Rundum perfekte Proklamation

Mit der Übergabe des närrischen Zepters beginnt die heiße Phase der Session unter Prinz Heinz Kox.

Kempen. Diese Prinzenproklamation wird in die Geschichte des fast 100-jährigen Kempener Karnevalsvereins (KKV) eingehen — denn sie war perfekt.

Am Samstag um 20.58 Uhr präsentierte sich das neue Prinzenpaar gemeinsam mit den drei Töchtern auf der prächtig gestalteten Bühne im Kolpinghaus. Die Prinzenfamilie Kox: Ein Dreamteam, das ganz viel Menschlichkeit, Familiensinn, aber auch Heiterkeit, Frohsinn und Gefühl für Brauchtum vermittelt.

Die Proklamation war emotional — gut so. Sie war flott, beschwingt, einfach gekonnt gemacht. Nicht zuletzt dank toller Mitstreiter.

Da hatte Bürgermeister Volker Rübo in seiner gelungenen Rede, die bestens ankam und mit viel Beifall bedacht wurde, vollkommen recht: „Kempen hat weit und breit das schönste Prinzenhaus.“ Die prinzliche Kleidung, inklusive der Pagen: Eine Hommage an die Kempener Stadtfarben. Der Prinz, ’ne Hüppersche, hat seine Herkunft nicht vergessen und das heimatliche Wappen auf seiner wohl einmaligen Metallpritsche verewigt.

Es war ein Abend, bei dem das Brauchtum Karneval bewies, wie gut, wie unterhaltsam, wie Menschen verbindend es sein kann. Heinz Kox demonstrierte in seiner Prinzenloge mehrfach, dass er ein „Prinz des Volkes“ ist. Tanzte mit seiner Prinzessin auf der Bühne, stand immer wieder auf und hatte sich beim elfminütigen Einzug durch die Reihen gebützt.

Das Motto: „In Kempen dreht sich der Karneval“ passte 100-prozentig zu Kempen, denn auf dem Orden ist die Mühle ebenso zu finden wie in der Prinzenpaarloge im Kolpinghaus. Erinnerungen wurden wach an Karin und Theo Balters aus St. Hubert, die ebenso volkstümlich rüberkamen. Die Passage in der Proklamationsrede von Prinz Heinz sagt alles: „ Fernsehen, Facebook, Telefon — sagt mir, wer braucht das schon? Wir Narren wollen uns die Hände reichen und uns nicht mehr von der Seite weichen.“

Der KKV hatte ein gutes Händchen bei der Zusammenstellung des Programms. Das bestens mitgehende Publikum dankte mit mehrfachen stehenden Ovationen den Verantwortlichen. KKV-Präsident Heinz Börsch moderierte die Proklamation ebenso flott wie später der gut aufgelegte „Lustige Rheinländer“ Hans Jürgen Pinter aus Andernach, der sich als Wortakrobat entpuppte und der die „doof Nuss“ (Hans Hachenberg) köstlich imitierte.

Die Unkeler Ratsherren, die bekannteste Blasmusik-Boygroup seit mehr als zwei Jahrzehnten im Gehrock, brachte Stimmung ins Kolpinghaus. Das Narrenvolk war begeistert.

Der Höhepunkt des Abends war zweifelsohne die 44 Jahre alte Tanzformation „De Höppemötzjer“ aus Köln mit dem herausragenden Tanzpaar Simon Seidel und Marie Mona Schauer. Dieses tänzerische Vermögen, diese filigranen Hebefiguren der Truppe kaum zu toppen. Doch auch die Prinzengarde Kempen mit drei tollen Tanzpaaren und der Löschzug Kempen der Feuerwehr mit seinen Tänzen rissen die Narrenschar zu Begeisterungsstürmen hin.

„Rot und Blau Kempen Helau“: Der Ruf ging runter wie Butter am Samstag in der langen Narrennacht.

Mehr von Westdeutsche Zeitung