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Meinung von WZ-Redaktionsleiter Tobias Klingen

Kommentar : Diese Kritik schießt in Teilen deutlich über das Ziel hinaus

Dass sich die Initiative „Denk mal an Kempen“ im Zuge des Peterstraßen-Streits 2014 gegründet hat, war gut und wichtig für Kempen. Der Druck der Ehrenamtler hat damals dafür gesorgt, dass es im Verwaltungshandeln einen anderen Umgang mit Öffentlichkeit und Bürgerwillen gab.

Unter anderem mit dem Ergebnis, dass eine öffentliche Debatte um die Peterstraße zu Veränderungen führte. Und auch mit dem Ergebnis, dass es in Sachen Stadtentwicklung und Denkmalschutz einen Workshop zur Ellenstraße gab (Stichwort: Heitzer-Gelände). Insofern haben die Bürger um Marcel und Daniela Rau viel erreicht. Und es wäre schade, wenn sie dieses ehrenamtliche Engagement nicht fortsetzen würden.

In ihrer aktuellen Stellungnahme ist die Initiative allerdings an der einen oder anderen Stelle über das Ziel hinausgeschossen. Ohne Zweifel steht es „Denk mal an Kempen“ zu, die nicht-öffentliche Runde zur Ellenstraße 15 zu kritisieren. Der Vergleich zur Peterstraße 20 hinkt allerdings. Und zwar mit Blick auf die Tatsache, dass das Haus an der Peterstraße ein Denkmal war. Das ist das vor dem Ersten Weltkrieg errichtete Gebäude an der Ellenstraße15 nicht. Die Initiative behauptet dies zwar nicht, sie erwähnt aber auch nicht, dass es sich nicht um ein Baudenkmal handelt. Das nennt man Suggerieren, weil es in der Diskussion nicht um den Abriss eines Denkmals, sondern nur um einen Abriss in einem Denkmalbereich geht. Vor allem mit Blick darauf, dass die Initiative einen Bezug zu anderen durchaus kritikwürdigen Projekten an Denkmälern (z.B. An St. Marien 8) herstellt, wird ein falscher Zusammenhang suggeriert.

Völlig übertrieben ist zudem die Erwähnung der Debatte um die Zukunft der Burg. Richtig ist zwar, dass die Verwaltungsspitze das Denkmal nicht vom Kreis übernehmen wollte – mit Blick auf das Geld der Kempener Steuerzahler. Die Stadt hat vielmehr eine Kooperation mit dem Kreis Viersen angestrebt, der die Burg übrigens in der Tat nicht mehr haben wollte. Insofern ist der Vorwurf, dass die Stadtverwaltung „die Burg lieber heute als morgen losgeworden“ wäre ebenso populistisch wie die Aufzählung weiterer Projekte der Stadt, bei denen es ohne Frage schlecht läuft: Kita-Ausbau, Schulsanierung, Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

Dass sich „Denk mal an Kempen“ nun mit dieser harschen Kritik zu Wort gemeldet hat, ist sicher verständlich. Dass die Initiative aber in ihrer der Argumentation in Teilen deutlich vom Weg abkommt, muss wiederum deutlich kritisiert werden.