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Kreis Viersen: Die Reisebüros und ihre leichte „Buchungsdelle“

Coronavirus : Die Reisebüros und ihre leichte „Buchungsdelle“

Die Folgen des Coronavirus sind auch in Reisebüros in Willich, Tönisvorst, Kempen und Grefrath spürbar. Mit Blick auf ihre Reisen haben die Kunden viele Fragen.

Von einer „Buchungsdelle“ spricht Michael Esser, Inhaber des First Reisebüros an der Judenstraße 1 in Kempen. „Normalerweise haben wir mehr zu tun“, sagt er auf die Frage, wie sich das Coronavirus (Covid 19) auf das Reiseverhalten der Menschen in der Region auswirkt. Die kurzfristigen Buchungen fielen weg, dafür schauten die Kunden schon mehr in Richtung Herbst. Und da seien alle Nah- sowie Fernziele und auch Kreuzfahrten im Fokus der Reiselustigen – bis auf Asien, so Esser. Das läge wohl an der Hoffnung, dass bis dann das Thema vorbei sei.

Von einem für Kunden, Veranstalter und Reisebüros „unbekannten Phänomen“ spricht Joop Heggers vom gleichnamigen Reisebüro in Grefrath an der Wankumer Straße 1 mit Blick auf das Coronavirus. „Wir können nicht sagen, was in den nächsten Wochen sein wird“, so Heggers, der nach eigener Aussage über 40 Jahre in der Reisebranche arbeitet. Die Buchungsnachfrage habe zwar etwas nachgelassen, aber eine Stornierungswelle gebe es nicht. Dafür hätten die Kunden eine Menge Fragen. Doch zum Thema rund um das Virus, vor allem seine Verbreitung, könne man nichts sagen. Nicht im Angebot hätte er zurzeit Reisen nach Italien. Wer bereits eine in nicht betroffene Regionen gebucht habe, solle die Entwicklung abwarten, bevor er storniert. „Denn er bleibt auf den Kosten sitzen, wenn für das Land noch keine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt ausgesprochen wurde. Angst ist kein Grund für eine kostenlose Stornierung“, so Heggers.

Dafür bestehe eine rege Nachfrage nach Zielen wie Mallorca, den Kanaren das spanische Festland und die griechischen Inseln. Im Grefrather Reisebüro werden auch viele Flüge gebucht. Da gebe es zurzeit viele Umbuchungen, weil beispielsweise die Lufthansa etliche Flüge gestrichen habe. Nicht nur nach China. „Normalerweise gibt es zehn Flüge zwischen München und Düsseldorf am Tag. Jetzt sind es nur noch fünf“, so Heggers.

Fragen haben auch die Kunden von Marcel Loitsch, Inhaber der gleichnamigen Reiseagentur an der Krefelder Straße 9 in St. Tönis. Die am häufigsten gestellte wäre: „Was passiert mit meiner anstehenden Reise?“ Bislang habe es nur vereinzelte Stornierungen gegeben. Die Kunden zeigten sich verhalten, was Reisen in der nächsten Zeit betreffe. „Wir haben eher längerfristige Buchungen, wie für die Herbstferien“, sagt Loitsch. Und die gingen eher in die Nähe, wie Griechenland, und weniger in Ferne: „Der Fernbereich wird nicht nachgefragt, da ist überall zu viel los.“

Carla Müller arbeitet seit zwölf Jahren im Reisebüro Lade in Anrath an der Jakob-Krebs-Straße 29. „Die Buchungslust ist verhalten. Aber es gibt auch Neubuchungen“, sagt sie. Die Kunden seien vorsichtig und gingen bei ihren Buchungen kein Risiko ein. Die Reiseveranstalter seien derzeit kulant bei Neubuchungen in Bezug auf Stornierungen. „Wenn jemand eine Reise für den Sommer in die Türkei bucht, so kann er bis 14 Tage vor Antritt der Reise diese kostenlos stornieren“, nennt Müller ein Beispiel. Derzeit hätten die Kunden als Ziele die Türkei, die Kanaren, Mallorca, Griechenland und Ägypten im Blick, Asien dagegen eher nicht. „Aber für diese Länder wird eher ab November gebucht. Jetzt denken die Leute eher an die Sommer- und Herbstferien.“