Gut Heimendahl: Ritterlager: Kämpfe im Kettenhemd

Gut Heimendahl: Ritterlager: Kämpfe im Kettenhemd

In Unterweiden schlugen Ritter ihr Lager auf.

Kempen. Die Hitze ist ihm egal. Obwohl die Temperaturen längst die 35-Grad Marke geknackt haben, kommt der sechsjährige Levin im dicken Ritterkostüm zum Gut Heimendahl. Helm und langärmeliges Kettenhemd sind für den jungen Mittelalter-Fan Pflicht. Schließlich trifft er auf zahlreiche Gleichgesinnte. Zum fünften Mal findet auf Gut Heimendahl ein Ritterlager statt.

Im Park des Anwesens stehen gut 20 Stände, an denen historische Kämpfer, Handwerker und Gaukler ihr Können präsentieren. Höhepunkte sind die Schaukämpfe der Veytaler-Ritterschaft. Mit spektakulären Gefechten und markigen Sprüchen sorgen die Ritter für große Augen bei kleinen und großen Besuchern. Und wie ist es bei hohen Temperaturen unter der Metallrüstung auszuhalten? „Das geht ganz gut. Es ist reine Gewohnheitssache“, sagt Norbert von Thule, Anführer der Ritterschaft. Schließlich sei seine Truppe aktuell fast jedes Wochenende auf einem anderen Markt im Einsatz.

Die vierjährigen Zwillinge David und Thomas dürfen Helme anprobieren und Schwerter festhalten. „Gekämpft habe ich aber mit einem Rohr“, sagt David. Das Schwert sei etwas zu groß und schwer gewesen. Thies findet die historischen Glücks- und Geschicklichkeitsspiele am Besten: „Das Eierknacken gefällt mir gut.“ Bei diesem Spiel versucht der Junge, mit einer Kugel einen halben Meter vor ihm aufgebaute rohe Eier kaputt zu werfen. Als Belohnung gibt es einen Edelstein.

Die Stimmung ist familiär und entspannt. Schließlich gibt es auch für Erwachsene einiges zu sehen. Unter anderem einen echten Weltmeister. Die Rede ist vom Bergkäse Gruyère, der bei der Käseweltmeisterschaft in den USA den ersten Platz belegt hat. Diese und andere seiner ausgefallenen Sorten präsentiert Käsemeister Hans-Jörg Halbach.

Für generationenübergreifende Begeisterung sorgt der Wildnispädagoge Daniel Moser. Er hat einen Waldkauz, einen Buntfalken und einen Wüstenbussard mitgebracht. Die Besucher bekommen die Möglichkeit, die Tiere auf ihre Hand zu nehmen. „Ich versuche Berührungsängste mit der Natur zu nehmen“, sagt Moser. Meist sind es die Kinder, die sich als Erste trauen, die Vögel auf ihre Faust zu setzen. Zauberer Magus Antonius sorgt für Staunen. Er lässt Schaumstoffhasen in seinen und den Händen der Gäste auftauchen und verschwinden.

Für jeden nachvollziehbar ist das Handwerk von Markus Nießen und Robin Becker. Auf einer historischen Seilerbahn verarbeiten sie Wollfäden zu Tauen. Dabei helfen die Kinder tatkräftig mit. Durch Kurbeln halten sie das Gerät in Betrieb. Natürlich dürfen Nachwuchshandwerker das Produkt ihrer Arbeit mit nach Hause nehmen. jab

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