Notdienst: Kritik an Praxis-Schließung

Notdienst: Kritik an Praxis-Schließung

Politiker äußern Unverständnis. Das WZ-Mobil steht am Donnerstag in Kempen.

Kreis Viersen. Die geplante Schließung der Notdienst-Praxis in Lobberich schlägt hohe Wellen in Politik und Verwaltung. So macht der Willicher Bürgermeister Josef Heyes (CDU) seinem Ärger über das Vorgehen der Verantwortlichen Luft: Er sei „empört“ gewesen, „weil ohne Vor-Informationen an die betroffenen Städte und Gemeinden, Bürgermeister und Politik in der Presse derartig einschneidende Veränderungen angekündigt wurden“.

Aus den Reihen der Sozialdemokraten meldet sich der Kempener Bundestagsabgeordnete Udo Schiefner zu Wort: Er äußerte seinen „Unmut“ darüber, dass es mit dem Standort Dülken ab April nur noch eine zentrale Anlaufstelle geben werde. „Die Entscheidung geht in die falsche Richtung.“ Er fordert grundsätzlich eine Gesundheitskonferenz im Kreis.

Die Gesundheitsnetz Viersen AG, ein Zusammenschluss freiberuflicher Ärzte der Region, hatte Ende Januar bekanntgegeben, dass die zweite Praxis im Kreis, am Städtischen Krankenhaus in Lobberich, zum Ende des ersten Quartals schließt. Als Hintergrund dieser „Neuordnung“ wurde die Forderung der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) genannt, den Notdienst generell zu ändern und zum Beispiel die Notdienstbezirke zu vergrößern oder die lokale Präsenz in der Nacht abzuschaffen. Dadurch sollen Kosten eingespart und die Dienstbelastung für die Ärzte verringert werden.

Am Donnerstag möchte die WZ wissen, was die Bürger zu diesem Thema sagen. Die Rollende Redaktion fragt: Machen Sie sich Sorgen um die Versorgung im Notfall? Haben Sie schon Erfahrungen mit dem Notdienst am Wochenende oder nach Praxisschluss gemacht? Wie werden Sie in einem Notfall reagieren? Gesprächspartner am WZ-Mobil wird auch Dr. Georg Mergler sein. Der Obmann der niedergelassenen Kempener Ärzte sagte vorab, dass die ärztliche Versorgung an Wochenenden und nach Praxisschluss weiter gewährleistet sein soll — trotz der Schließung in Lobberich.

Auch Bürgermeister Josef Heyes blickt für seine Stadt positiv in die Zukunft: Direkt nach der Ankündigung der Augustinuskliniken Neuss, das Willicher Krankenhaus zum 30. Juni 2014 zu schließen, habe man sich von Seiten der Stadtverwaltung sofort um Alternativen bemüht. Derzeit befinde man sich in der Schlussphase der Planungen für ein „Ambulatorium“. Mehrere Mediziner, darunter der Notarzt des Willicher Rettungsdienstes, hätten zugesagt, sich darin niederzulassen. „Der Baubeginn könnte in Kürze erfolgen, die Fertigstellung Ende 2016.“ Für die Zeit der Vakanz will Heyes die KVNO in einem Schreiben bitten, dem ärztlichen Notdienst zuzustimmen und diesen durchzuführen. Allerdings: „Wie erfolgversprechend das bei allen Ankündigungen sein kann, ist offen.“

Heyes’ Parteikollege und Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer aus Neersen hat sich wegen der Pläne der KVNO bereits an deren Vorsitzenden, Dr. Peter Potthoff, gewandt.

Das WZ-Mobil steht am Donnerstag von 11 bis 12 Uhr vor Tchibo an der Ecke Burg-/Engerstraße in Kempen. Auch Faxe (02152/518993) oder E-Mails sind möglich: redaktion.kempen@wz.de