Martins-Tradition: Nächste Hürde auf dem Weg zum Unesco-Kulturerbe ist geschafft

Martins-Tradition: Nächste Hürde auf dem Weg zum Unesco-Kulturerbe ist geschafft

Antrag des Kempeners Jeyaratnam Caniceus ist weiterhin erfolgreich.

Kempen. Die Tradition des St. Martins zwischen Rhein, Maas und dem Eifelvorland wird als immaterielles Kulturerbe des Landes Nordrhein-Westfalen anerkannt. Auf den Tag sieben Monate nach Einreichen der Bewerbung gab eine unabhängige Expertenkommission bekannt, welche Traditionen und Bräuche fortan zum Kulturerbe des Landes gehören sollen. Neben dem rheinischen Martin sind dies das Brieftaubenwesen, die Haubergswirtschaft im Siegerland, die Bolzplatzkultur sowie die Anlage von Flechthecken. Insgesamt hatte es in NRW 14 Bewerbungen gegeben.

Die Initiatoren des Kulturerbes St. Martin zeigen sich dankbar mit Blick auf die breite Unterstützung durch Vereine und seitens der nordrhein-westfälischen Landespolitik. Der Landtag hatte im Januar erstmalig einer einzelnen Kulturerbe-Bewerbung seine ausdrückliche Unterstützung ausgesprochen. „Das Votum des NRW-Parlaments wird St. Martin in der nächsten Runde auf die Bundesebene tragen“, sind sich Jeyaratnam Caniceus (Kempen) und René Bongartz (Brüggen) sicher.

„Ein Dachverein des Kulturerbes St. Martin befindet sich in Vorbereitung, eine private Bewerbung ist der Bundesebene nicht angemessen“, so Caniceus und Bongartz. Dem Verein soll eine Stiftung zur Seite stehen, die den Erhalt der Rheinischen Martinstradition zur Aufgabe hat.

Mit den fünf neuen Traditionen und Bräuchen umfasst das Landesinventar dann insgesamt zehn Einträge. Der Rheinische Karneval und die Flussfischerei an der Siegmündung sind die beiden originär nordrhein-westfälischen Einträge auf Bundesebene. Neben dem Brieftaubenwesen, den Flechthecken und der Haubergswirtschaft werden auch der Osterräderlauf im ostwestfälischen Lügde sowie das Stellenwertsystem des Ziffernrechnens ins aktuelle Rennen um bundesweite Anerkennung gehen. NRW sendet mit fünf Bewerbungen eine mehr, als dem Land vom Auswahlverfahren her zusteht.

Unterm Strich haben sich die beiden Initiatoren aus dem Kreis Viersen zum Ziel gesetzt, dass die Martinstradition immaterielles Kulturerbe der Unesco wird. Das Verfahren verläuft in drei Schritten. Man bewirbt sich zunächst in seinem Bundesland, also in diesem Fall in Nordrhein-Westfalen. Diese Bewerbung wurde nun erfolgreich anerkannt. Ein Expertenkomitee bei der Deutschen Unesco-Kommission und verschiedene staatliche Akteure beraten nun über die Anträge. Die Ergebnisse werden im Frühjahr 2019 erwartet.

Im bundesweiten Verzeichnis befinden sich derzeit 68 Kulturformen und vier Erhaltungsprogramme. Es soll, laut Deutscher Unesco-Kommission, von Jahr zu Jahr wachsen und langfristig die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in und aus Deutschland sichtbar machen.

Vor allem in Kempen ist das Martinsfest Jahr für Jahr mit zwei großen Umzügen durch die Altstadt ein Highlight. In der Thomasstadt mimt „Jüppi“ Trienekens den Heiligen Mann, Christoph Dellmans ist als Armer Mann im Einsatz.

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