Landesgartenschau 2026 in Grefrath? Eine Analyse

Kreis Viersen : Landesgartenschau 2026: Zehn Fragen und zehn Antworten

Die Spitzenposition Grefraths für eine mögliche Bewerbung im Kreis Viersen hat viele überrascht. Nun liegt der Ball im Feld der Niersgemeinde. Die WZ klärt über den Stand der Dinge und die nächsten Schritte auf.

Genau eine Woche ist es her, da sorgte eine von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) beauftragte Vorstudie für Aufsehen: Sollte sich der Kreis Viersen um die Landesgartenschau (Laga) 2026 bewerben, ist Grefrath der favorisierte Standort. Im Schwingbodenpark, wo 1970 die allererste Gartenschau stattgefunden hat, soll das Zentrum einer Bewerbung „Grefrath im Kreis Viersen“ liegen. Nun ist in den vergangenen Tagen in Politik und Verwaltung, aber auch auf den Marktplätzen und an den Stammtischen über das Thema geplaudert worden. Es bleiben noch viele Fragen. Die WZ hat zehn zentrale Fragen rund um das Projekt zusammengestellt – und gibt zehn Antworten. Eine Analyse.

„Grefrath als Dirigent eines Orchesters“ – unter anderem dieser Slogan taucht in der Vorstudie auf. Was steckt hinter der möglichen Bewerbung „Grefrath im Kreis Viersen“?

Die Idee der Berater von ITF ist, einen Laga-Standort mit weiteren „Sternen“ in der Region zu verbinden. Die eigentliche Schau, die man gegen Eintritt sehen kann, soll im Schwingbodenpark stattfinden. Auf dem Gelände soll aber auch auf weitere lohnenswerte Ausflugsziele im Kreis Viersen hingewiesen werden. So sollen die klassischen Tagesausflügler noch einmal in die Region gelockt werden. Die Flächen im Grefrather Park entsprechen den Kriterien eines Laga-Geländes zwischen 15 und 30 Hektar. Ein besseres Areal gibt es aus Sicht der Gutachter im Kreis Viersen nicht. Ein weiterer Aspekt einer möglichen Bewerbung ist das Thema Nachhaltigkeit: ein vorhandenes Gelände würde genutzt.

Gab es eine Landesgartenschau schon ein zweites Mal in der Kommune?

Nein. Sollte Grefrath 2026 zum zweiten Mal nach 1970 Austragungsort werden, wäre diese Wiederholung die erste. Übrigens wäre auch die nun vorgeschlagene kombinierte Bewerbung mit Grefrath und anderen Kommunen eine Premiere. Bislang konzentrierte sich eine Laga immer auf eine Stadt oder Gemeinde.

Welche anderen Kommunen des Kreises hatten sich auch Hoffnungen gemacht?

Außer Willich hatten alle Kommunen ihr Interesse bekundet. Intensiv geworben hatte die Politik in Kempen, Nettetal und Viersen. Diese Städte tauchen auch konkret in der Vorstudie auf, in der insgesamt sechs mögliche Varianten präsentiert wurden. Allerdings war Grefrath bei vier von sechs Varianten beteiligt: „Nettetal“, „Kempen“, „Grefrath und Kempen“, „Grefrath und Viersen“ sowie der Sieger „Grefrath im Kreis Viersen“.

Wie ist denn der genaue Ablauf einer Landesgartenschau?

Seit 1984 ist die Struktur so, dass eine Laga sechs Monate von April bis Oktober dauert. 1970, als Grefrath erstmals Austragungsort war, beschränkte sich die Dauer auf wenige Wochen. 2026 würde der Schwingbodenpark zu einem abgesperrten Ausstellungsareal. Gegen Eintritt können Besucher aufs Gelände. Vorgesehen sind stets Einzel-, Gruppen- und Dauerkarten, aber auch andere Tarife. Das Gelände könnte mit den neuesten Trends aus der Pflanzen- und Gartenwelt sowie künstlerisch gestaltet werden. In der Regel gibt es auf einem Laga-Gelände mehrere Zelt-Bereiche für den Aufenthalt oder weitere Ausstellungen. In einem dieser Bereiche könnten sich dann auch andere Kommunen präsentieren. Bauprojekte sind meist nicht vorgesehen.

Mit wie vielen Besuchern ist zu rechnen?

Nach Angaben der Gutachter haben die letzten Veranstalter stets mit einer Besucherzahl um die 500 000 kalkuliert. Diese sei bei den vergangenen Ausgaben auch stets übertroffen worden, so ITF.

Mit welchen Kosten muss ein Veranstalter der Gartenschau rechnen?

Nach Angaben der Gutachter ist das von Laga zu Laga unterschiedlich. Als Beispiel nannte ITF die Landesgartenschau in Zülpich 2014. An der Verwirklichung waren die Experten damals beteiligt. Dort seien zwischen 15 und 20 Millionen Euro an Investitionskosten angefallen. Diese Summen werden aber meist vom Land ausreichend bezuschusst. So bekommt der Austragungsort zum Start schon mal fünf Millionen Euro vom Land. Dazu winken für weitere Projekte im Zusammenhang mit der Laga Fördermittel.

Welche Risiken kommen auf die Gemeinde Grefrath zu?

Bei dieser Frage muss man sicher das Thema Folgekosten ansprechen. Während die Vorbereitung und Durchführung des Events durch Fördermittel und Eintritt gedeckt werden könnten, stellt sich für jede austragende Kommune die Frage, was in einigen Jahren passiert. Grefrath hat dies schon bei mehreren Themen am eigenen Leib erfahren. So im Schwingbodenpark, der auch 50 Jahre nach der Landesgartenschau bewirtschaftet werden muss. Dass dies nicht vollständig gelingt, zeigt zum Beispiel der ehemalige Aussichtsturm. Dieser ist marode und darf nicht mehr betreten werden. Auch beim Eisstadion hat Grefrath schon erfahren, was es heißt, eine überregional bedeutende Einrichtung zu unterhalten. Mit dem Ergebnis, dass nun der Kreis Viersen als Hauptgesellschafter einsteigen wird, weil das klamme Grefrath die Kosten nicht mehr alleine stemmen kann. Mit Blick auf die Landesgartenschau sollte das Grefrather Interesse darauf liegen, langfristig nicht alleine dazustehen.

Und welche Chancen bietet die Laga für Grefrath?

Das dürften einige Chancen sein. Zunächst ist zu nennen, dass der Park eine deutliche Auffrischung erhält. Zudem ist so eine große Veranstaltung mit 500 000 Besuchern für Grefrath und den Kreis Viersen ein Imagegewinn aus wirtschaftlicher und touristischer Sicht. Profitieren könnten zudem Grefrather Freizeiteinrichtungen im direkten Umfeld des Schwingbodenparks – auch in Sachen Fördermittel. Der Gutachter nannte explizit das brachliegende Nato-Gelände sowie Freibad, Eissportzentrum und Freilichtmuseum, das dem Kreis Viersen gehört und als Lieblingsprojekt des früheren Kulturdezernenten und heutigen Landrats Andreas Coenen gilt.

Wie könnten denn die umliegenden Städte von einer Gartenschau in Grefrath profitieren?

Zunächst dürfte es für alle von Vorteil sein, wenn rund 500 000 Menschen den Weg in den Kreis Viersen finden. Die Besucher könnten die Laga direkt mit einem weiteren Ausflugsziel im Kreis Viersen verbinden oder noch einmal wiederkommen, so die Gutachter. Sollte eine kombinierte „Grefrath im Kreis Viersen“-Bewerbung erfolgreich sein, könnte man aber auch Fördermittel für Projekte im Umland locker machen. Kempens Bürgermeister Volker Rübo baute schon in der vergangenen Woche die Brücke, dass man nach dem Laga-Besuch in Grefrath die Kempener Burg besichtigen könnte. Für diese sucht die Stadt bekanntlich eine neue Nutzung, weil der Kreis Viersen sein Archiv nach Dülken verlagert. Auch die Infrastruktur des Kreises Viersen könnte eine Aufwertung erfahren. So ist die Rede von Investitionen ins Radwegenetz.

Wie geht es denn jetzt weiter?

Nach der Vorstudie liegt der Ball im Feld der Gemeinde Grefrath. Dort müssen Verwaltung und Politik nun entscheiden, ob man den Weg in Richtung Laga 2026 an der Spitze weitergehen will. Dazu will Bürgermeister Manfred Lommetz in Kürze einen Runden Tisch mit Verwaltung, Politik und Experten bilden. Bei einem Ja aus Grefrath folgt eine Machbarkeitsstudie im Auftrag der Kreis-WFG. Vor- und Machbarkeitsstudie kosten laut WFG übrigens zusammen etwa 60 000 Euro. Diese Summe übernimmt die WFG, die vom Kreis Viersen und somit von den beteiligten Kommunen getragen wird.

Sollte die Machbarkeitsstudie eine Bewerbung unterstützen, müsste sich Grefrath bis zum 1. November 2021 bewerben. Eine Entscheidung peilt das Land für 2022 an.

Wie viele Bewerber es geben wird, ist offen. Mal gab es nur einen, mal drei oder vier. Für 2026 ist derzeit auch die Stadt Köln im Gespräch.

Sollte sich Grefrath mit dem Kreis Viersen für eine Bewerbung entscheiden, wäre dann wohl auch der Zeitpunkt gekommen, eine Gesellschaft (GmbH oder ähnliches) zu gründen. Diese müsste sich um die Bewerbung kümmern und könnte im Idealfall später als Ausrichter fungieren.

Wie es weiterginge, falls Grefrath sich nicht bewerben will, ist offen. Eine Anfrage dazu hat die WZ am Donnerstagnachmittag bei den Beteiligten gestellt. Eine Antwort steht noch aus.

Mehr von Westdeutsche Zeitung