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Neuer Rettungsplan bedeutet Reduzierung in der Kempener Wache

Notfall-Versorgung : Neuer Rettungsplan bedeutet Reduzierung in der Kempener Wache

Auf Kreisebene und in den Kommunen werden nun Veränderungen beraten. In Kempen soll es künftig nur noch zwei Rettungswagen geben, die 24 Stunden im Einsatz sind. Die Verlegung von Standorten ist noch kein Thema.

Wenn es um die Fortschreibung des Rettungsdienstbedarfsplans geht, klingt das zunächst wenig interessant. In der Tat ist es aber meistens spannend, wenn sich die Kommunen des Kreises Viersen und die zuständige Kreisverwaltung selbst mit dem Thema befassen. Denn letztlich geht es um die Notfall-Versorgung. Also um das Retten von Leben. Und es geht auch stets darum, welche Einrichtungen und Fahrzeuge und welches Personal in den jeweiligen Städten und Gemeinden vorgehalten werden muss. Da müssen viele Interessen berücksichtigt werden.

In der nun anstehenden Fortschreibung, die im Frühjahr in den politischen Gremien diskutiert wird, stehen nach Informationen der WZ Reduzierungen für Kempen und Willich an. Für Kempen bestätigt dies der zuständige Ordnungsamtsleiter Michael Steckel. Derzeit sind von der Kempener Rettungswache aus drei Rettungswagen (RTW) im 24-Stunden-Dienst im Einsatz. Nach einem ersten Entwurf sollen es künftig nur noch zwei 24-Stunden-RTW und ein Fahrzeug in Tagschicht (zwölf Stunden) sein, bestätigt Steckel. „Der Kreis Viersen will damit einer reduzierten Zahl an Nachteinsätzen Rechung tragen“, sagt Steckel. Die angedachten Veränderungen basieren auf den Einsatzzahlen von 2019.

St. Töniser Wache ist der Grund für rückläufige Zahlen in Kempen

Für Kempen ist der Rückgang an nächtlichen Einsätzen zu erwarten gewesen. Schließlich gibt es seit dem vergangenen Jahr die Interims-Wache mit einem RTW in St. Tönis. Bis dahin war es so, dass die Kempener Wache im eigenen Stadtgebiet sowie in Tönisvorst und Grefrath zuständig war. Weil aber in Tönisvorst die Hilfsfristen nicht in ausreichender Zahl eingehalten werden konnten, musste der Kreis Viersen als Träger des Rettungsdienst handeln. Mit dem Ergebnis der Interims-Wache auf dem früheren Gelände von Hefe van Haag in St. Tönis.

Im Zuge der nun anstehenden Veränderungen steht der Wache in St. Tönis nach Informationen aus Kreisen der Politik übrigens ein zweiter RTW ins Haus.

Die nun angedachte Reduzierung für Kempen soll nun von Politik und Verwaltung genauestens geprüft werden, so Ordnungsamtsleiter Steckel. In Kürze soll es eine Sondersitzung des Ordnungsausschusses geben. Diese wird laut Steckel nötig, weil der Kreis Viersen schon Ende März das Thema abgeschlossen haben will. „Unter der Prämisse, dass wir die bestmögliche Versorgung für die Kempener Bevölkerung erzielen wollen, gehen wir nun in die Beratungen“, so Steckel.

Personelle Auswirkungen auf die hauptamtlichen Kräfte der Stadt Kempen würde die mögliche Reduzierung der RTW-Stunden nicht haben. Das machte Steckel deutlich. Die personelle Struktur in der Wache an der Heinrich-Horten-Straße ist eine Mischung aus hauptamtlichen Mitarbeitern und Aushilfen.

Veränderungen stehen auch der Stadt Willich bevor. Die zuständige Beigeordnete Brigitte Schwerdtfeger wollte sich aber am Freitag auf Anfrage der WZ noch nicht zum Thema äußern. „Wir sind am Anfang von guten und gemeinschaftlichen Beratungen mit dem Kreis Viersen“, so Schwerdtfeger. Es gehe nun zunächst um eine Stellungnahme an den Kreis. Vorher habe es keinen Sinn, darüber in der Öffentlichkeit zu diskutieren.

Dezernentin Esser spricht
von „gutem Einvernehmen“

Von einem „guten Einvernehmen“ zwischen allen beteiligten Kommunen spricht auch die zuständige Dezernentin des Kreises Viersen, Katarina Esser. „Es geht darum, dass wir und sie Prozesse auf Basis der aktuellsten Zahlen ansehen“, so Esser. Auf dieser Basis sei nun ein Entwurf entstanden, der den Kommunen zugeleitet worden sei. Esser bestätigte Veränderungen. Inhaltlich wollte sie darauf aber nicht eingehen. Am 12. Februar befasse sich der zuständige politische Ausschuss auf Kreisebene mit dem Entwurf. „Diesen Beratungen will ich nicht vorgreifen“, so die Dezernentin.

Probleme mit den Hilfsfristen
in Vinkrath bestehen weiterhin

Basis für die nun anstehenden Veränderungen ist das Gutachten eines externen Beraters, das Landrat Andreas Coenen und Dezernent Thomas Heil im März 2018 Politik und Presse präsentiert hatten. Damals erhielt der Kreis die Erkenntnis, dass in mehreren Teilen des Gebietes Probleme mit den Hilfsfristen bestanden. So zum Beispiel in Tönisvorst, aber auch im Grefrather Ortsteil Vinkrath, der sowohl von Kempen aus als auch von der Wankumer Wache (Kreis Kleve) in den Blick genommen wird. Nach Informationen der WZ bestehen in Vinkrath weiterhin Probleme mit der Einhaltung der Hilfsfristen. In zu vielen Fällen verpassen die Rettungskräfte bei Einsätzen in Vinkrath die gesetzlich vorgeschriebene Acht-Minuten-Frist. Auf eben jene Probleme hatte zuletzt der CDU-Bürgermeisterkandidat Stefan Schumeckers, selbst aktiver Feuerwehrmann, hingewiesen und dringend Lösungen angemahnt.

„Die Ergebnisse des Gutachtens von 2018 sind nun mit den aktuellen Zahlen ergänzt worden“, so Katarina Esser. Und dies sei nun die Basis für die kommenden Beratungen. Esser machte auf Nachfrage deutlich, dass die Schließung oder Verschiebung von kompletten Standorten aktuell kein Thema ist. „Standortfragen sind derzeit ausgeklammert“, so Esser. Nach der Präsentation des Gutachtens standen einige Standort-Aufgaben bzw. -Verschiebungen zur Debatte. Unter anderem war die Zukunft der Wache in Anrath offen. Diese war zum damaligen Zeitpunkt erst ein gutes Jahr alt. Unter anderem diese Debatte sorgte für eine Menge Unmut in den Rathäusern.

Die Frage nach der richtigen Verteilung der Standorte von Rettungswachen im Kreis Viersen ist aber nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Gleich mehrere Politiker aus verschiedenen Städten und Gemeinden äußerten gegenüber der WZ, dass dazu Beratungen und Entscheidungen im Laufe dieses Jahres anstehen werden. Jetzt aber noch nicht. Nun geht es um Anpassungen. Konkret am 12. Februar ab 18 Uhr im Forum der Kreisverwaltung. Dann tagt der zuständige Ausschuss für Verbraucherschutz, Ordnung und Rettungswesen.