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Neue Urnengräber auf Kempener Friedhof an der Berliner Allee

An Berliner Allee : Mehr Urnengräber auf dem Friedhof

An der Berliner Allee entsteht zusätzlicher Platz für Urnengräber. Einen Bestattungswald hält die Stadt für nicht notwendig.

In diesen Tagen wurden die Arbeiten zur Erweiterung der sogenannten Urnengemeinschaftsgrabanlage auf dem Friedhof an der Berliner Allee in Kempen abgeschlossen. Sie ist Teil des vielfältigen Angebots, das die Stadt als letzte Ruhestätte für die Verstorbenen vorhält. Vor drei Jahren wurde erstmals eine Anlage mit besonders pflegeleichter Grabgestaltung für Urnen eingerichtet. Sie bot seinerzeit Platz für insgesamt 108 Urnen. Seither ist die Nachfrage nach solchen Grabstätten gestiegen, so dass die Stadt nun „anbauen“ musste.

„Die hochwertige Gestaltung mit Ruhrsandstein und einer dauerhaften Bepflanzung fügt sich nahtlos an die bestehende Anlage an“, erklärt Grünflächenamtsleiterin Patricia Schürmann. „Bei dieser Grabart handelt es sich um eine pflegefreie Grabstätte für die Hinterbliebenen. In der Mulchfläche der jeweiligen Grabstelle kann individueller kleiner Grabschmuck (Grabkerze, Engelfiguren und ähnliches) abgelegt werden.“

Die Urnenwahlgrabstätten werden von der Stadt als Einzel- oder Partnergrab vergeben. Die Anlage, die im Oktober 2016 errichtet wurde, ist nun von 108 um 188 Plätze auf insgesamt 296 Plätze erweitert worden. Sie ist Bestandteil des im Februar 2015 vom Stadtrat beschlossenen Friedhofsentwicklungskonzepts.

Das war nach längerer Diskussion in den politischen Gremien und in weiterführenden Runden, an denen auch die örtlichen Bestattungsunternehmen beteiligt wurden, auf den Weg gebracht worden. Der aufwändige Prozess war von dem Beratungsunternehmen „PlanRat“ aus Kassel, das sich auf Landschaftsarchitektur und Städtebau spezialisiert hat, moderiert worden. Anlass damals: Die Bestattungszahlen auf den Kempener Friedhöfen gingen zurück. Zum einen war die Auswahl vor allem an kleineren und pflegeleichteren Grabstätten nicht groß genug, so dass immer mehr Bürger ihre verstorbenen Angehörigen auf Friedhöfen in der Nachbarschaft bestatten ließen. Folge: Die Kosten zur Unterhaltung der Friedhöfe drohten der Stadt aus dem Ruder zulaufen.

Pflegefreie Grabarten
werden immer beliebter

Ein wichtiger Aspekt des neuen Friedhofskonzeptes ist daher vor allem die Anlage nachfrageorientierter Grabarten. Das erfordert viel Flexibilität bei der Bewirtschaftung der Bestattungsflächen. „Es ist vor allem ein anhaltender Trend zur Urnenbestattung und die verstärkte Nachfrage nach Grabstätten mit geringem bis zu keinem Pflegeaufwand für die Hinterbliebenen zu erkennen“, sagt Patricia Schürmann. Daher werden seit 2016 neben der Urnengemeinschaftsgrabanlage weitere neue Grab­arten auf den Kempener Friedhöfen angeboten.

Eine weitere pflegefreie Grabart in Gemeinschaftsanlagen sind die Baumgrabstätten. Schürmann: „Hierbei handelt es sich um pflegefreie Grabstätten für die Hinterbliebenen. Die Urnen werden im Wurzelbereich von ausgewiesenen Bäumen beigesetzt. Die Namensanbringung erfolgt an einer gemeinsamen zentralen Gedenkstele durch die Friedhofsverwaltung. An diesem zentralen Platz gibt es ebenso die Möglichkeit, individuellen kleinen Grabschmuck abzulegen. Die Urnenwahlgrabstätten werden als Einzel- oder Partnergrab vergeben.“

Alternativ gibt es die pflegeleichten Grabstätten. Dies sind Gräber, bei denen die Hinterbliebenen eine Teilfläche am Kopfende des Grabbeetes individuell gestalten können. Diese Teilfläche ist von der Stadt eingefasst. Sie muss von den Angehörigen selbst gepflegt werden. Auch ist entsprechender Grabschmuck möglich.

Auch ein muslimisches Grabfeld hat die Stadt auf dem Friedhof an der Berliner Allee angelegt. Das gibt es im neuen Teil, der vom Eingang Mülhauser Straße erreichbar ist. Bei der Fläche, die zuvor nicht benutzt wurde, handelt es sich um die für die muslimische Bestattungskultur erforderliche „unbefleckte Erde“. Hier ist die Bestattung sowohl im Sarg als auch im Leichentuch möglich. Der Leichnam kann zudem nach Südosten in Richtung Mekka ausgerichtet werden.

Angesichts des vielfältigen Angebots an Grabstätten, die auch auf den anderen städtischen Friedhöfen in St. Hubert oder in Tönisberg vorgehalten werden, sieht die Stadt Kempen derzeit auch keinen Grund, zusätzliche Flächen für einen eigenen Bestattungswald auszuweisen. Dies hatte die SPD-Fraktion beantragt (die WZ berichtete). Das Thema wurde am Dienstagabend im zuständigen Ausschuss für Umwelt, Planung und Klimaschutz beraten. Die SPD wollte private Anbieter beim Thema Bestattungswald ins Spiel bringen. Das will aber die Stadt aus verständlichen Gründen nicht. Damit würde man sich Konkurrenz zu den eigenen städtischen Angeboten schaffen. Zudem gibt es das Problem, dass es im Kempener Stadtgebiet keine geeigneten Waldflächen für Bestattungen gibt. Die SPD hatte unter anderem argumentiert, Kempen könne mit einem solchen Angebot auch regional punkten. Es gebe schließlich im Umland noch keinen solchen Bestattungswald. Grünflächenamtsleiterin Patricia Schürmann erklärte dazu, dass aber in Niederkrüchten eine solche Anlage nun geplant sei. Der Antrag der SPD fand keine Mehrheit. Alle anderen Fraktionen schlossen sich der Haltung der Verwaltung an und lehnten das SPD-Anliegen ab. Red