Nach mehr als drei Jahren sind Sirenen in Kempen noch nicht montiert

Sirenen-System : Kaum ein Heulen in Kempen

Während die Sirenen in den anderen Kommunen des Kreises funktionieren, bleibt es in Kempen weitgehend still. Das soll sich aber im Sommer endlich ändern.

Kreisweiter Sirenen-Alarm – bei einem Test in den Kommunen des Kreises Viersen war das Geheule vor einigen Tagen mal wieder groß. In Kempen hingegen blieb es wieder recht still. Der Grund: In der Thomasstadt ist derzeit nur eine Sirene – die auf der Feuerwache an der Heinrich-Horten-Straße – in Betrieb. Weitere neun Anlagen, die mit Hilfe von Fördermitteln schon vor rund drei Jahren über den Kreis Viersen angeschafft worden waren, bleiben immer noch stumm. Damals wurden alle Kommunen im Kreisgebiet mit den notwendigen Anlagen ausgestattet – die Installation oblag dann der jeweiligen Stadt oder Gemeinde selbst. Aus technischen Gründen konnten sie in Kempen aber immer noch nicht montiert werden, wie Dezernent Marcus Beyer in der Ratssitzung sagte.

Im Bereich des Hochbauamtes habe man das Projekt immer noch nicht abschließen können. „Es handelt sich schon um einen recht komplexen Aufbau“, erläuterte Beyer am Donnerstag auf Nachfrage der WZ. Jede Sirenen-Anlage wiege etwa 50 Kilogramm. Bei der Planung spielten viele Aspekte eine Rolle – unter anderem das Thema Statik. Eigentlich sollten die Sirenen schon Mitte 2018 wieder heulen können. Daraus wurde  nichts – nun hat die Stadt das Ziel Mitte 2019 ausgegeben.

Dieses zu erreichen, da ist Beyer zuversichtlich. „Mit Hilfe neuer Mitarbeiter im Bereich Gebäudetechnik sind nun zwei Leistungsverzeichnisse fertig“, sagt der Technische Beigeordnete, der erst seit etwa einem Jahr in Kempen ist. Nun müsse man sich noch entscheiden, welche Varianten genommen werden. Dies sei – wie so oft – auch eine Frage der Kosten. Mit Blick darauf müssten auch noch Aspekte des Haushaltsplans berücksichtigt werden.

Aber warum sind die Sirenen eigentlich abgebaut worden? Und warum sollen nun überhaupt neue Anlagen errichtet werden? Zum Hintergrund kann der erfahrene Ordnungsdezernent Hans Ferber etwas sagen. „Im Laufe der 90er Jahre hat sich die Philosophie entwickelt, dass Sirenen zur Alarmierung von Einsatzkräften, aber auch zur Warnung der Bevölkerung nicht mehr benötigt werden“, so Ferber. Damals habe sich alles in Richtung „stille Alarme“ bewegt – zum Beispiel über Radio oder Fernsehen. Und bei den Einsatzkräften hätte sich immer mehr die digitale Technik etabliert. Inzwischen gilt dies auch für die Warnung der Bürger zum Beispiel über Apps fürs Smartphone. Kurzum: Es herrschte die Meinung vor, dass Sirenen eigentlich nicht mehr nötig sind.

Dennoch setzte sich laut Ferber bei den Experten durch, zusätzlich wieder auf Warnsysteme per Sirene zu setzen. Sogenannte Großschadenslagen hätten für dieses Umdenken gesorgt. Als lokales Beispiel fällt Ferber ein Schiffsunglück im Uerdinger Rheinhafen ein – etwa Anfang der 2000er Jahre. „Damals sind Giftstoffe ausgetreten, die für die Bevölkerung in Uerdingen und Krefeld eine Gefahr darstellten“, so Ferber. Unter anderem seitens der Krefelder Feuerwehr habe es dann den Vorschlag zum Sirenen-Comeback gegeben. „Zum Beispiel deshalb: Wenn Sie mit einem Lautsprecherwagen durch ein Wohngebiet fahren, öffnen die Menschen vielleicht zunächst das Fenster. Eigentlich soll aber per Lautsprecher verkündet werden, dass die Fenster geschlossen bleiben sollen“, sagt Hans Ferber. In solchen Fällen mache die zusätzliche Sensibilisierung per Sirene Sinn.

Hinzu kommen entsprechende Schadenslagen aus der jüngeren Vergangenheit. In Kempen reicht schon der Blick aufs vergangene Wochenende, als Sturmtief „Eberhard“ partiell erheblichen Schaden angerichtet hat. „Auch mit Blick darauf arbeiten wir an der Sache“, so Beyer in der Ratssitzung.

Die Sirene auf der Feuerwache sei schon in Betrieb, weil man diese als Prototyp hat installieren lassen, so Ferber. Wenn es nun mit der technischen Umsetzung nach Plan laufe, sei die nächste Sirene auf dem neuen Gerätehaus in Schmalbroich geplant. Dort läuft derzeit der Innenausbau (die WZ berichtete). Dann folgen die weiteren Standorte im Kempener Stadtgebiet. Zusätzlich verfügt die Stadt nach eigenen Angaben über eine mobile Sirene. Diese könne auf einem Fahrzeug montiert werden. So könnten Bürger in anderen Stadtgebieten im Bedarfsfall gewarnt werden.

Mit Blick auf die von Dezernent Beyer erwähnte Komplexität beim Aufbau der Sirenen stellt sich noch die Frage, wie die Lage in den anderen acht Kommunen des Kreises Viersen ist. Die Antwort ist eindeutig: In Willich, Tönisvorst, Grefrath, Nettetal, Brüggen, Viersen, Schwalmtal und Niederkrüchten sind die Sirenen in Betrieb, was jüngst beim Probealarm unter Beweis gestellt worden ist. Das ergab eine Recherche der WZ in Feuerwehrkreisen.

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