Fahrrad-Klima-Test in Kempen : Mehr Spaß als Stress auf dem Rad

Beim Fahrradklima-Test schneidet die Stadt Kempen besser ab als viele andere Städte in dieser Größenordnung. Die Gesamtnote 3,4 lässt aber Luft nach oben.

„Wie ist Radfahren in Deiner Stadt?“ Das haben Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) und das Bundesverkehrsministerium gefragt. 117 Kempener haben mitgemacht und ihrer Stadt insgesamt die Schulnote 3,4 gegeben. Klingt spontan nicht besonders gut, reicht aber bundesweit für Rang 35 von 311 teilnehmenden Städten der Größenordnung 20 000 bis 50 000 Einwohner. Und damit liegt Kempen auch besser als der Bundesschnitt von 3,93. Bei der letzten Befragung im Jahr 2014 hatte Kempen mit der Note 2,9 aber noch durchaus besser dagestanden.

In der Auswertung wird darauf hingewiesen, dass die Bewertungen der Teilnehmer im Vergleich zu den meisten anderen Städten sehr uneinheitlich ausgefallen sind. Es gibt also offenbar sehr unterschiedliche Empfindungen mit Blick auf das Klima für Radfahrer in Kempen.

Was wird bei der
Umfrage gut bewertet?

Mit der Note 1,7 am positivsten beurteilt wird die Erreichbarkeit des Stadtzentrums. Gut bewertet wird auch, dass man zügig mit dem Rad sein Ziel erreicht (2,1), dass Jung und Alt das Rad nutzen (2,2), dass Wegweiser vorhanden sind (2,4) und Radler eher Spaß als Stress verspüren (2,8). Im Vergleich zu ähnlichen Städten wird auch der Winterdienst auf Radwegen (3,1) als recht positiv empfunden.

Das Sicherheitsgefühl ist mit einer Note von 3,5 bewertet, liegt damit zwar 0,6 Notenpunkte besser als im Durchschnitt, hat sich seit 2014 (2,7) aber verschlechtert.

Was wird bei der Umfrage schlecht bewertet?

Schwächen sehen die Befragten in Kempen unter anderem bei der Breite der Radwege (4), bei den Oberflächen der Radwege (4), bei der Fahrradmitnahme in Bus und Bahn (4,2) sowie bei der Führung an Baustellen (4,2). Ampeln sind für Radfahrer nicht gut geschaltet (4,3) und Falschparker auf Radwegen müssen häufiger kontrolliert werden (4,3).

Wie steht es um die Familienfreundlichkeit?

Der ADFC-Fahrradklima-Test hat sich 2018 erstmals genauer mit dem Thema Familien und Kinder beschäftigt. Durch Zusatzfragen konnte die Familienfreundlichkeit bewertet werden. In diesem Bereich fallen die Noten für Kempen im Vergleich zu anderen Städten durchweg besser aus – wenn auch meist nur befriedigend. Die Befragten stellen mehrheitlich fest, dass es üblich ist mit dem Rad zur Schule zu fahren (2,4). Die meisten stimmen auch eher zu, dass das Radfahren zur Schule unterstützt wird (3,2) und man Kinder im Grundschulalter ohne schlechtes Gewissen allein Rad fahren lassen kann (3,3). Für das Fahren auf Gehwegen durch kleine Kinder gibt es die Note 3,5, für Kinderanhänger und Lastenrädern auf Radwegen die Note 3,8.

Was tut die Stadt
für eine Verbesserung?

Die Ergebnisse lassen noch Luft nach oben. Das sieht auch Kempens Umweltreferent Heinz Puster so. Aber zurzeit ist die Stadt ja mittendrin in der Erstellung eines neuen Radverkehrskonzeptes. Dazu hat es bereits Befragungen, eine Bürgerversammlung und eine Radtour zu neuralgischen Stellen gegeben (die WZ berichtete). Dadurch habe man noch ein breiteres Bild davon gewonnen, was in Zukunft für einen besseren Radverkehr in der Stadt getan werden muss.

Einige Schwerpunkte, die sich in der Befragung des ADFC finden, haben sich auch bei anderen Umfragen gezeigt. Kempen verzeichnet eine hohe Radfahrerquote. Für viele Jugendliche ist es das Hauptverkehrsmittel. Aber gerade, dass so viele aufs Rad steigen, macht es an einigen Stellen eng. Breitere Rad- und Gehwege sind daher ein Punkt, der in Zukunft bei Planungen eine Rolle spielen soll.

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