St. Huberter Kendel-Geflüster : Ein Münsterländer als St. Martin

Gregor Kleining reitet an der Spitze des St. Huberter Martinszuges. Außerdem hat das Kendeldorf seit Kurzem einen neuen Ordnungshüter.

Die Vorfreude steigt. Bekleidet mit dem berühmten roten Mantel und hoch zu Ross stattet St. Martin natürlich auch dem Kendeldorf wieder einen Besuch ab. Am Freitag, 9. November, werden wieder viele Laternen und Kinderaugen leuchten. Traditionell kann man sich in St. Hubert um die Rolle als Martin bewerben. Die berühmte Schnapsrunde zu diesem Anlass hatte im vergangenen Jahr Gregor Kleining ausgegeben. Er wird am 9. November hoch zu Ross sitzen. Das Gefühl kennt er übrigens: 2010 war er schon als Herold im Einsatz. Diese Rollen werden in diesem Jahr Jürgen Utzenrath und Dirk Puhlemann übernehmen.

Seit den 90er Jahren in St. Hubert

Gregor Kleining stammt ursprünglich aus dem Münsterland und lebt seit den 1990er Jahren in St. Hubert. „Erst hier habe ich die Martinstradition richtig kennengelernt“, berichtet er. An sein erstes Martinsfest kann sich Kleining noch gut erinnern. „Damals haben wir eine Nachricht bekommen, dass wir Lichter draußen aufstellen sollten. Das haben wir dann gemacht, obwohl wir noch nicht so richtig wussten, was passieren wird. Als wir dann die Musik gehört und uns den Umzug angesehen haben, war ich direkt begeistert“, berichtet Kleining. Als er später mit seinen eigenen Kindern als Begleitung mitgezogen sei, sei die Begeisterung weiter gewachsen, sodass Gregor Kleining vor neun Jahren dem Martinskomitee beigetreten ist. In diesem Jahr werden seine beiden Söhne, 19 und 21 Jahre alt, ihren Vater während des St. Martinszuges begleiten. „Sie werden mit ihren Freunden die Vortragefackel tragen“, erzählt Kleining. Auf die Aufgaben, die am 9. November auf ihn warten, hat sich Gregor Kleining mit seinen Herolden gut vorbereitet. „Wir üben das Reiten einige Male und treffen uns auch häufig, um Details abzuklären. Zudem besuchen wir die Kindergärten, das ist auch eine gute Vorbereitung“, flüstert Kleining.

Dicks ist wieder der Arme Mann

Um 16.45 Uhr stellen sich die Kinder mit ihren Laternen am Schulhof der Gemeinschaftsgrundschule, Hohenzollernplatz 21, auf. Nach dem Zugbeginn um 17.15 Uhr geht es über die Hülser Landstraße und den Bartzweg über die Bartzheide und die Orbroicher Straße. Weiter geht es über die Breite Straße bis Am Beyertzhof. Dort stellen sich die Kinder der Kindergärten auf Höhe des Lazarus-Hauses auf und gliedern sich in den Zug ein. Von dort aus geht es weiter über Breite- und Königsstraße. Über die Straßen Erlengrund, Zur Kaplanei, Seidenstraße und Hahnendyk geht es zurück zum Hohenzollernplatz. Dort wird Gregor Kleining in der Martinsszene den Mantel teilen und an den Armen Mann weiterreichen. Dieser wird in bewährter Tradition von Johannes Dicks gespielt. „Ich war 1996 selbst Martinsdarsteller“ flüstert er. „Seit 1997 spiele ich den Armen Mann.“ Er hofft, dass er „den Halben“ auch in diesem Jahr bekommt. „Ansonsten muss ich den Martin irgendwie überwältigen“, scherzt Dicks, der auch Schriftführer des Martinskomitees ist. Im Anschluss an den Martinszug werden zwischen 18.30 und 19.15 Uhr leckere Martinstüten in der Pausenhalle der früheren Johannes-Hubertus-Schule verteilt.

Neuer „Dorfsheriff“ ist im Amt

Von St. Martin zu einem anderen Würdenträger: Es ist ein neuer „Sheriff“ in der Stadt – oder besser gesagt, ein neuer Bezirksdienstbeamter der Polizei im Dorf. So werden in der Fachsprache die Polizisten genannt, die in ihren Orten die ersten Ansprechpartner für die Bevölkerung sind. Daher werden sie oft liebevoll als „Dorf­sheriffs“ bezeichnet. Für St. Hubert und Tönisberg wurde jetzt in Polizeihauptkommissar Bernd Gotzen ein neuer „Dorfsheriff“ gefunden. Seit 1979 ist er bei der Polizei und hat nach der Ausbildung in Linnich Station bei den Hundertschaften Linnich, Köln und Düsseldorf gemacht. Im Kreis Viersen arbeitet Gotzen seit 1985. Zunächst war er in der Dülkener Polizeiwache im Einsatz, dann in Viersen und 25 Jahre lang in Kaldenkirchen. Seit einem Jahr gehört er zum Team der Kempener Wache. Jetzt übernimmt Bernd Gotzen den St. Huberter Posten von Polizeihauptkommissar Elmar Wellmanns, der dieses Amt knapp zwei Jahre lang ausgeübt hat und nun nach Brüggen wechselt.

Eiserner Meister aus St. Hubert

Der Name Johannes Tönnissen dürfte einigen St. Hubertern noch ein Begriff sein. 1957 machte sich Bäckermeister Tönnissen mit einem Betrieb in St. Hubert selbstständig und war damit acht Jahre lang im Kendeldorf beheimatet. Jetzt erhielt Tönnissen den Eisernen Meisterbrief der Handwerkskammer Düsseldorf. 1953 bestand Tönnissen die Meisterprüfung als Bäcker, bevor er vier Jahre später nach St. Hubert kam. Im gleichen Jahr heiratete er seine Frau Annemarie. Die beiden haben vier Kinder, acht Enkel und drei Urenkel. So wie die Familie wuchs auch der Betrieb von Tönnissen, sodass er nach acht Jahren in St. Hubert nach Brüggen zog und einen neuen Betrieb gründete. 1980 eröffnete er dort das Burgcafé mit 140 Plätzen, das vor einigen Jahren an die Wachtendonker Bäckerei Oomen verkauft wurde. Johannes Tönnissen engagierte sich aber auch stets für das Bäckerhandwerk allgemein. So war er viele Jahre lang Obermeister der Innung und Aufsichtsrat der Bäcker-Einkaufsgenossenschaft Bäko. Heute ist er Ehren-Obermeister der Innung. Einen Eisernen Meisterbrief durfte er aber in seiner Zeit als Obermeister nicht überreichen. „Ich habe das in meiner Zeit  nie erlebt“, sagt er.

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