Lobberich: Zwei Brunnen, von denen niemand wusste

Lobberich: Zwei Brunnen, von denen niemand wusste

Fundstücke: Bei der Sanierung des Lobbericher Marktes kam Historisches ans Tageslicht.

Lobberich. Eine Absturzsicherung ist um Holger Voß’ Körper gespannt. Das Abseilgerät sichert den Unterbrandmeister an der Drehleiter. Mit Atemschutz und Funkgerät ausgerüstet, wird Voß 8,50 Meter in die Tiefe gelassen. Er erkundet einen Brunnen, von dessen Existenz bis vor kurzem niemand wusste.

"Der Dorfbrunnen soll das neue Zentrum von Lobberich werden, ein Ort des Feierns für die Nettetaler Bevölkerung", sagt Norbert Backes, Vorsitzender des Lobbericher Werberings. "Das neue Herzstück der Stadt soll einfach zum Verweilen einladen", fügt er hinzu.

Während der Neugestaltung des Lobbericher Marktes waren zwei abgedeckte Brunnen unter der Oberfläche entdeckt worden. "Aus alten Feuerwehrurkunden geht hervor, dass dies mittelalterliche Löschbrunnen waren", erklärt Backes. Insgesamt sieben hätte es damals im Ort gegeben.

Einer der Brunnen befindet sich an einer Stelle, wo heute eine Straße ist. Darum wird dieser nur mit einer Glasplatte abgedeckt und von innen beleuchtet. Der Dorfbrunnen gegenüber des alten Rathauses jedoch soll mit LED-Licht angestrahlt werden und so einen atmosphärischen Kontrast zu den ebenfalls beleuchteten Bäumen geben. Abgesichert wird der im Durchmesser etwa 1,50 Meter große Brunnenschacht durch ein Gitter.

Unterstützung bei der Sanierung gab es vom örtlichen Bauunternehmer Erich Sandau, der kostenlos die steinerne Fassade des etwa 1,70 Meter hohen Brunnens hochgezogen hat. Zur Eröffnung des neugestalteten Marktes im Oktober sollen dann auch die beiden Brunnen präsentiert werden.

Damit bis dahin alles in Ordnung ist, rückte am Mittwochabend die Feuerwehr an. Dabei wurde ein großer Rinnstein zu Tage gefördert, ebenso ein Plastikrohr und allerlei Schutt. "Das sind wirklich seltene Situationen, wo wir an Schächte dran müssen. Wir hatten schon mal solche Einsätze, aber da war im Brunnen Wasser", erzählt Löschzugführer Jörg Pechkes. Grund zur Beunruhigung gab es jedoch nicht: "Wir üben solche Einsätze und unser Sicherheitsbeauftragter Markus van Bocksen überprüft alle Sicherungen."

Neben vielen Schaulustigen, die sich während des Einsatzes der Blauröcke am Markt versammelt hatten, hielt auch Sonja Klinger den Atem an. Sie wollte einmal bei der Arbeit ihres Lebensgefährten Holger Voß dabei sein. Dass er diesmal im Mittelpunkt des Einsatzes stand, machte sie schon etwas nervös: "Normalerweise weiß ich bei den Durchsagen nie, wohin er muss. Jetzt bekomme ich auch mal die Gelegenheit, das mitzuerleben."

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