Verkehr : Ringschluss noch nicht vom Tisch

Die Politik will den Außenring im Westen weiter diskutieren. Auch wenn das teuer werden und Jahrzehnte dauern könnte.

Noch ist keine Variante für die Erschließung des neuen Baugebietes im Kempener Westen vom Tisch. Auch eine Schließung des Außenrings durch eine Umgehung im Westen soll noch nicht zu den Akten gelegt werden. Das war die gute Nachricht, über die sich die Anwohner von Oedter Straße, Birkenallee und Umgebung freuen konnten, die am Montagabend in den Planungsausschuss gekommen waren. Dort stellte Jan Diesfeld vom beauftragten Büro Planersocietät in Dortmund die Ergebnisse eines Verkehrsgutachtens und fünf Varianten für die Erschließung des neuen Wohngebietes im Kempener Westen vor. Aber: Auf den Ringschluss machte er wenig Hoffnung.

Bereits im Vorfeld der Sitzung hatten Vertreter der Bürgerinitiative „Lärmschutz K 12“ eine Unterschriftenliste übergeben (die WZ berichtete). Sie befürchtet den Anstieg von Verkehrs- und Lärmbelastung durch das neue Baugebiet. In der Einwohnerfragestunde der Ausschusssitzung unterstrichen die Anwohner noch einmal ihre Befürchtungen und ihre Forderungen nach besserem Lärmschutz. Auch von den Schulen kommt Resonanz. „Alle Schulen halten die Verkehrssituation für verbesserungswürdig“, so Gisela Ditzen, Lehrerin am Luise-von-Duisberg-Gymnasium.

Das Büro Planersocietät hatte fünf Varianten für zukünftige Straßen ausgearbeitet. Die erste ist der besagte Ringschluss mit einer Umgehung von der Straelener Straße im Norden bis zum Außenring im Süden. Das ist die Variante, die die deutlichste Entlastung für die Achse Oedter Straße, Birken- und Berliner Allee bringen würde. Aber die prognostizierte Menge an Autos auf diesem Stück wäre für eine Kreis- oder Landstraße sehr gering, so Planer Diesfeld. Auf eine Förderung könnte die Stadt da nicht hoffen. Grob überschlagen schätzte er die Kosten auf 15 Millionen Euro – Planungskosten und Grunderwerb noch nicht eingerechnet. Gerade im Grundstückskauf sieht der Technische Beigeordnete Marcus Beyer ein Problem. Das wäre eine Mammutaufgabe, bei der zwei Jahrzehnte ins Land gehen könnten.

Weitere Varianten wären eine Tempo-50-Straße entlang des Wohngebietes von der Straelener Straße bis zur Ziegelheider Straße oder bis zur Mülhauser Straße. Diese Varianten bringen teils Ent-, aber auch teils mehr Belastung, die aus Sicht der Gutachter aber verkehrstechnisch machbar sei.

Tempo-30-Straße durch das Gebiet ist Favorit der Experten

Auch möglich wäre eine Tempo-30-Straße im Wohngebiet – auch von der Straelener bis zur Ziegelheider oder bis zur Mülhauser Straße. Die Gutachter empfehlen unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten die Variante im Wohngebiet mit Tempo 30 von der Straelener bis zur Ziegelheider Straße. Diese bedeute zwar eine deutliche Verkehrszunahme für die Berliner Allee vom Dämkesweg bis zur Mülhauser Straße, diese sei aber verkehrstechnisch machbar. Ansonsten sei die Verkehrszunahme gering. Vorteile: Im Vergleich zum Ringschluss habe die Straße keine große Trennwirkung, sie sei ohne Eingriff in das Natur- und Landschaftsbild und ohne lange Planungszeit umsetzbar.

Vor 2022 werden wohl
keine Bagger rollen

Die Fraktionen sind aber durchaus daran interessiert, die bestehenden Straßen zu entlasten. Für Udo Kadagies (Freie Wähler Kempen) ist die Entlastung zu groß, als dass man die Ringschluss-Variante bereits aufgeben sollte. Auch Jochen Herbst (CDU) betonte: „Wir sollten nicht gleich eine Variante ausschließen, nur weil sie zu teuer ist.“ Andererseits, so Michael Rumphorst (Grüne), dürfe man sich dadurch nicht den Zeitplan kaputt machen lassen. „Wir brauchen möglichst schnell bezahlbaren Wohnraum.“ Vielleicht könnte man mit der Variante im Baugebiet starten und die Idee des Ringschlusses parallel zum Bau weiterverfolgen, so sein Vorschlag. Der Bedarf an Wohnraum sei da, betonte auch Marcus Beyer. Mit Blick auf die ausstehenden Planungen und Erschließungsarbeiten glaubt er schon heute nicht an einen Baubeginn 2022. Noch sind viele Fragen offen.

Die Verkehrsplanungen sollen bei einer Bürgerversammlung vorgestellt werden. Anschließend sollen die Politiker entscheiden, welche Variante der weiteren Planung zugrunde liegen soll.

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