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Neues Büro in Kempen: Ein Dienstleister für die Entlastung zu Hause

Lokale Wirtschaft : Ein Dienstleister für die Entlastung zu Hause

Die Firma „aktiv homeservice“ expandiert. Geschäftsführer Michael Boersma hat in Kempen unweit des TZN ein Büro eröffnet.

„Für mich ist Arbeit Urlaub“ – bei Sätzen dieser Art dürften die meisten Menschen ungläubig die Augenbrauen heben. Doch Martin Boersma glaubt man diesen Ausspruch sofort. „Ich kann gar nicht ohne Arbeit sein“, sagt der Mann, der einmal Konditor gelernt hat und unter anderem einen Abschluss als staatlich anerkannter Erzieher, Fachwirt für Reinigung und Hygienemanagement sowie staatlich geprüfter Desinfektor vorweisen kann. Er gehört zu jener Spezies, die auch am Sonntagabend ihre Geschäftsmails checken. Das mag man gut oder schlecht finden, Martin Boersma ist halt so. Neue Herausforderungen? Immer her damit! Mit Mitte 50 hat der Unternehmer gemeinsam mit seiner Frau Friederike begonnen, ein neues Geschäftsfeld zu erobern. Ihre beeindruckende Expansion ging und geht von Kamp-Lintfort aus.

Rund 600 Kunden nutzen
bereits die „Entlastungspflege“

Den jüngsten Pflock hat das Duo diesbezüglich in Kempen eingeschlagen. Vor wenigen Tagen eröffnete man ein kleines Büro am Industriering Ost, in der Nähe des TZN. Damit ist der Betrieb „aktiv homeservice“ nun auch im Kreis Viersen präsent. Die Wurzeln der Firma liegen in der klassischen Gebäudereinigung – die auch weiterhin angeboten wird, wenngleich von anderen Gesellschaften unter dem Boersma-Dach. „Weil wir immer wieder Anfragen von zumeist älteren Privatpersonen und ihren Angehörigen bekommen haben, ob wir sie nicht bei der Hausarbeit unterstützten können, haben wir uns vor rund drei Jahren entschlossen, auch diesen Bereich groß und professionell aufzuziehen“, erklärt Boersma.

Die beiden Niederrheiner stießen ganz offensichtlich in eine Marktlücke: In Kooperation mit sämtlichen Pflege- und Krankenkassen sei es gelungen, binnen weniger Monate zahlreiche Senioren, Alleinstehende und Menschen mit Hilfebedarf im Raum Kamp-Lintfort, Moers, Neukirchen-Vluyn, Rheinberg, Geldern, Kevelaer und Straelen mit häuslicher Pflege zu unterstützen. Inzwischen nutzten rund 600 Kunden diese „Entlastungspflege“. Das Ziel für das laufende Jahr sind 1000 Kunden, die dann eben auch aus Kempen, Grefrath oder Tönisvorst kommen könnten. Rund 120 Mitarbeiter aus der jeweiligen Umgebung beschäftigt „aktiv homeservice“ als sogenannte Alltagsbetreuer, Tendenz stark steigend. Vollzeitkräfte sind allerdings die absolute Minderheit. Manche der zumeist weiblichen Angestellten haben ein Tagespensum von lediglich zwei bis fünf Stunden.

Anfang Oktober soll
Angebot in Wesel starten

Um Missverständnissen vorzubeugen, betont die Firma immer wieder, dass es sich um die Pflege von Immobilien, nicht von Menschen handelt. „Wir kümmern uns um die Räume, in denen sich die Menschen bewegen“, so der Geschäftsführer. Das reicht vom Beziehen der Betten bis zur Gartenarbeit. Auch Treppenreinigung und Einkaufsservice sind möglich. „Ob ein verwitweter Bauer, der nach dem plötzlichen Tod seiner Ehefrau mit dem Haushalt überfordert ist, oder eine erkrankte Alleinerziehende – wir bieten unsere Dienstleistung passgenau an.“ Vor allem bei den Senioren gehe es darum, ihnen solange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Martin Boersma spricht von „daheim statt Heim“.

Und die Kosten? Schon 2011 starteten die Kamp-Lintforter einen Service dieser Art für Privatpersonen. Die 20 Euro pro Stunde plus Mehrwertsteuer schreckten aber viele ab. „Damit sind nur wenige Kunden zu gewinnen.“ Bei dem neuen Angebot sieht das anders aus. Der Hintergrund. „Jedem Erkrankten, Pflege- oder Hilfsbedürftigen stehen bei konstatiertem Pflegegrad durch den medizinischen Dienst der Krankenkasse, kurz MDK, monatlich 125 Euro Entlastungspflege zur Verfügung“, erklärt Boersma. Diese werde als Sachleistung über die Pflegekasse mit dem Dienstleister abgerechnet.

Die Branche ist nicht ohne Mitbewerber, doch Martin Boersma ist fest davon überzeugt, dass der Markt groß genug ist. Anfang Oktober will er das Angebot in Wesel starten, Anfang nächsten Jahres soll es auf den Großraum Kleve ausgedehnt werden. Auch das Ruhrgebiet und das Rheinland hat man im Blick. Durch den fast ausschließlichen Einsatz von Elektrofahrzeugen und den Einsatz sogenannter abbausaurer Reinigungs-Chemie versucht die junge Firma, ihrem Anspruch einer ökologischen Verantwortung gerecht zu werden.