Mit viel Spaß im Kampf gegen Fahrrad-Unfälle

Mit viel Spaß im Kampf gegen Fahrrad-Unfälle

In der Statistik zu Unfällen mit radelnden Kindern ist der Kreis Viersen in NRW trauriger Spitzenreiter. Abhilfe soll die Aktion „Vorkids“ schaffen. Auf dem Buttermarkt standen gestern die Verkehrsregeln im Mittelpunkt.

Kempen. „,Mein Kind kann Fahrradfahren’ heißt in der Regel nur, dass es das Gleichgewicht halten und in die Pedale treten kann. Wenn es aber um Sicherheit im Straßenverkehr geht, wird es oft schwierig“, sagt Polizeihauptkommissar und Verkehrssicherheitsberater Martin Gennert. Die „Viersener Sicherheits-Offensive radfahrender Kinder im Straßenverkehr“ — kurz „Vorkids“ — hatte gestern zur zweiten Verkehrssicherheits-Aktion auf den Buttermarkt geladen. Neben vielen Einzelteilnehmern machten auch drei Klassen der Kempener Gesamtschule mit.

Michael Okuhn, Polizei-Hauptkommissar

„Nirgendwo in NRW ist das Risiko für Rad fahrende Kinder im Straßenverkehr größer als im Kreis Viersen“, sagt Gennert. „Allein 50 Prozent aller Rad-Unfälle mit Kindern passieren im Umkreis von einem Kilometer zu ihrem Zuhause.“ Warum so viele Kinder im Kreisgebiet verunglücken und wie man dieser Rate präventiv entgegenwirken kann, fragte sich Landrat Andreas Coenen. Aus dieser Frage entwickelte der Kreis Viersen das Projekt „Vorkids“, das in Kooperation mit der Deutschen Hochschule der Polizei (Münster), der Kreisverkehrswacht Viersen und der Kreispolizei durchgeführt wird. Die „Vorkids“-Erfinder haben es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder durch verschiedene Aktionen auf die Teilnahme im Straßenverkehr vorzubereiten.

„Ein großes Unfall-Thema ist das Linksabbiegen mit dem Rad. Das können die Kinder heute in unserem Parcours üben“, sagt Michael Okuhn, Erster Polizeihauptkommissar. Wie das richtig geht, demonstrierte ein ganz besonderer Gast. Jünter, das Fohlen-Maskottchen von Borussia Mönchengladbach, war extra angereist und lenkte sein Rad geschickt durch den Parcours. Dabei machte er auch mit Fahrradhelm eine gute Figur. Die Kinder der fünften und sechsten Klassen folgten seinem Beispiel. Bei einigen zeigten sich dabei Unsicherheiten. „Einige haben beim Abbiegen den falschen Arm ausgestreckt, manche waren sehr wackelig auf dem Rad und ein Kind ist sogar gestürzt“, so Landrat Coenen, Schirmherr von „Vorkids“. „Nach und nach kann man aber beobachten, wie die Kinder sicherer werden.“

Neben dem Fahrrad-Parcours mit „Jünter“ warteten noch weitere Aktionen auf Kinder und Erwachsene. Bei einem Gewinnspiel wurden 30 Fahrradhelme verlost. Zudem gab es für jedes Kind eine Warnweste, einen Luftballon und ein Autogramm des Maskottchens. Wer eine echt wirkende, brenzlige Situation mit dem Fahrrad erleben wollte, konnte eine Runde auf dem Fahrradsimulator drehen. „Viele unterschätzen Gefahrensituationen oder auch ihre körperlichen Fähigkeiten. Der Simulator kann Augen öffnen, um Unfälle zu vermeiden“, erklärt Wolfgang Overath von der Verkehrswacht in Monschau, der mit dem E-Bike-Simulator auf dem Buttermarkt stand.

Ferner gab es eine Fragebogen-Aktion. „Die Fragebögen sind für Erwachsene und Kinder und sollen Anhaltspunkte liefern, warum so viele junge Radler verunglücken“, erzählt Gennert, der viele der Kinder schon seit dem Grundschulalter begleitet und als Ansprechpartner an den Schulen dient. Es geht unter anderem um Fragen zum Thema Licht am Fahrrad, das Befahren der „falschen“ Straßenseite oder das Fahren mit Kopfhörern. „Es ist wichtig, dass möglichst viele Menschen teilnehmen, damit die Umfrage repräsentativ ist“, erklärt Michael Okuhn.

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