Rückzug von Andrea Nahles: Das sagt Udo Schiefner aus Kempen dazu

SPD-Bundestagsabgeordneter aus Kempen : „Nahles ist ihr Ätschi-bätschi-Image nicht losgeworden“

Ein SPD-Bundestagsabgeordneter aus Kempen kommentiert den Rückzug der Partei- und Fraktionschefin. Und wird dabei ziemlich deutlich.

„Sie hat nicht mehr den Rückhalt in der Partei und in der Bevölkerung gehabt. Ihr Image, dieses „Ätschi-bätschi“-Bild, ist sie nicht mehr losgeworden. Vor ihrer Entscheidung, jetzt als Parteichefin und als Fraktionsvorsitzende  zurückzutreten, habe ich Respekt. Es war der richtige Schritt!“ So kommentierte Udo Schiefner,  der SPD-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Viersen,  am frühen Sonntagmittag die politische Top-Meldung des Sonntags – das Aus seiner Chefin in den Top-Positionen der Politik.

Nahles war von 2009 bis 2013 SPD-Generalsekretärin. Zwischen 2013 und 2017 war sie Bundesministerin für Arbeit und Soziales im Kabinett Merkel. Im Herbst 2017 übernahm sie das Amt der Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, vor gut einem Jahr wurde sie Parteichefin. Nach dem schlechten Abschneiden der SPD bei den Europawahlen vor acht Tagen war Nahles beim Gros der Genossen angezählt wie ein Boxer vor dem K.o..

Nahles’ Auftreten hinter den Kulissen war „kompetent“

Der Kempener Udo Schiefner ist einer, der Andrea Nahles seit Jahren aus der direkten Zusammenarbeit im Politkbetrieb der  Bundeshauptstadt Berlin kennt: „Ihre Arbeit hinter den Kulissen war wesentlich besser als ihr  Auftreten nach außen“, sagt Schiefner. Solide, kompetent, den Menschen zugewandt, wie zuletzt, als beide zum Thema Berufskraftfahrer gemeinsam Termine wahrnahmen. „Sie hat die Sorgen der Leute wahr- und mitgenommen.“

Nun aber sei er, sagt Schiefner, erleichtert, weil es ihm auch um den Neuanfang der Partei geht. Personell, vor allem aber thematisch.

Auf Nachfolgekandidaten wollte er sich im WZ-Gespräch nicht einlassen. „Das bringt nur Unruhe. Wir wollten uns jetzt die Ruhe nehmen und die Ausrichtung besprechen.“ Gleichwohl wurde am Sonntag bereits Malu Dreyer als mögliche Nahles-Nachfolgerin gehandelt.

Schiefner wollte noch am Sonntagabend nach Berlin fliegen. Am Montagvormittag habe er erste Gespräche. Am Nachmittag tritt der  Fraktionsvorstand, dem er angehört, zusammen. „Durch eine neue Personalie  ist die Welt noch nicht in Ordnung.“ Entscheidend für die Zukunft werde nun die programmatische Ausrichtung der Sozialdemokratie. Die  Kernkompetenz der SPD, betont Schiefner, sei die soziale Gerechtigkeit, quasi ein Oberbegriff, der auf viele Themen der Gesellschaft abziele. In Fragen von Ökonomie und Ökologie beispielsweise auch entscheidend in Bezug auf den Klimaschutz, so Schiefner.

Viel Arbeit kommt auf den Kempener in Berlin zu. Wie kommentierte Schiefner Personalie und Programm zugleich auf seiner facebook-Seite: „Sie (Andrea Nahles) hat nun den Weg frei gemacht. Damit sind unsere Probleme aber noch lange nicht gelöst!“

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