Kempener Altstadt-Geflüster : Geplanter Burg-Anbau hängt im Schaukasten

Die Zukunft des Denkmals war schon in der Vergangenheit Thema. Das sieht man nun in einem Aushang des Kreisarchivs.

Die Frage, was aus der Burg werden soll, ist selbstverständlich immer noch unbeantwortet. Derzeit liegen Stadt Kempen und Kreis Viersen beim Kaufvertrag in den letzten Zügen. Erst 2021 zieht das Archiv aus, für die Zeit danach ist eine neue Nutzungslösung gesucht. Und das Ganze könnte sich noch bis zur schon erwähnten Jahreszahl ziehen. Debatten um die Burg gab es indes schon 1954, wie nun das Kreisarchiv selbst in seiner Rubrik „Archivale des Monats“ veröffentlicht. Damals sollte für die Verwaltung des Kreises Kempen-Krefeld ein Anbau an das Denkmal gesetzt werden, wie eine Zeichnung aus dieser Zeit verrät. Auch wenn die Federstriche ein bisschen schwer zu erkennen sind, legt der Flüsterer sich aber fest: Gut, dass dieser Plan niemals umgesetzt worden ist. Daran sollten sich die Politiker bei den bevorstehenden Beratungen erinnern. Wer den Plan von 1954 aus der Nähe sehen will, wird gleich an der Burg fündig. Das „Archivale des Monats“ hängt im Schaukasten am Parkplatz.

Der vergessene Hensel

Von der Burg zu Karl Hensel. Der frühere Stadtdirektor und Bürgermeister hat sich bekanntlich auch dafür stark  gemacht, dass die Burg in den Besitz der Stadt übergehen wird. Nun geht’s aber aus einem völlig anderen Grund um den früheren Verwaltungschef. Denn bei der CDU-Mitgliederversammlung am Donnerstag im Kolpinghaus ist Hensel wohl schlichtweg vergessen worden. In ihrer letzten Begrüßungsrede hatte die inzwischen frühere Vorsitzende Rita Ulschmid fast alle lokalen CDU-Größen auf dem Schirm: Bürgermeister Volker Rübo, seine Stellvertreter Otto Birkmann und Hans-Peter van der Bloemen, Kreistagsfraktionschef Peter Fischer, Kreisgeschäftsführer Stephan Seidel und den früheren Bundestagsabgeordneten Julius Louven. Und neben letzterem saß eben jener Karl Hensel mit seiner Frau. Mit Sicherheit ohne böse Absicht hatte Rita Ulschmid die Hensels übersehen. Dann kommt eben der Flüsterer einer gewissen Chronistenpflicht nach: Schönes Wochenende, Herr Hensel!

Am Feiertag ins Museum?

Wir bleiben am Ausgangspunkt Burg und wechseln ins benachbarte Museum. Das ist nämlich trotz Dauerbaustelle weiterhin geöffnet. Und zwar auch am Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober. Wer also einen kurzen Ausflug am Feiertag plant, könnte zwischen 11 und 17 Uhr das Museum im Kulturforum, Burgstraße 19, besichtigen. Drei Tage später – am Samstag, 6. Oktober - kann man noch viel mehr besichtigen, nämlich gleich die gesamte Altstadt. Gemeinsam mit Stadtführer Gustaaf Gijsemans geht es ab 15 Uhr auf einen Rundgang durch die Altstadt. Rund 90 Minuten spaziert die Gruppe zu den Sehenswürdigkeiten. Die Teilnahme kostet vier Euro pro Person. Anmelden kann man sich unter Tel. 02152/917 271. Treffpunkt zur Führung ist das Kulturforum.

Touristen-Info soll kommen

Das Kulturforum soll übrigens tatsächlich irgendwann eine moderne Touristen-Info bekommen. Das bekräftigte CDU-Fraktionschef Wilfried Bogedain auf dem schon erwähnten Parteitag. Die Christdemokraten werden zumindest darauf drängen, dass ein entsprechender Ratsbeschluss umgesetzt wird. Einen anderen Standort schloss Bogedain aus. Das Personal sei im Kulturforum vorhanden. Somit liege dort die Ideallösung.

Horwitz und das Signum-Quartett

Für die letzte Meldung des heutigen Altstadt-Geflüsters bleiben wir doch glatt im Kulturforum. Denn der Flüsterer muss noch eine spannende Veranstaltung nachreichen, die in der Paterskirche stattgefunden hat. Der bekannt und gefragte Schauspieler Dominique Horwitz war gemeinsam mit dem Signum-Streichquartett im Rahmen der Muziek Biennale in der Paterskirche zu Gast. Horwitz las unter musikalischer Begleitung absurd-existenzielle Erzählungen aus dem Nachlass Franz Kafkas. Ohne Frage war es ein hochkarätig besetzter Abend, der viel Anklang im Publikum fand: Die Kirche war ausverkauft. Ein wenig ratlos blieben einige dennoch zurück. Die ohnehin schwer verständlichen Kafka-Texte kamen einigen in diesem musikalischen Kontext noch schwieriger vor. 

Mehr von Westdeutsche Zeitung