Lobberich: Wiener Blut und Wandergesell

Lobberich: Wiener Blut und Wandergesell

Neujahrskonzert: Mit seiner Spielfreude begeistern das Johann Strauß Orchester und vier Solisten in der ausverkauften Werner-Jaeger-Halle.

Lobberich. Feuer am Sonntagmittag in der Werner-Jaeger-Halle: In der Pause glimmte ein Abfalleimer im Foyer, beherzte Malteser hatten den Schwelbrand schnell unter Kontrolle. Das Feuer auf der Bühne hingegen war rein musikalischer Natur:

Mit Schwung und Spielfreude heizte das Johann Strauß Orchester dem Publikum ein, entfachte ein Feuerwerk beschwingter Melodien, vier Solisten sangen dazu beliebte Arien. Begeisterter Applaus für eine Nostalgie-Show, die insgesamt hörens- und sehenswert war, in der Stärken überwogen.

Schön kitschig hätte das Konzert werden können. Doch das Kölner Orchester brachte selbst abgedroschene und oftmals verhunzte Walzer-Hits so, wie sie es verdient haben - als Werke klassischer Unterhaltungsmusik, niveauvoll und authentisch.

Da wirkten die farbenprächtigen festlichen Kostüme der Musiker eher wie eine augenzwinkernde Staffage. "An der schönen blauen Donau" oder "Wiener Blut" wurden so zum konzertanten Erlebnis. Garniert das Ganze mit Anekdoten vom launig moderierenden Pianisten Gerd Winzer.

"In den Straßen von Wien" hatte der Kulturkreis der Wirtschaft als Veranstalter sein Neujahrskonzert betitelt. Das Orchester legte dieses Motto großzügig aus, brachte verschiedene Werke aus der Epoche des 19. und des beginnenden 20.Jahrhunderts.

So spielt eben die Operette "Der Vetter aus Dingsda" des Berliner Komponisten Eduard Künneke in Holland - passend sang der holländische Tenor Robert Schwartz daraus "Ich bin nur ein armer Wandergesell".

Schwarts übrigens war von den guten Solisten wie Christine Gogolin, Lisa Graf, Mauro Domenico Bufi am besten zu verstehen, artikulierte und modulierte Silbe für Silbe mit Inbrunst und doch exakt, so bei Franz Lehars "Wolgalied".

Das Ensemble spielte frisch, munter, mitreißend. Allen voran Leiterin und erste Geigerin Anja Borchers. Was machte es da schon, dass der Bass mitunter nachhallte, das Schlagwerk gelegentlich zu vorwitzig klang? Das Publikum klatschte begeistert ob der feurigen Spielfreude, die auch bei den Zugaben anhielt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung