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Grefrath: Nach der Trump-Wahl: Land schlägt die falsche Richtung ein

Grefrath : Nach der Trump-Wahl: Land schlägt die falsche Richtung ein

Die Grefratherin Silke Krüßen lebt in San Francisco. Für die WZ berichtet sie über die Lage nach der US-Wahl.

San Francisco/Grefrath. Die Wahlen in den USA haben auch die Menschen am Niederrhein bewegt. Die gebürtige Grefratherin Silke Krüßen lebt seit Februar in San Francisco. In Kalifornien haben die Menschen mehrheitlich für die demokratische Kandidatin Hillary Clinton gestimmt. Für die WZ schildert die 33-jährige ihre Erlebnisse rund um die Wahl von Donald Trump zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten:

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich in Kalifornien lebe und die Stimmung hier eine ganz andere ist als in anderen weiten Teilen des Landes. Die überwiegende Mehrheit der Leute hier unterstützt die Demokraten und man ist allgemein liberaler als im Landesinneren.

Am Morgen nach der Wahl bin ich zur Arbeit gefahren und hatte den Eindruck, dass es nur ein Thema gab. Wohl alle waren sich einig, dass das Ergebnis der Wahl völlig überraschend kam. Alle Umfragen und Hochrechnungen hatte klar Hillary Clinton als Favoritin und wir haben uns gefragt, wie es sein konnte, dass so ein großer Teil der Bevölkerung so falsch eingeschätzt wurde.

Bei den Gedanken dazu, was jetzt passieren wird, wenn Donald Trump Präsident ist, gingen die Meinungen etwas auseinander, die Skala reichte dabei von „worried“ bis „shit scared“ (also von besorgt bis verängstigt). Die einen denken, dass es einen „Wahlkampf-Trump“ gab, der absichtlich extrem war, um die Leute zu mobilisieren, und es auch einen „Präsidenten-Trump“ geben wird, der wahrscheinlich gemäßigter sein wird. Andere sagen, dass man, da sein bisheriges Leben auch meist in der Öffentlichkeit stattfand, schon ganz gut einschätzen kann, was für ein Charakter er wohl ist und haben deutlich mehr Angst vor den nächsten vier Jahren.

Dazu kommt, dass die Republikaner auch die Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus haben und damit viele Dinge einfacher durchbringen können. Hier in Kalifornien sind die meisten eher umweltfreundlich und sozial eingestellt und haben große Sorgen, was ein Präsident, der nach eigener Aussage nicht an den Klimawandel „glaubt“ und als erste Amtshandlung das Gesundheitssystem „Obamacare“ abschaffen will, mit einer Regierungsmehrheit anstellen wird.

Natürlich gibt es auch hier vereinzelte Stimmen, die überglücklich sind und fest der Meinung, dass die Wirtschaft jetzt endlich wieder besser wird und das Land sicherer.

Ich persönlich war teilweise überrascht, irgendwo hab’ ich es aber schon für möglich gehalten, dass die Wahl so ausgeht, da alle Trump-Unterstützer, denen ich in der Wahlkampfzeit so begegnet bin, ziemlich überzeugt waren und dabei nicht nur schlechte Argumente gebracht haben.

Der Ausgang der Wahl stimmt mich tief traurig, denn das Land schlägt dadurch eine Richtung ein, in der Fremdenfeindlichkeit, Unterdrückung von Frauen und sozialer Egoismus wieder salonfähig zu werden scheinen. Direkt betreffen könnte mich die Wahl auch, da ein großer Teil meiner Arbeitskollegen und ich selbst nur mit Visum hier leben und arbeiten dürfen und jetzt schon Gedanken geäußert wurden, dass die Anzahl der ausgegebenen Arbeitsvisa deutlich reduziert werden soll. Es bleibt also abzuwarten. Fürs erste bin ich aber auch froh, dass dieser endlose und schmutzige Wahlkampf vorbei ist. Vielleicht ist es ja möglich, aus der ganzen Misere doch noch etwas Positives zu gewinnen.

Aus Deutschland kommt viel Entsetzen darüber, wie es sein kann, dass Populisten mit nachgewiesen leeren Versprechen so eine Unterstützung aus der Bevölkerung mobilisieren können. Ich hoffe, dieses Entsetzen halten wir bis zur Bundestagswahl 2017 aufrecht und laufen auch dann keinen hohlen Parolen hinterher.