Kunst ächtet häusliche Gewalt

Mit einer spannenden Ausstellung wollen 24 Künstler auf das Tabu-Thema aufmerksam machen.

Grefrath. Ein zerbrochener Spiegel, ein blauer Fleck auf einem Gesäß, eine Träne, die über die Wange einer jungen Frau läuft — Gewalt gegen Frauen und Kinder hat viele Facetten und lässt sich auf viele verschiedene Arten darstellen. Das zeigen Künstler aus dem Kreis Viersen in einer Wanderausstellung mit dem Titel „Kunst gegen Gewalt“, die von Dienstag bis 13. September im Cyriakus-Haus am Markt in Grefrath zu sehen ist.

Barbara Füsers, Künstlerin aus Oedt

24 Kreative aus dem Kreis Viersen haben Bilder und Fotos, Collagen und Skulpturen zum Thema häusliche Gewalt geschaffen. Die Oedter Künstlerin Barbara Füsers hat aus Beton eine Figur gefertigt, die mit den Armen die Knie umfasst. Eine Träne läuft den Arm herunter. Die Skulptur heißt „Kind der Liebe“. „Was man liebt, das schlägt man nicht“, erklärt sie.

Ziel der Ausstellung ist es, für das Thema häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder zu sensibilisieren. „Es ist ein Tabu-Thema, bei dem viele Menschen gerne wegschauen“, sagt die Grefrather Gleichstellungsbeauftragte Annemarie Quick.

Die Künstlerin Beate Krempe hat sich Gedanken gemacht, wie man das Thema mehr auf die Straße bekommen kann — und sie hat einen Weg gefunden. In Grefrath werden Fotos zum Thema mit Pflastern in allerlei Nischen geklebt. Aussagen von betroffenen Frauen werden dazu mit Kreide auf die Straße geschrieben.

Zum Beispiel: „Er sagte immer, dass er mich lieben würde“. Fotos und Schrift sind dann Wetter und anderen Einflüssen ausgesetzt. „Zwei bis drei Wochen später sehe ich mir an, was damit passiert ist, welche Verletzungen sie erlitten haben“, erklärt die Künstlerin. Auch so entstehen wieder aussagekräftige Bilder. Bisher habe sie mit dieser Aktion gute Erfahrungen gemacht.

Kooperationspartner der Ausstellung in Grefrath ist die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, die KFD-Mülhausen. Die Frauen betreuen die Ausstellung während der Öffnungszeiten. Mit eingebunden sind auch die Liebfrauenschule Mülhausen sowie die Schule an der Dorenburg. Neunt— und Zehntklässler können sich die Schau ansehen, selbst mit dem Handy Details der Kunstwerke fotografieren und mit den Künstlern ins Gespräch kommen.

Schließlich können auch junge Menschen schon in der Familie und in Beziehungen Gewalt erfahren. Für die Schüler sei es spannend, sich selbst mit modernen Mitteln dem Thema nähern zu können. „Dass sie das Handy mitnehmen dürfen, ist neu und sehr reizvoll“, sagt Vera Korb-Ciesla von der Schule an der Dorenburg.

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