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LFS-Mädchen wollen „nur kein Debakel“

LFS-Mädchen wollen „nur kein Debakel“

Mit bescheidenen Zielen fahren die Handballerinnen der Liebfrauenschule zur WM in die Türkei. Die Kosten müssen die jungen Frauen zum größten Teil selber tragen — und sind deshalb auf der Suche nach Sponsoren.

Mülhausen. „Nur nicht Letzter werden“ — mit diesem Ziel fuhren im April vergangenen Jahres die Handballerinnen der Liebfrauenschule (LFS) nach Berlin zur Deutschen Schulmeisterschaft. Als sie am Ende den Turniersieg und damit den Titel holten, war die Überraschung nicht zuletzt bei den Mädchen riesig.

Gut ein Jahr später steht das Team von Trainer Horst Simons vor dem nächsten Großereignis: der Weltmeisterschaft vom 20. bis zum 28. Juni in der türkischen Stadt Trabzon am Schwarzen Meer.

Und wieder hat das Team vor Beginn eher geringe Erwartungen. Spielerin Nele Rottwinkel: „Dieses Mal sind die Mannschaften noch stärker und bestimmt besser als wir. Dennoch werden wir unser Bestes geben.“

Horst Simons bestätigt: „Wir sind uns alle bewusst, das Berlin ein einzigartiges Erlebnis war und werden nicht größenwahnsinnig. Ich würde mir wünschen, dass wir mitspielen können und nicht in jedem Spiel haushoch unterliegen. Ich möchte kein Debakel.“

Neben der LFS-Mannschaft nehmen Teams aus Armenien, Österreich, Belgien, Bulgarien, Brasilien, China, Kroatien, Zypern, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Israel, Luxemburg, Serbien, Slowakei, Schweden, Tschechien und der Türkei am Tunier teil.

Alle sind sich einig, dass die Weltmeisterschaft ein anderes Kaliber ist als die Deutsche Meisterschaft in Berlin. Auch organisatorisch ist das Ereignis viel aufwendiger. Hatte 2013 das Land Nordrhein-Westfalen noch die Vorbereitungen übernommen, muss das Team dieses Mal einen Großteil selber erledigen. Inzwischen sind die Flüge gebucht und auch die Unterkunft steht fest: Alle 21 Mannschaften werden im olympischen Dorf in Trabzon untergebracht.

Vor Berlin hatte die Mannschaft nur einmal zusammen trainiert. Das soll diesmal anders werden. „Wir haben Spielerinnen aus vier, fünf verschiedenen Vereinen, darunter auch einige aus der Landesauswahl. Da ist es schwierig, einen gemeinsamen Termin zu finden“, weiß Simons. „Trotzdem versuchen wir, uns in den kommenden Monaten so oft wie möglich zu treffen.“

War der eigene Kostenaufwand für Berlin mit 100 Euro noch relativ gering, müssen nun pro Spielerin etwa 1100 Euro aufgebracht werden. Eine Summe, die die Familien der Spielerinnen nicht alleine tragen sollen.

Michaela Hufschmidt, Jugendwartin beim TV Aldekerk und Mutter von Spielerin Katharina Hufschmidt: „Seit drei Monaten machen wir nichts anderes, als Geld zu sammeln. Jetzt haben wir schon 5000 Euro zusammen. Aber benötigt werden mindestens 10 000 Euro.“ Sogar ihren Physiotherapeuten sponsern die 15- bis 17-jährigen Mädchen selber.

Neben verschiedenen Handballverbänden wird die Mannschaft vom Förderverein der Schule und einigen kleinen Unternehmen finanziell unterstützt. „Wir haben uns persönlich, telefonisch oder per E-Mail mit allen möglichen Leuten in Verbindung gesetzt. Uns helfen auch kleine Spenden von Privatpersonen weiter“, sagt Hufschmidt.

Gabriele Beeck, stellvertretende Schulleiterin. ist stolz auf das Team: „Die Mädchen müssen in der Schule schon sehr viel leisten. Was sie dann noch nebenher auf die Beine stellen ist beeindruckend.“

Michaela Hufschmidt ergänzt: „Normalerweise schaffen es nur die großen Sportinternate, Deutscher Meister zu werden und sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Unsere Mädchen haben bereits Großes geschafft und dabei sind sie unbefangen und mit viel Spaß bei der Sache. Vielleicht ist das ja das Rezept.“