Ausstellung beleuchtet auch die Rolle der Religion bei diesem Thema. „Ich will der erste sein, der Feuer an sie legt.“ Dieser Satz stammt von Martin Luther und ist auf einer der Schautafeln zu lesen. Hexerei war für ihn also durchaus real. Dennoch hat er einen Studenten, der sich der Hexerei bezichtigte, bekehrt und so gerettet. Die Religion, sagt Finkele, hat eine große Rolle in der Hexenverfolgung gespielt. Vor allem, da sich im Mittelalter oftmals die religiöse Ausrichtung des Herrschers geändert habe. „Besonders schlimm war die Zeit des 30-jährigen Krieges“, so die Moerser Museumsleiterin. Die hiesige Gegend sei zwar kein Kriegsgebiet gewesen, aber viele Truppen seien durchgezogen.

Natürlich darf in einer solchen Ausstellung eine Folterkammer nicht fehlen. Sie wird nur bei Führungen geöffnet. Hexenstuhl, Daumenschrauben, Spanischer Esel und Aufzugsmast lassen die Qualen erahnen, die zumeist Frauen bei der „peinlichen“ Befragung — wie die Folter hieß — über sich ergehen lassen mussten. Um als Hexe angeklagt zu werden, bedurfte es zweier glaubwürdiger Augenzeugen oder eines Geständnisses. War die Beschuldigte nicht geständig, so stand die Folter an. Auch wenn juristisch ein Geständnis unter Folter nicht galt, war es durchaus üblich, dies anzuerkennen. Viele überlebten die Qualen jedoch nicht. Ein Umstand, der ebenfalls in der juristischen Theorie nicht vorgesehen war, praktisch aber oft vorkam — je nachdem dem mit welcher „Begeisterung“ der Scharfrichter vorging, so Finkele. Handfeste finanzielle Interesse waren dieser Begeisterung auch förderlich, wie ebenfalls in der Ausstellung zu lesen ist.

Von der Folterkammer geht es in den Gerichtsstand. Dort saßen Laien zu Gericht. Die Besucher können als Schöffen auf Bänken Platz nehmen und über Kopfhörer Gerichtsprotokolle anhören. Immer mit Blick auf den Scheiterhaufen. Der ist so gestapelt, dass der Körper brennen konnte. Die meisten Darstellungen, in denen das Holz dreieckig gelegt ist, funktionierten nicht. Das sei erforscht worden, sagt die Museumsleiterin aus Moers.

„Damit der Besucher nicht ganz so trist aus der Ausstellung geht, gibt es im dritten Raum einen heiteren Teil“, erläutert Finkele. „In den niederrheinischen Sagen geht der Teufel leer aus“ steht auf einer Schautafel. Listige Menschen widersetzen sich dem Bösen. Wie ein Grefrather Leinenweber, dessen Seele dem Teufel gehören soll, wenn sein Tuch fertig gewebt ist. Doch das geschieht nicht, Fäden reißen, der Webstuhl hat Macken. Selbst als der Teufel höllische Hilfskräfte an den Webstuhl stellt, schlägt der Grefrather ihnen die Zähne mit dem Schiffchen aus, macht die Pläne des Bösen zunichte.

Ein Pferdeschädel zeugt vom Aberglauben, dass dieser, aufgepfählt, den Wasserdämon besiegen kann. Bauopfer, das sind beispielsweise Schuhe, die in Hauswände eingemauert wurden. „Warum Schuhe?“, fragt Finkele und gibt gleich die Antwort: Das weiß man nicht.“ Dies ist aber auch die einzige Stelle, an der die Ausstellung zum Hexenwahn eine Antwort schuldig bleibt. Wer alle Tafeln und Hinweise liest, der bekommt einen guten Überblick über die Zeit, die aus der Sicht des Betrachters sehr spannend aber ein auch bisschen gruselig ist.