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Rauchverbot: Zwei Kneipen müssen schließen

Rauchverbot: Zwei Kneipen müssen schließen

Der „Markt-Treff“ und die Gaststätte „Zum Hagelkreuz“ machen Ende des Jahres zu. Die Wirte beklagen zu hohe Einbußen.

Kempen. Zwei Traditionsgaststätten stehen vor dem Aus. Nach 26 Jahren schließt Agnes Frieters ihren „Markt-Treff“ am Viehmarkt zum Jahresende. Ähnlich ergeht es ihrem Sohn Marcus Frieters, der seit zwei Jahren die Gaststätte „Zum Hagelkreuz“ an der Otto-Hahn-Straße 58 betreibt. Mutter und Sohn machen für das Aus das „absolute Rauchverbot“ verantwortlich, das seit 1. Mai in Nordrhein-Westfalen gilt. „Seitdem habe ich 40 Prozent weniger Umsatz und kann so gerade noch die Pacht bezahlen“, sagt Marcus Frieters.

Die gebürtige Anratherin Agnes Frieters ist seit mehr als 40 Jahren in der Gastronomie tätig — unter anderem im ehemaligen „Haus Frieters“ in Vinkrath. Die Kempener Bierkneipe „Markt-Treff“ am Viehmarkt betreibt sie seit 26 Jahren. „Wegen des Rauchverbots läuft es sehr schlecht“, ärgert sich die Gastwirtin über die „ungemütliche Atmosphäre, wenn immer einer zum Rauchen rausgehen muss“. Das sorge auch für Unmut bei den Gästen, sagt die 65-Jährige. Sie blickt entspannt in die Zukunft, denn ihre Rente sei „soweit durch“.

„Zum Hagelkreuz“ heißt die letzte verbleibende Kneipe in der Neuen Stadt. Vor Marcus Frieters führten Vera und Jürgen Rögels bis 2011 die Gaststätte an der Otto-Hahn-Straße 58 — zwölf Jahre lang. „80 Prozent meiner Gäste rauchen. Seit Einführung des Rauchverbots verzeichne ich 40 Prozent weniger Umsatz“, beschreibt Frieters seine Situation.

Sobald schlechtes Wetter ist und die Raucher alleine vor die Tür müssen, geht das auf Kosten der Geselligkeit. „Wenn ich die Vereine nicht hätte, wäre die Kneipe wahrscheinlich schon zu“, mutmaßt Frieters. Für Dart-, Motorsport- und Angelverein sowie einen Sparclub ist „Zum Hagelkreuz“ derzeit das Stammlokal. Der 45-Jährige ist verheiratet und hat vier Kinder. Um seine Existenz zu sichern, wird der gelernte Textilveredler nach einem neuen Job Ausschau halten müssen.

„Die Umsätze sind seit dem Rauchverbot stark eingebrochen“, sagt auch Horst Kockers vom Lokal „Zur Altstadt“ an der Neustraße 25. Er vermutet, dass einige Gäste nun „lieber Zuhause im Partykeller rauchen, trinken und Karten spielen“. Er hofft auf mehr Besucher zu Beginn der neuen Bundesliga-Saison: Dann läuft in der Gaststätte die Bundesliga-Konferenz und im Saal das Spiel der Mönchengladbacher Borussia.

„Angst vor schlechtem Wetter und Winter“ hat „Bärlin’s“-Wirt Wolfgang Beeren von der Judenstraße 8: „Momentan spielt sich das Leben eh draußen ab. Aber wenn die Raucher wieder abends raus müssen, schlägt das auf die Stimmung beim Tresengespräch.“ Beeren fühlt sich vom Gesetz bevormundet — ähnlich wie Agnes Frieters. Eine Zukunft für den „Markt-Treff“ sieht sie „nur, wenn das Gesetz gekippt wird“. Und das ist mehr als unwahrscheinlich.