1. NRW
  2. Kreis Viersen
  3. Kempen und Grefrath

Nettetal: Die ganze Welt des steinernen Lebens

Nettetal: Die ganze Welt des steinernen Lebens

Marile Heinens Werke stehen zwischen Werden und Vergehen. Das Wochenende der offenen Ateliers lockt Hunderte an.

Nettetal. Schemen und Schatten, ein Wispern und Flüstern, Schwaden von Nebel um ein versteinertes Menschenpaar. Oder ist es ein uralter Stein, der lebendig wird, verwitterte Materie, die Leben gebiert? Sie wirken mysteriös, die Keramiken von Marile Heinen. Geradezu mystisch, dass man sich einen Nebel und das Wispern dazu vorstellen möchte.

Die Plastiken in Heinens Kaldenkirchener Atelier gehören zu den besonders sehenswerten Werken in der "Kunstszene Nettetal", die am Wochenende der offenen Ateliers hunderte Interessenten anlockt: Manche Ateliers voll, eher leer andere, diskutierende Besucher, Kommentare von "irrsinnig toll" bis "irgendwie komisch".

Welche Kontraste in der Kunstszene: Kunst als Hülle, bunte Textilien von Christine Wingels in Lobberich, dahinter ein Riesenhochhaus, grelle Fenster, verfremdete Fotografie, die in die Ferne lockt: Im selben Raum zeigt Erhard Wingels seine Werke aus der Vermengung von meisterhafter Fertigkeit und moderner Technik.

Wie Hanne Horn, die in der Werner-Jaeger-Halle lebendige Kopien ausstellt: Das Schwarzweißfoto als Menschenbild, das aus Mauern und Medien erwächst - oder wird es von ihnen erdrückt?

Zum Menschenbild gehört die Menschenwelt - eine Welt aus Metall und Wäscheleinen, die Karl Siewert zeigt, eine Welt, in der kräftig bunte Bilder von Barbara Rütten als grelle Farbtupfer von kreativer Energie in der Galerie Rütten-Siewert zeugen.

Energie in geballter Kraft gar im Atelier Busch 8, in der neun Künstler die Ergebnisse ihres Symposiums vorstellen. Auch dort Menschliches verwoben mit Natürlichem und Künstlichem, Haarbüschel auf Maschendraht, Licht verborgen und doch enthüllt durch Vorhänge, die einen Hauch bilden, mehr blicken lassen als verdecken: Kunst, die wie ein Negligee aufregende Einsichten gewährt, aber den Blick aufs letzte Detail versperrt. Wie der Nebel, den man sich so gern vorstellen möchte in Marile Heinens Welt des steinernen Lebens.