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Musikerinnen stellen neue CD mit Bach-Werken in Kempen vor

NRW : Bach–Werke in einem neuen Gewand

Copyright Bach – Kompositionen des Thomaskantors in neuem Gewand        

(oeh) Ausschnitte aus einer CD, die die Geigerin Annegret Siedel und die Konzertorganistin Ute Gremmel-Geuchen bereits im vergangenen Jahr aufgenommen hatten, konnten nun endlich im ersten Orgelkonzert der neuen Saison in der gut besuchten Paterskirche vorgestellt werden. Die künstlerische Leiterin der „Kempener Orgelkonzerte“ begrüßte erfreut ihr „komplett durchgeimpftes“ Publikum.

Da vor allem in der Barockzeit Bearbeitungen eigener oder fremder Kompositionen gang und gäbe waren, nahm sich das Duo auch diese Freiheit. Dem Concerto BWV 974 liegt das bekannte Oboenkonzert Benedetto Marcellos zugrunde. Hier übernahm Annegret Siedel mit berührender Intensität – fußend auf dem berückenden Ton ihrer Jacob-Stainer-Barockvioline (1670) – im Mittelsatz die eingängige Melodie. Ute Gremmel-Geuchen begleitete einfühlsam auf der nach alten Vorbildern disponierten Orgel. Den zweiten Satz seiner Kantate 137 „Lobe den Herren“ arbeitete Bach selbst zu einem Orgel-Choralvorspiel um. Hier übernahm nun die Violine präzise und voller Klangschönheit die konzertierende Oberstimme, während dem Tasteninstrument der Choral vorbehalten war.

Die Autorenschaft von Bachs berühmter Toccata und Fuge d-Moll, BWV 565, ist höchst umstritten. Sollte der Thomaskantor der Urheber sein, ist es vielleicht im Original ein Werk für Solovioline gewesen. Diese Annahme motivierte Annegret Siedel, die nach ihrem Studium als Orchestermusikerin in Berlin begann, sich dann aber mit großem Erfolg ganz der historisch informierten Aufführungspraxis zuwandte, das Werk für Violine solo umzuschreiben. Für die strukturierte, klar artikulierte und souverän gestaltete Wiedergabe gab es zu Recht reichen Applaus.

Alfred Bertholet hat Teile der Motette „Jesu meine Freude“ BWV 227 für Orgel transkribiert. Hier faszinierte vor allem die Choralbearbeitung „Gute Nacht, o Wesen“ durch überlegte Registerwahl. Die Triosonate IV e-Moll BWV 528 für Orgel geht auf eine bereits 1714 entstandene Sonate für Oboe, Gambe und Continuo zurück und ist nur bedingt eine Bearbeitung. Sie gefiel ebenso wie das abschließende, einem Vivaldi-Konzert nachempfundene Concerto d-Moll BWV 596 – mit Violinsolo im Mittelsatz und virtuosem Orgel-Allegro. Dankbar honorierten die Zuhörer diese ungewöhnliche Begegnung mit Bach.