Einzelhandel : Ein neues Vitaminreich für Kempen

Der gebürtige Syrer Fahad Mohamed eröffnet am 4. Juli die Pforten seines Obst-und Gemüselandes am Studentenacker.

Noch stehen Gemüseboxen inmitten der Räumlichkeiten, ist die Auslage und die Theke noch nicht ganz fertig vorbereitet. „Wir müssen noch ein paar Spielen anbringen und die Kisten auf die Regale stellen, aber das schaffen wir alles pünktlich“, zeigt sich Fahad Mohamad zuversichtlich, dass sein erster eigener Laden am kommenden Montag am Studentenacker eröffnen wird.

Geboren ist der 32 Jahre alte Jungunternehmer im syrischen Kameshli im Süden des Landes. Sein Vater betrieb eine Bügelei, seine Mutter hielt ihn und die sechs anderen Geschwister auf Trab. „Ich habe meinem Vater viel beim Bügeln geholfen“, beschreibt Mohamed ein schönes Leben. 

Über den Syrienkrieg kam für den damals mit 22 Jahren noch jungen Mann der Anstoß, mit seiner frisch verheirateten Frau 2013 über die Türkei nach Deutschland zu flüchten. „Ein Bruder und zwei Schwestern leben schon länger hier“, erzählt er. Auch der Rest der Familie ist mittlerweile hier. Darüber fand er Anschluss, wohnte erst in Wesel, dann in Mönchengladbach. „Man hat hier viele Möglichkeiten, und es war hier ruhig. Es gab keinen Krieg“, sagt Mohamed .

Nach und nach erarbeitete er sich über Integrationskurse die Sprache und die Kultur des neuen Landes. „Man braucht etwas Zeit, aber wenn man etwas erreichen will, muss man etwas tun.“

Das Geschäft lernte
Mohamed von seinem Bruder

Dann begann er in dem Obst-und Gemüseladen „Vitaminkorb“ seines älteren Bruders Imad in Lank-Latum mitzuarbeiten, machte schon dort den Ankauf vom Düsseldorfer Großhandel und kooperierte mit den Bauern der Umgebung. „Ich habe von ihm gelernt, dass alles immer frisch sein, man freundlich zu den Kunden sein muss. Und dass das Vertrauen der Kunden elementar wichtig ist.“

Schließlich ging es für den Vater zweier sieben und fünf Jahre alten Töchter darum, „etwas für sich selbst zu machen und einen Schritt weiter zu kommen.“ Über Kempen hatte er viel gelesen, „dass es eine schöne Stadt ist, nette Menschen her sind, hier viel Respekt herrscht.“ Aus diesem Grundverständnis heraus suchte er eineinhalb Jahre lang nach einem Laden, um seine Idee des „Vitaminreichs“ Wirklichkeit werden zu lassen, bis der Shisha-Laden am Studentenacker frei wurde - und Eigentümer Gisbert Straeten ihn in seinem Anliegen unterstützte. „Ein solches Angebot hat in Kempen einfach gefehlt“, sagt Straeten.

Jetzt wird er ab Montag Obst und Gemüse, Nüssel, Ingwerl, Basawi, frische Salate, Pilze, Kochhähnchen, Mais, frischen Obstsalat, Bio-Olivenöl und Eier vom Kevelaerer Mühlenhof in seinem „Vitaminreich“ anbieten. „Am Montag kommt noch die Saftmaschine, damit sich die Kunden frischen Saft pressen können.“

Bei dem, was er sich erhofft, bleibt der ruhige Mann zurückhaltend. „Dass die Kunden gerne kommen“, das ist sein Ziel. Man werde nach einer Anlaufzeit gerne auch Bestellungen entgegennehmen, Sachen persönlich mal nach Hause bringen.

Kempen soll für ihn keine Durchgangsstation werden, unterstreicht Mohamed, der noch in Mönchengladbach wohnt, aber für sich und seine Familie schon nach einer Wohnung von 90 Quadratmeter Größe in der Stadt sucht. „Wir wollen gerne nach Kempen ziehen und länger bleiben.“ Zumal dann die langen Pendelstrecken wegfallen, da er eh schon jede Nacht zum Düsseldorfer Großhandel fährt. Angst vor dem Scheitern, die hat er nicht. „Wenn man was etwasrichtig macht, dann entsteht Vertrauen und es funktioniert.“