Landesgartenschau 2026: Im Kreis Viersen werden Chancen ausgelotet

Analyse : Landesgartenschau 2026: Große Chance und geringes Risiko

Im Kreis Viersen werden die Chancen für das Projekt mit einer Studie ausgelotet. Die Stadt Kempen dürfte bei den Überlegungen eine große Rolle spielen. 

„Da erzählen meine Eltern heute noch von.“ Diese Aussage hat möglicherweise der eine oder andere Grefrather – der Autor dieses Textes ist eingeschlossen – mit Blick auf die Landesgartenschau 1970 schon mal getätigt. Besucher aus NRW strömten damals in die beschauliche Gemeinde. Genauer gesagt in den Schwingbodenpark, der eigens für die erste Gartenschau in Nordrhein-Westfalen angelegt worden war. Sogar Schlagerbarde Heino ließ sich blicken.

Dank der „Laga“ – wie das Projekt gerne genannt wird – erhielt das kleine Grefrath überregionale Bedeutung. Erst recht durch den Bau des Eissportzentrums, der wenige Jahre später abgeschlossen wurde. Und wegen der Veranstaltung 1970 verfügt Grefrath heute mit dem Park über eine grüne Lunge, die es so in anderen Städten und Gemeinden nicht gibt. Diese muss zwar auch gehegt und gepflegt werden – und leider ist das in den vergangenen Jahrzehnten nicht immer optimal gelaufen. Aber dennoch kann man fast 50 Jahre nach der Landesgartenschau immer noch sagen, dass Grefrath davon profitiert hat. „So einen Park hat weit und breit keiner“, sagt Bürgermeister Manfred Lommetz.

Gutachter-Team hat Städte und Gemeinden besucht

Geht es nach Landrat Andreas Coenen und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) sollen die Kommunen des Kreises Viersen bald wieder von einer Landesgartenschau profitieren. Wie berichtet, gibt es Überlegungen, die Veranstaltung 2026 in den Kreis zu holen. Unter Führung der WFG-Tochter Niederrhein-Tourismus GmbH wird derzeit die Machbarkeit analysiert. Experten sollen eine Studie erstellen. Welche Standorte kommen infrage? Welche Städte sind am besten geeignet? Welche Voraussetzungen müssen eigentlich erfüllt werden? Diese und viele andere Fragen soll die Studie beantworten. Ein Gutachter-Team hat dazu in den vergangenen Tagen und Wochen die Städte und Gemeinden des Kreises besucht.

Nur in Willich waren die Experten nicht. Denn die 50 000-Einwohner-Stadt will sich nicht am Projekt beteiligen. „Ich sehe nicht, dass uns eine Landesgartenschau nachhaltige Vorteile bringt“, hatte der Erste Beigeordnete Willy Kerbusch im Oktober zur WZ gesagt. Nach der Euroga 2002, an der sich Willich beteiligt hatte, wolle man vorerst kein weiteres Projekt angehen. Damals entstand durch die Gartenschau unter anderem der neu gestaltete Neersener Schlosspark sowie die Wasserachse im Stahlwerk Becker. „Das muss anschließend alles in Stand gehalten werden“, sagt Kerbusch. Die Folgekosten kalkuliert er drei Mal so hoch wie die erstmalige Investition.

Soweit sind die Beteiligten mit Blick auf die Laga 2026 natürlich noch nicht. Mit den Ergebnissen aus der Analyse sei erst in einigen Monaten zu rechnen, wie Martina Baumgärtner, Geschäftsführerin der Niederrhein-Tourismus GmbH, auf WZ-Anfrage sagt. Baumgärtner hatte für den Kreis Viersen die Idee, sich mit der Laga 2026 zu befassen. Derzeit könne sie sich nicht zu einzelnen Städten und Gemeinden bzw. möglichen Kooperationsideen äußern. Die Gutachter sollten zunächst ihren Job machen.

Nichtsdestotrotz wird in den einzelnen Rathäusern schon über Konstellationen diskutiert. Die Bürgermeister und Beigeordneten haben wohl weitgehend verstanden, dass das Projekt Landesgartenschau große Chancen bietet. Wie die WZ erfuhr, wird zum einen immer wieder eine gemeinsame Ausrichtung im Bereich Nettetal, Schwalmtal und Brüggen ins Spiel gebracht. Ohne Frage eine Region, die in Sachen Natur schon eine Menge zu bieten hat. Und insofern wohl auch wie gemalt für eine Landesgartenschau wäre.

Kempen hat Projekte, die eine Rolle spielen können

Nicht zu verstecken braucht sich aber vor allem die Stadt Kempen. Eine Stadt, deren Einwohner sie selbst gerne als „Perle am Niederrhein“ bezeichnen. Eine Stadt, die einige Projekte in der Pipeline hat, bei denen Laga-Fördermittel aus Düsseldorf durchaus hilfreich wären. „Kempen ist ein schlafender Riese, den mal jemand wecken müsste“, sagte jüngst mal ein einflussreicher Politiker der Region in einem Hintergrundgespräch.

So ist es nach Informationen der WZ durchaus denkbar, dass die Burg, über deren Zukunft seit dem beschlossenen Wegzug des Kreis-Archivs, diskutiert wird, in Sachen Landesgartenschau eine Rolle spielt. Die Struktur der Altstadt mit dem schon vorhandenen Grüngürtel und einem durchaus weitläufigen Burg-Park bietet sich geradezu an, zumindest Teilstandort einer Landesgartenschau zu werden. Und möglicherweise kann die Burg selbst gar als Ausstellungsraum genutzt werden.

Obendrein gibt es im Kempener Stadtgebiet noch den Königshütte-See. Zumindest das Areal neben dem – häufig illegal besuchten – Naturschutzgebiet wollte die Stadt ohnehin schon einmal zu einem Erholungsgebiet mit Sportmöglichkeiten umfunktionieren. Letztlich scheiterte dies schon in einem ganz frühen Stadium: Viel zu teuer; zudem gab es keine Einigung mit den Eigentümern – allen voran die Auskiesungs-Firma Klösters. Einen Baggersee, dessen Areal zum Teil auch schon wieder renaturiert worden ist, gibt es im sogenannten „Dreiländereck“ Kempen/Oedt/Tönisvorst. Auch auf dieser Fläche ließe sich für 2026 möglicherweise etwas realisieren. Was wiederum für eine Ausrichter-Kombination Kempen-Grefrath-Tönisvorst spräche.

Bei den handelnden Personen in den Rathäusern sowie im Viersener Kreishaus dürften die Chancen einer Landesgartenschau also auf den Schreibtischen liegen. Und das bei einem vergleichsweise geringen finanziellen Risiko. Die bisherigen Kosten für die Studie übernimmt der Kreis Viersen und damit alle Städte und Gemeinden. Und auch auf dem weiteren Weg scheint in Politik und Verwaltung Einigkeit darüber zu bestehen, den Laga-Weg gemeinsam gehen zu wollen. Wenn eine Mehrheit mitmachen wolle, solle der Kreis Viersen das auch tun, ist sogar aus dem Willicher Rathaus zu hören. „Das zu akzeptieren, ist guter demokratischer Brauch“, so Kämmerer Kerbusch.

Anschauungsunterricht in Sachen Landesgartenschau kann man sich übrigens schon im nächsten Jahr unweit des Kreises Viersen holen. Denn 2020 richtet die Stadt Kamp-Lintfort (Kreis Wesel) die Landesgartenschau aus. Unter dem Motto „Kloster, Kohle, Campus“ will Kamp-Lintfort vom 1. April bis 15. Mai die Touristen anlocken. Natürlich spielt der Besuchermagnet Kloster Kamp dabei eine Rolle. Aber auch ein früheres Zechengelände. Auf diesem 25 Hektar großen Areal wird ein neuer Park entstehen. Hört sich prima an. Und eine Zeche, die nach einer neuen Nutzung schreit, hat Kempen in Tönisberg ja auch zu bieten. Weitere Infos zur Schau in Kamp-Lintfort gibt es im Internet unter: kamp-lintfort2020.de

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