Kreis Viersen: Wer will denn noch im Landrats-Rennen antreten?

Kommunalwahl 2020 : Wer will denn noch im Landrats-Rennen antreten?

Amtsinhaber Andreas Coenen (CDU) tritt wieder an. Die anderen Parteien halten sich beim Thema noch zurück.

2015 schien es fast so, als traue sich keiner. Damals zog die CDU mit Kreisdirektor Andreas Coenen als Landrats-Kandidat in den Wahlkampf. Andere Parteien hielten sich bedeckt. Allen voran die SPD, die sich in ihrer Kandidatenfindung schwer tat und letztlich niemanden ins Rennen um den Chefsessel im Kreishaus schickte. Letztlich waren es Wolfgang Lochner (FDP) und Christoph Saßen (Die Linke), die gegen den großen Favoriten Coenen antraten. Mit dem wenig überraschenden Ausgang, das der CDU-Kandidat mit 72,3 Prozent der Stimmen gewählt wurde. Lochner holte 16, Saßen 11,8 Prozent.

Vier Jahre später ist klar, dass Andreas Coenen sein Amt weiter ausüben will. Bereits Anfang September veröffentlichte der CDU-Vorstand, dass der Amtsinhaber wieder ins Rennen gehen soll. Die Zustimmung der Kandidatur auf einem Parteitag gilt als Formsache. Dann ist es doch an der Zeit, mal bei den anderen Parteien nachzufragen, wer gegen den Favoriten von der CDU antreten möchte: Will sonst noch jemand Landrat werden?

Bei der SPD scheint es so, als wolle die Partei dieses Mal mit einem eigenen Kandidaten in den Wahlkampf gehen. „Es gab bereits erste Gespräche“, so Kreisvorsitzender und Bundestagsabgeordneter Udo Schiefner. Im Kreisverband und auch bei den Ortsvereinen herrsche die Meinung vor, einen Kandidaten aufzustellen. Wer das sein wird, ist offen. Laut Schiefner wollen sich die Sozialdemokraten im ersten Quartal des neuen Jahres intensiv mit dem Thema befassen – ebenso mit den Listen für die Kreistagswahl.

„Wir befinden uns zu mehreren Kandidaturfragen bereits in der Diskussion“, sagt Jürgen Heinen, Kreissprecher von Bündnis 90/Die Grünen. Für eine Entscheidung in Sachen Landrat sei es aber noch zu früh. Sowohl die Abstimmung des Kreisvorstands untereinander als auch mit den einzelnen Ortsverbänden habe gerade erst begonnen. „Wir werden als Vorstand den Weg entsprechend vorbereiten, damit die Mitgliederversammlung im März eine Entscheidung treffen kann“, so Heinen. Dabei sei auch nicht geklärt, ob überhaupt einen Grünen-Kandidat antreten wird. „Allerdings bewerte ich die Wahl nun anders als 2015. Damals gab es ja nur die Landratswahl und einzelne Bürgermeisterwahlen“, so Heinen. Nun gebe es ja das Gesamtpaket Kommunalwahl.

Zur Erinnerung: Wegen einer Änderung der gesetzlichen Vorgaben hatten 2014 einige Bürgermeister ihre Amtszeiten um ein Jahr verkürzt, damit die Bürgermeisterwahlen gemeinsam mit den Ratswahlen stattfinden konnten. Der damalige Landrat Peter Ottmann (CDU) blieb jedoch bei seiner sechsjährigen Amtszeit. So ging es erst 2015 um seine Nachfolge. Ebenso war die Lage in Grefrath. Dort ließ sich Bürgermeister Manfred Lommetz (parteilos) plangemäß 2015 wiederwählen.

Zurück in die Gegenwart: In dieser befasst sich auch die FDP wieder mit dem Thema Landratswahl. „Es gab aber erst einige lockere Gespräche“, so Kreisvorsitzender Wolfgang Lochner. Bei der letzten Vorstandssitzung habe er die Kollegen gebeten, sich dazu Gedanken zu machen. Die nächsten Beratungen der Liberalen stehen noch aus.

„Bei uns steht noch gar nichts fest“, sagt Britta Pietsch, Kreissprecherin der Partei Die Linke. Mit Blick auf die Personen, die bei den einzelnen Wahlen im Kreis Viersen ins Rennen gehen sollen, sei man noch weit entfernt von einer Entscheidung. „Zunächst geht es bei uns um die Programmatik“, so Pietsch. In diesem Zusammenhang bereite Die Linke gerade auf Landesebene die Richtungen für die Kommunalwahl vor. Erst danach gehe es um Personen.

Auch die sogenannte Alternative für Deutschland (AfD) hat noch keine Entscheidung getroffen. „Die AfD Viersen hat sich zu dieser Frage noch nicht abschließend positioniert“, teilt das Büro von Kreissprecher Kay Gottschalk auf Anfrage der WZ mit. „Die Idee einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken, wird aber als grundsätzlich für sehr erwägenswert gehalten.“

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