Personalmangel und Sanierung bereiten Sorgen

Kempener Museen und Bücherei : Viele Probleme im Kulturforum

In Bücherei und Museum herrscht Personalmangel. Zudem belastet die Sanierung des Hauses weiterhin den Betrieb.

Bereits zweimal musste das Kempener Museum an einem Tag beziehungsweise am ganzen Wochenende schließen – wegen Personalmangels (die WZ berichtete). Darüber und über weitere Themen rund um das Kulturforum an der Burgstraße mit Museum und Bücherei hat die WZ mit Museumsleiterin und Leiterin des Kulturamtes, Elisabeth Friese, gesprochen.

„Es gab im September zwei Todesfälle im Team des Kulturamtes – eine emotional unglaublich belastende Situation. Es gibt derzeit drei unbesetzte Stellen im Kulturamt. Wir haben daher große Schwierigkeiten, den normalen Betrieb mit seinen täglichen Anforderungen aufrecht zu erhalten“, erklärt Friese die Situation. Ein Mitarbeiter der Museumskasse sei verstorben sowie einer der Stadtbibliothek. Erstere Stelle soll wieder besetzt werden. Doch wahrscheinlich nicht vor Dezember, weshalb es zu weiteren Schließungen kommen könnte. „Dass die Stelle in der Bibliothek nicht mehr besetzt wird, war von Anfang an klar, da wir den Mitarbeiter damals vom Kreis übernommen haben“, so Friese. Die freie Stelle im Kulturamt – die Mitarbeiterin ist in Rente gegangen – wird im Februar neu besetzt.

Und dazu ist die Stelle der Bibliotheksleitung nach dem Weggang von Ursula Wiltsch nach Moers (die WZ berichtete) vakant. Dort werde es voraussichtlich erst Anfang 2019 eine Neubesetzung geben. Zurzeit arbeiten in der Bücherei eine Voll- und vier Teilzeitkräfte. In punkto Schließung weiß Friese, dass es eine weitere im November geben wird, die mit den Umbauarbeiten im Kulturforum in Verbindung steht. Friese rechnet mit einer Woche. „Die Medienrückgabe hat dann natürlich auf und wir werden auch keine Mahngebühren für die Zeit berechnen“, sagt sie. Die Museumskasse sei in dieser Zeit aber besetzt.

Bekanntlich wird seit 2016 im Kulturforum saniert (siehe Kasten). Besonders die Elektro­arbeiten fordern von allen daran Beteiligten eine Menge Geduld, da sie  deutlich länger dauern als gedacht, betont die Kulturamtsleiterin. Was laut Stadt Kempen vor allem an den Überraschungen, wie beispielsweise der Art der früheren Verlegung der Kabel, liegt. Logischerweise habe das Museum – das aus dem Kramer-Museum und dem Museum für Niederrheinische Sakralkunst in der Paterskirche besteht – seit dem Umbau weniger Besucher. Vor fünf, sechs Jahren, so erinnert sich die Kulturamtsleiterin, hätte das Kulturforum bis zu 13 000 Besucher pro Jahr gehabt – ohne die Konzertbesucher, wie sie betont. „Das liegt natürlich auch an der Anzahl und Attraktivität der Ausstellungen.“ Aktuell seien es wegen der Sanierungen „deutlich weniger“.

14 000 Euro stehen Friese pro Jahr für Ausstellungen zu Verfügung. 5000 Euro werden jährlich als Einnahmen durch den Museumseintritt eingeplant. „Was aber jetzt in der Umbauphase natürlich nicht möglich ist.“ Über die genauen Kosten für den Erhalt des Museums kann Friese keine Angaben machen. „Da dies von Licht über Wasserverbrauch, Personal und vielem mehr abhängt und unterschiedliche Ämter beteiligt sind“, erklärt sie und schiebt nach: „Museen sind prinzipiell Zuschussbetriebe. Übrigens auch Bibliotheken.“

Trotz Zuschussbetriebs sei der Erhalt der Museen nie infrage gestellt worden. Würde sich dieser nicht lohnen, würde der Landschaftsverband die Umgestaltung des Hauses nicht finanziell unterstützen. „Und auch die Multifunktionalität des Franziskanerklosters trägt sicherlich zur Attraktivität bei.“ Da im Erdgeschoss die Elektrik bereits auf aktuellem Stand ist, konnte ein Teil des Kreuzgangs bereits mit Ausstellungsstücken ausgestattet werden. Diese sind zunächst provisorisch beschriftet. Auf die Frage, ob denn die endgültigen Beschriftungen fertig sind und vielleicht ein Museumsheft in Vorbereitung ist, sagt Friese: „Ein Museumsheft ist noch nicht in Vorbereitung. Auch die Beschriftungen sind noch nicht fertig. Angesichts der Personalsituation von drei nicht besetzten Stellen bleibt nur die Kraft, die täglichen Anforderungen zu stemmen.“

Bei der Frage eines anderen Namens für das Museum gibt es noch keinen Fortschritt. In der Diskussion war, den Aspekt des Stadtmuseums – wie es die neue Ausrichtung vorsieht – in den Namen mit einzubringen (die WZ berichtete). Das Problem: Kramer muss im Titel vorkommen, weil das eine Bedingung, neben der Gründung eines Museums, für die Schenkung war.

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