Was die Bürger im Kreis Viersen 2023 wegwarfen Fast eine halbe Tonne Müll pro Einwohner

Kreis Viersen · Der Kreis Viersen hat die Abfallbilanz für das Jahr 2023 veröffentlicht. Die Zahlen erreichen ähnliche Werte wie im vorausgegangenen Jahr. Mehr als die Hälfte des Abfalls kann recycelt werden. Sorge bereitet die Deponie Brüggen II.

 Insgesamt ist die Abfallmenge aus den privaten Haushalten im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen.

Insgesamt ist die Abfallmenge aus den privaten Haushalten im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen.

Foto: Daniela Buschkamp/Daniela Buchkamp

Mit 37 Prozent hat der Hausmüll den größten Anteil an der Abfallgesamtmenge im Kreis Viersen. Der zweite Platz geht an den Abfall, der in der Biotonne landet (23 Prozent), Platz drei an Papier, Pappe und Karton (13 Prozent). Diese und weitere Daten stellte Christian Böker, Leiter des Abfallbetriebes des Kreises Viersen (ABV), dem Betriebsausschuss des Kreises Viersen vor. Das muss so sein, denn der Kreis Viersen als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger ist an den Paragrafen 7 des Landeskreislaufwirtschaftsgesetzes (LKrWG) des Landes Nordrhein-Westfalen gebunden. Die erhobenen Daten seien an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) gemeldet worden, informierte der Kreis Viersen.

Der Auftrag für den ABV: die Menge an Abfall in gesonderten Fraktionen, wie es der Kreis nennt, aufzulisten. Die Liste ist lang, betrachtet man die Abfälle aus privaten Haushalten: Hausmüll, Sperrmüll, Bio- und Grünabfälle, Alttextilien, Papier, Pappe und Kartonagen, Metall, Hartkunststoff, Glas, Altholz, Schadstoffabfälle, Elektroaltgeräte, Leichtverpackungen oder auch Altreifen.

Müll aus privaten Haushalten
hat leicht zugenommen

Insgesamt sei die Abfallmenge aus den privaten Haushalten im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. 144 692 Tonnen Abfall wurden gesammelt, 2022 waren es 143 631 Tonnen. In den vergangenen fünf Jahren lag die Höchstmenge noch bei 154 754 Tonnen (2020).

„47 Prozent der Abfälle können wir energetisch verwerten“, führte Böker aus, was bedeutet, dass die Abfälle hoch erhitzt werden und so gleichzeitig Energie in Form von Wärme und/oder Strom liefern können. 53 Prozent werden dem Recycling zugeführt. „Das klingt zunächst gut“, sagte Böker. Klar sei aber auch, dass sich diese Bilanz noch verbessern ließe.

456 Kilogramm pro Jahr wurden pro Einwohner im Kreis Viersen im Jahr 2023 entsorgt, etwas mehr als 2022 (449). Im Vergleich zu NRW und Deutschland liege man gerade im Bereich Hausmüll noch zu hoch, betonte Böker. Auch die Prognose, gleichzeitig als Zielwert zu verstehen, für das Jahr 2028 zeige eine steigende Tendenz. „Dabei tun wir doch alles, um Abfall zu vermeiden. Wie ist die Prognose zu erklären?“, hakte Axel Witzke (CDU) nach. Nicht jede Steigerung sei negativ zu erklären, sagte Böker und führte beispielhaft den prognostizierten Anstieg im Bereich der Grünabfälle an. Die Bioabfall-Kampagne des Kreises Viersen wirke sich sukzessive aus, ergänzte Rainer Röder, Dezernent für Planen, Bauen und Umwelt.

Sperrmüll sammelt der Kreis Viersen gesondert: Sperrmüll im eigentlichen Sinn, getrennt davon das Altholz, „um das Holz einer Verwertung zuführen zu können“, wie Böker ausführte. Eine Analyse habe ergeben, dass der Holzanteil im Sperrmüll bei 44 Prozent lag. Die Bilanz 2023 ergab lediglich 33 Prozent. Böker erklärte die Differenz, dass in drei, in der Bilanz anonymisierten Kommunen der Entsorger offensichtlich nicht getrennt einsammele, sondern lediglich jeweils eine statt zwei Touren fahre. „Anhand unserer Bilanz können wir nicht nur reagieren, sondern wir müssen auch reagieren“, sagte Böker.

Sorgenvoller Blick
auf die Deponie Brüggen II

Auf Nachfrage von Elisabeth Lehnen (CDU) teilte Böker mit, dass man sowohl die Kommunen als auch den Entsorger anspreche. Mit Sorge schaut der Kreis auf die Deponie Brüggen II. Hier stiegen die Abfallmengen deutlich an (2022: 209 000 Tonnen, 2023: 256 700 Tonnen). Nach der Corona-Krise habe man für den gemessenen Anteil des Kreises Viersen noch rückläufige Zahlen protokolliert. Röder vermutet, dass zum Höhepunkt der Pandemie (2020) viele ihre Keller, Garagen und Dachböden aufgeräumt hätten und so zwei Jahre später keinen Abfall mehr hätten produzieren können.

Der Gesamtabfall könne nicht der Verwertung zugeführt werden, betonte Böker, allerdings seien dem Kreis in dieser Hinsicht die Hände gebunden. Zudem sei bekannt, dass hier nicht nur Abfall aus dem Kreis Viersen deponiert werde. Und: Noch seien in der Deponie Brüggen genügend Kapazitäten für weiteren Abfall vorhanden.