Punktlandung in der Kita-Planung

Nach Angaben der Stadt werden alle Eltern einen Platz zur Betreuung ihrer Kinder bekommen. Es gibt aber noch Unsicherheiten.

Kempen. Dezernent Michael Klee hielt die Spannung hoch im Jugendhilfeausschuss am Dienstagabend. Ob alle Kinder zum nächsten Kita-Jahr einen Betreuungsplatz bekommen? Im Tagesordnungspunkt sieben kam die erfreuliche Antwort. Alle angemeldeten Kinder konnten mit einem Platz versorgt werden. 1162 Plätze wurden vergeben. „Wir schaffen es knapp“, so Klee. Es sei aber nicht sicher, dass die Betreuung auch wohnraumnah erfolgen kann. Es ist also möglich, dass Eltern zum Beispiel von St. Hubert nach Tönisberg oder von Kempen nach St. Hubert fahren müssen.

Der Betreuungsbedarf der Familien, insbesondere für die Kinder ab einem Jahr, ist erneut gestiegen. Laut Planung liegen die Versorgungsquoten für den U3-Bereich im Kempener Norden bei 52 Prozent, im Süden bei 58,5 Prozent, in St. Hubert bei 46 Prozent und in Tönisberg bei 51 Prozent.

Gelöst werden konnte dies für das nächste Kita-Jahr durch die Erweiterung der Kitas Spatzennest (Kempen) und St. Antonius (Tönisberg), die Einrichtung von Notgruppen in den Kitas Mullewapp, Regenbogen und Hermann-Josef (alle Kempen) sowie veränderte Nutzung von Räumen in den Kitas Tabaluga (St. Hubert) und Schlösschen (Tönisberg). Auch durch die „verstärkte Akquise von Tagespflegepersonen“ konnte der Bedarf laut Stadt gedeckt werden. 19 Plätze seien noch als Puffer übrig. Das sei aber lediglich der aktuelle Stand.

„Da ist eine hohe Dynamik drin“, sagt Klee. Weiterhin gebe es unsichere Punkte in der Kindertagespflege. Um Kita-Plätze zu schaffen, wurden die Großtagespflegestellen aus den Kitas Tabaluga und Schlösschen herausgenommen. Nun ist — nachdem sie, wie berichtet, zunächst als zu teuer eingeschätzt wurde — wieder die Johannes-Hubertus-Schule in den Blick für die Tagespflege gerückt, aber mit neuem Konzept (die WZ berichtete exklusiv). Durch einen längeren Nutzungszeitraum will die Stadt die Maßnahme günstiger und nachhaltiger gestalten. Zum 1. August wird dies aber nicht umsetzbar sein. Die Stadt hat in St. Hubert eine Wohnung im Blick, die für den Übergang angemietet werden soll. Auch für Tönisberg ist angedacht, dass eine Tagespflegeperson eine Wohnung für die Betreuung anmietet.

Aber die Stadt muss auch weiter in die Zukunft schauen. Der Bedarf — so die Prognose — wird weiter steigen. Daher drängen die Politiker auch auf zügiges Handeln. „Es zeichnet sich ab, dass wir spätestens nächstes Jahr wieder Probleme bekommen“, so Bettina Ortmanns (CDU). Daher müsse man über die Notlösungen und Provisorien hinaus Maßnahmen auf den Weg bringen. Da waren sich fast alle Fraktionen einig. Der Vorschlag von Renate Becker (FDP), doch lieber Anreize zu schaffen, damit Frauen die ersten zwei bis drei Lebensjahre ihres Kindes zu Hause zu bleiben, wurde gleich mit so viel Kritik bedacht, dass er nicht ernsthaft weiterverfolgt wurde.

Das Jugendamt strebt den Bau von zwei Einrichtungen im geplanten Neubaugebiet Kempen West an. Zudem sollen zwei neue Kitas als Voraussetzung zur Zusammenlegung der Einrichtungen Tabaluga und Bärenstark entstehen, die dann mehr Platz bieten. Die Kita Bärenstark weist so starke Feuchtigkeitsschäden auf, dass diese wahrscheinlich abgerissen und ein Neubau entstehen wird. Auch in Tönisberg soll eine zusätzliche Einrichtung oder eine Modulbau-Lösung zur Erweiterung der bestehenden Kitas umgesetzt werden.

Großtagespflegestellen sollen weiter ausgebaut und realistische Finanzierungsmodelle für die Tagespflegepersonen geschaffen werden. „Angestelltenähnliche Beschäftigungsverhältnisse“ könnten eine Lösung sein, um das Angebot der Kindertagespflege verlässlich und planungssicher zu machen, so die Stadtverwaltung. Zudem steige das Interesse an der Einrichtung von Großtagespflegestellen. Allerdings fehle der notwendige Raum zur Anmietung in Kempen.

Um Tagesmütter und -väter schon jetzt stärker zu unterstützen, stimmte der Ausschuss für eine veränderte Form der Förderung. Statt als Anschubfinanzierung die Miete der Räume, die für die Tagespflege genutzt werden, nur für die ersten drei Monate zu übernehmen und danach für jedes betreute Kind einen zusätzlichen Förderbetrag von 50 Euro pro Monat zu zahlen, soll nun die Miete zeitlich unbefristet übernommen werden. Jede Tagespflegeperson zahlt einen Eigenanteil von 50 Euro pro Monat. So entfällt das Risiko, bei Fehlbelegungen auf Kosten sitzen zu bleiben. Das gilt für die Tagespflegestützpunkte, die auf Veranlassung des Jugendamtes im Stadtgebiet Kempen entstehen.

Für die erforderlichen Baumaßnahmen will Klee nach den Sommerferien zusammen mit dem technischen Dezernat des Beigeordneten Marcus Beyer ein konkretes Programm mit Zeitbestimmungen beginnen. Michael Klee gab zu bedenken, dass der Bau von neuen Kitas der eine Schritt sei, es in den kommenden Jahren aber immer schwieriger werden wird, dafür auch das notwendige Personal zu finden.

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