Mit 11 ein Funkemariechen — für Lena ein Traum

Mit 11 ein Funkemariechen — für Lena ein Traum

Lena Renkes tanzt mit anderen Jungen und Mädchen bei der KG Narrenzunft. Trainiert wird nicht nur für Karneval — Auftritte gibt es für die Truppe das ganze Jahr über.

Kempen. So ein Funkemariechen hat es nicht leicht. Steht die Tanzgruppe der Karnevalsgesellschaft (KG) Narrenzunft Kempen auf der Bühne, wird davon ein Liedchen gesungen. „Das Kostümche zwickt, der Tüll der pickt, der Rock is zu kurz und die Perücke, die juckt, heute wird mir wieder auf den Arsch geguckt. Mit Spitzebützche an. Ich wär so gern mal Prinz im Karneval, doch ich bin nur ein Funke-Funkemariechen“, singt Carolin Kebekus zusammen mit der Band Brings zur Musik von Lady Gagas „Paparazzi“. Und die kleinen und großen Tänzerinnen und Tänzer der Narrenzunft zeigen mit viel Freude ihre Choreografie dazu, spielen auch die „Höhenangst“ des armen Mariechens. Mit dabei ist Lena Renkes — 11 Jahre alt.

Foto: Kurt Lübke

WZ-Serie Die jecke 11

Sie hat zusammen mit ihren Geschwistern Kilian und Merle vor drei Jahren angefangen, bei der KG Narrenzunft zu tanzen. Es macht ihr viel Spaß. Getanzt wird dort das ganze Jahr hindurch. Aber in diesen Tagen ist die Hochphase. „Wir haben in dieser Session 24 Auftritte“, sagt Gerda van de Rydt, die zusammen mit ihrer Tochter Judith die Truppe leitet. Bei der Mädchensitzung der KG standen sie im Kolpinghaus auf der großen Bühne, aber auch in Kindergärten, Schulen und Altenheimen tanzen sie. Darauf in ihrer eigenen Schule, in der Regenbogenschule, aufzutreten, freut sich Lena besonders.

„Bei uns kann man das ganze Jahr hindurch einsteigen“, sagt Judith van de Rydt. Wer dazukommt, wird gleich eingekleidet und darf mit auf die Bühne. So zogen bei der Mädchensitzung auch schon die Neulinge mit auf und schnupperten Bühnenluft. Das jüngste Mitglied ist drei Jahre, die Älteste 19. Sind sie im Karneval in den klassischen Gardeuniformen unterwegs, sieht man sie im restlichen Jahr auch mal im Dirndl, Matrosen-Outfit oder im karierten Rock. Trainiert wird in zwei Gruppen. Erst sind die Drei- bis Siebenjährigen dran — das sind übrigens 11 — und danach die Großen mit zurzeit neun Mitgliedern.

Auch Sarah (19), Lucia (17), Viviane (16) und Kimberley (13) macht das Tanzen in der Garde viel Spaß. „Ich habe vorher Hip-Hop getanzt. Das ist mal was ganz anderes“, sagt Sarah. „Der Wickler ist das Schwierigste“, sagen die Tänzerinnen und machen gleich vor, wie sie die Beine gekonnt umeinander schwingen.

Judith van de Rydt entwirft die Choreografien. Die Truppe darf aber auch selbst Vorschläge für Lieder oder Schritte machen. Sie hat ein frisches Repertoire. Das sorgt für gute Laune. So wie der Hit der jungen Kölschen Band Querbeat ‚Nie mehr Fastelovend’ — das Lieblingsstück von Kilian. „Das habe ich ausgesucht“, berichtet er. Als Junge kann man ebenfalls mittanzen. Und der Siebenjährige fühlt sich in der Truppe sichtlich wohl.

Trainiert wird in einem Übungsraum im Campus am Spülwall. Dort zeigen die Tänzer dann auch gleich, was sie können. Bei den Hebefiguren müssen sie in dem niedrigen Raum allerdings aufpassen. Einen größeren Trainingsraum würde sich die Truppe wünschen. Wenn alle zusammen tanzen, wird es eng.

Auch außerhalb der närrischen Session gibt es Proben und Auftritte. Ein Highlight: Im Advent lädt die KG Narrenzunft traditionell zum Niederrheinischen Garde- und Schautanzfestival in die Oedter Albert-Mooren-Halle ein. Neben dem Tanzen gehören auch Aktionen, wie Feste und gemeinsame Übernachtungen dazu. Und die Truppe freut sich, wenn in Kempen Rosenmontagszug ist und die Narrenzunft mit einem eigenen Wagen dabei ist.

Ob es den Gardetänzern denn auch manchmal geht, wie dem Funkemarieche im Lied? „Jahaaa“, schallt es laut und die Mädchen lachen. Übrigens heißt es im Funkemarieche-Lied auch „Die Füße tun weh, ich kann nicht mehr stehn, noch schnell ins Maritim — dat wird die 20. Sitzung für heute nacht, dat jeht noch so bis morjens um 8.“ So ähnlich geht es den Narrenzunft-Tänzern an Altweiber. Dann sind sie von 9 bis 17 Uhr nonstop unterwegs und düsen von einem Auftritt zum nächsten. Aber wie heißt es so schön im Lied: „Doch wat willste machen? Gardetanz is Ehrensache.“

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