Plastikmüll kommt vielen nicht in die Tüte

Plastikmüll kommt vielen nicht in die Tüte

Vor allem Wochenmarkt-Besucher sind gut vorbereitet für einen verpackungsarmen Einkauf: Sie kommen mit Korb und Einkaufszettel.

Kempen. Körbe, Jutetaschen und Baumwollbeutel wohin man blickt: Kempener gehen gut vorbereitet zum Wochenmarkt. Bewusst, denn Umweltschutz ist vielen wichtig — und der fängt schon im Kleinen an. Indem man auf Plastiktüten und Verpackungen verzichtet, wann immer es geht.

„Ich habe stets zwei Baumwolltüten dabei“, sagt eine Kempenerin. Sie lässt sich gerade Birnen lose abwiegen, ehe sie das Obst in der Fahrradpacktasche verstaut. „Ich kaufe nichts, was eingepackt ist“, sagt sie und meint damit vorwiegend Obst und Gemüse. Bei Wurst- und Fleischwaren sei das schon schwieriger. Sie ist für das Thema Müllvermeidung sensibilisiert. Ihr Sohn arbeitet in der Entsorgungsbranche.

Umfrage: WZ vor Ort

„Ältere Leute wollen oft die Ware in Tüten, jüngere Leute kommen häufig mit Körben.“ Die Erfahrung macht Obst- und Gemüsehändler Heinz-Peter Clemens. Er hört nicht selten: „Tun Sie mir das in eine Tüte, sonst wird meine Tasche schmutzig.“ Er versuche auf jeden Fall, so viele Sachen wie möglich in eine Tüte zu packen. Und: „Ich verkaufe nur Gurken, die nicht foliert sind.“ Die dünnen Plastiktüten, die er am Stand bereit hält, lassen sich nicht immer vermeiden: „Feldsalat beispielsweise trocknet in Papier aus.“ Insgesamt macht Clemens seinen Kempener Kunden ein Kompliment: „Sie kommen besser vorbereitet zum Einkauf als die Viersener.“

Alice Vogel kauft beispielsweise bewusst Glasflaschen, doch ganz ohne Plastikmehrwegflaschen gehe es in der Familie nicht: „Zur Schule und zum Sport nehmen die Kinder sie mit.“ Umweltbewusstsein ist ein Thema zu Hause: „Nach dem Sturm Friederike sah man überall Müll, der zum Beispiel in den Zäunen hing. Das ist schon aufgefallen.“

„Ich bin in den vergangenen Jahren umweltbewusster geworden“, sagt eine Passantin, die ihre Einkäufe ebenfalls in zwei mitgebrachte Jutetaschen packt. „Das ist doch keine Arbeit, das ist mit keinem Aufwand verbunden. Man muss einfach dran denken.“

„Ich bin mit dem Alter umweltbewusster geworden“, sagt Heino Breuning. „Wir haben uns irgendwann im Freundeskreis vorgenommen, mehr Müll zu sparen.“ Gerade arbeitet er seine Einkaufsliste auf dem Markt ab. „Gurken in Folie sind Schwachsinn“, meint er. Man frage sich doch auch, warum Bananen in Plastik eingepackt werden.

Margarete Lassmann kreuzt den Weg. Sie kommt vom Bäcker. Dorthin nimmt sie immer eine Folientüte mit, um den gekauften Laib Brot darin einzupacken. Baumwolltaschen hat sie immer dabei. „Äpfel wäscht man doch vor dem Essen sowieso, deshalb muss man sie nicht in dünnen Tüten kaufen“, sagt sie.

„Ich versuche eigentlich immer, die Plastiktüte zu vermeiden“, sagt Monika Theveßen. Zum Einkauf nehme sie schon seit vielen Jahren eigene Beutel mit. Plastiktüten kommen dabei nicht mehr infrage. Das sieht auch Peter Roßlebroich so: „Plastik ist schon seit 20 Jahren kein Thema mehr bei mir.“

Tabea, 16, setzt sich dafür ein, Plastikmüll besser zu recyceln: „Plastik ist unsterblich“, meint sie. „Wenn mehr auf die Umwelt geachtet würde, würde es sauberere Ozeane und weniger umweltschädigende Stoffe geben.“

Ralf Frese aus Kempen meidet beim Einkauf jegliche Behältnisse aus Plastik. „Wir achten sehr darauf. Haben uns für dieses Jahr vorgenommen, Plastik dort zu vermeiden, wo es geht.“ Leider stoße dieses Engagement in vielen Geschäften an Grenzen. So zum Beispiel an den Fleisch-, Käse- und Fischtheken bei Edeka. „Den Mitarbeitern ist aus hygienischen Gründen untersagt, die Lebensmittel ohne Plastik zu übergeben“, berichtet Frese. Dabei habe er stets Tupperdosen zur Aufbewahrung dabei. Er ist der Überzeugung, dass viele Verbraucher noch bewusster einkaufen, wenn die Möglichkeiten vereinfacht werden. Man müsse dem Handel ermöglichen, dort freier entscheiden zu können.

Till, 16, würde fünf bis zehn Prozent mehr Geld für Produkte ohne Verpackung auszugeben. Sein Tipp: „Man kann darauf achten, dass die erworbenen Produkte relativ wenig Verpackung aufweisen. Beispiel: Nicht jede Praline sollte innerhalb der Verpackung noch einmal verpackt sein.“

Konrad Glugla aus Kempen hat immer eine Stofftüte dabei. Er räumt aber ein, dass Plastikmüll beim Einkaufen nicht immer vermeidbar ist. Wenn man zum Beispiel Brot kauft und schneiden lässt, bekommt man das direkt in einer Plastiktüte.

Eine Kempenerin ist bereit, mehr für unverpackte Produkte auszugeben, allerdings darf bei ihr nicht alles „lose“ sein: Manche Produkte kauft sie aus hygienischen Gründen nur verpackt.

Jeanine, 15, lehnt Plastiktüten ab, rät stattdessen zu Papier- und Stofftüten. Frische Lebensmittel für unterwegs packt sie in Dosen.

Johanna, 18, kauft oft im Bio-Laden ein. Umweltschutz wird für sie großgeschrieben. „Es ist auch für viele Kinder vorbildlich, wenn man wenig oder kein Plastik verwendet.“ Shampoo füllt sie in Glasflaschen ab. Sie kritisiert, dass „Biogurken immer noch eingeschweißt“ werden. Und Schokoladentafeln würden oft in Plastik verpackt. Johanna ist für die Abschaffung von Weichplastik und die Verwendung von Glas- und Mehrwegflaschen. Auch DVDs oder CDs, sagt sie, sollten in Papp- oder Papierhüllen verkauft werden.

Eine Wochenmarktbesucherin ist mit ihrem Kind unterwegs. Sie achtet darauf, Produkte mit wenig Verpackung zu kaufen.

Am Stand von Fleischerei Nothofer auf dem Buttermarkt wird Ware nicht unverpackt über die Theke gereicht. „Das ist aus hygienischen Gründen anders nicht machbar“, sagt die Mitarbeiterin.

Borgen oder nachfüllen statt neu kaufen. Reparieren statt ersetzen — Tipps von Ulrike Feldt-Laubach. Lebensmittel, die schon eine natürliche Verpackung besitzen, wie Bananen und Gurken, müssten nicht zusätzlich verpackt werden. „Muss ich Wasser in Kunststoffflaschen kaufen, wenn das Wasser aus dem Hahn zum Teil besser ist als Mineralwasser?“ Die Müllinseln in den Meeren „kommen über die Fische und das Salz zurück zu uns Menschen — return to sender“.

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