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Radler gegen Fußgänger: Stadt will ein Miteinander

Radler gegen Fußgänger: Stadt will ein Miteinander

In Kempen ist das Radfahren erlaubt. Manche Spaziergänger stören sich daran. Per Flyer wirbt die Stadt jetzt für mehr Rücksicht von beiden Seiten.

Kempen. Zwei Radfahrer treffen sich auf der Engerstraße, halten an und beginnen, miteinander zu reden. Sie bleiben genau an dieser Stelle stehen und versperren den Weg. „Das ist eine typische Szene, die jeden Tag zu sehen ist“, sagt der Erste Beigeordnete Hans Ferber. Die Stadt hat deshalb eine Broschüre herausgegeben, die mehr Rücksicht von Fußgängern und Radfahrern fordert.

„Wir haben momentan keine besondere Problemlage, aber es kommt in der Altstadt immer wieder zu brenzligen Situationen“, erklärt Ferber. Ursache seien vor allem Erwachsene, die ihr Fahrrad mit einer „Platzhirsch-Mentalität“ durch die Straßen lenken und Schüler, die mittags in Massen nach Hause fahren.

Ordnungsamt und Polizei werden in den nächsten Wochen verstärkt nach Verkehrssündern Ausschau halten, kündigt Ferber an. „Wir werden aber zunächst an die Vernunft appellieren, denn es sind nur Einzelne, die ausscheren.“ Sollten die mündlichen Ermahnungen keine Wirkung haben, will die Stadt Bußgelder in Höhe von 15 bis 20 Euro verhängen.

Auch mit dem Flyer setzt die Stadt auf das Verständnis der Bürger. Anstelle von Vorschriften, wie man sich zu verhalten hat, findet man darin Zitate mit den unterschiedlichen Perspektiven. Radfahrer preisen die Vorzüge des schnellen Vorankommens an. Fußgänger wünschen sich, dass mehr auf sie geachtet wird.

„Grundsätzlich bewährt sich das Nebeneinander von Fußgängern und Radfahrern, aber man muss am Thema dranbleiben“, sagt Ferber. Neue Schüler-Generationen und Bürger, die gerade erst nach Kempen gezogen seien, müssten sich damit vertraut machen. „Ein relevantes Unfall-Aufkommen gibt es nicht“, erklärt Polizeileiter Bernd Wegener. Es gehe mehr darum, ein Bewusstsein zu schaffen.

Bezirkspolizist Norbert Wans hat Tipps für einen besseren Umgang miteinander. „Auch als Fußgänger muss man ab und zu nach hinten schauen“, rät er. Radfahrer müssten öfter ihre Klingel benutzen. Fußgänger sollten sich daran gewöhnen und sich nicht darüber ärgern. „Das ist ein Warnzeichen und sollte nicht automatisch als Wegdrängen empfunden werden.“

5000 Flyer hat die Stadt insgesamt gedruckt. Diese werden in den Geschäften des Werberings ausgelegt und auch für Verkehrsübungen mit Senioren und Schülern benutzt.