Europawahl 2024 im Kreis Viersen CDU zufrieden, Grüne und SPD enttäuscht

Kreis Viersen · Bei der Europawahl mussten SPD und Grüne Federn lassen. Erstmals schaffte die AfD im Kreis den Sprung in die Zweistelligkeit.

Der Zuspruch für die CDU ist im Kreis Viersen nach wie vor sehr hoch. Bei der Europawahl am Sonntag machten die Wählerinnen und Wähler im Kreisgebiet die CDU erneut zur stärksten Kraft. Vor fünf Jahren erzielten die Christdemokraten 32,8 Prozent, brachten es nun auf ein leicht verbessertes Ergebnis von 36,8 Prozent. Herbe Verluste mussten die Grünen einstecken: Zuletzt hatten sie 23,6 Prozent erhalten, am Sonntag landeten sie nun bei 12,6 Prozent. Nicht ganz so arg waren die Verluste für die SPD. Die Sozialdemokraten hatten bei der Europawahl vor fünf Jahren 16 Prozent erhalten, kamen nun auf 14,7 Prozent. Die AfD schaffte im Kreis Viersen mit 11,5 Prozent erstmals den Sprung in die Zweistelligkeit. In manchen Wahlbezirken war der Zuspruch noch deutlich höher.

Marcus Optendrenk, Vorsitzender der CDU im Kreis Viersen und Landesfinanzminister, bewertete das Ergebnis für die CDU im Kreis Viersen als sehr zufriedenstellend in Relation zu den bundesweiten Zahlen, „aber unsere Zielrichtung ist natürlich, dass wir wieder zulegen möchten“. Die Europawahl könne eine Denkzettelwahl sein, machte Optendrenk mit Blick auf das Gesamtergebnis für die Parteien im Kreis Viersen deutlich. Vor den Parteien liegt auch mit Blick auf die Bundestagswahl und die Kommunalwahlen in NRW im kommenden Jahr viel Arbeit: „Keine Partei kann für sich in Anspruch nehmen, dass sie immer gewählt wird“, so Optendrenk, „als Politiker müssen wir immer wieder neu um das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler werben.“

Er sehe das Wahlergebnis „als Bestätigung der überzeugenden Arbeit der CDU NRW und unseres Ministerpräsidenten Hendrik Wüst“, erklärte der Schwalmtaler Stefan Berger. Bis Redaktionsschluss stand noch nicht fest, ob er erneut dem Europaparlament angehören wird. Die CDU Niederrhein sei „die stärkste gestaltende politische Kraft in der Region“, so Berger. Sie packe die Themen an, die die Menschen bewegten: „Wir sind dankbar, dass sich dieses Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger auch bei der Europawahl manifestiert hat.“ Das Wahlergebnis zeige insgesamt auch, dass die Bürgerinnen und Bürger keine Ampel in Europa wollten, „die Menschen haben ein Zeichen gesetzt für eine Europapolitik mit Maß und Mitte, für Freiheit und Verantwortung statt europäischer Verbotspolitik.“

Viele Wählerinnen und Wähler im Kreis Viersen machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch. In Kempen etwa lag die Wahlbeteiligung bei 68,5 Prozent, in Willich bei 66,1 Prozent, in Tönisvorst bei 66,9 Prozent, in Grefrath bei 66,1 Prozent. Im Kreis Viersen sei die AfD Gott sei Dank nicht die zweitstärkste Kraft geworden, sagte der Kempener Udo Schiefner, SPD-Bundestagsabgeordneter aus dem Kreis Viersen. Die CDU gehe als Sieger aus dieser Wahl hervor, doch sie sei, wie alle anderen demokratischen Parteien auch, Verlierer, wenn man auf die Ergebnisse blicke: Auch im ländlich geprägten Kreis gebe es anscheinend genügend Bürgerinnen und Bürger, die die AfD wählten. „Wir müssen jetzt gucken, warum sich Menschen von dieser Partei vertreten fühlen“, so Schiefner. „Ich glaube, dass sich viele missverstanden und nicht mehr gehört fühlen.“ Doch er finde es „unerträglich, wenn sich Menschen veranlasst sehen, solche extremen Parteien zu wählen.“ Mit Blick auf das Gesamtergebnis der SPD im Kreis Viersen seien 14,7 Prozent „für eine Volkspartei deutlich zu wenig“, so Schiefner. Dieses Ergebnis sei „bei weitem nicht zufriedenstellend.“

Die Ergebnisse zeigten für Bündnis 90/Die Grünen im Kreis Viersen „ein herausforderndes Bild“, hieß es am Abend von den Grünen im Kreis Viersen. Besonders besorgniserregend sei der deutliche Zuwachs der AfD in der Region. „Dass eine Demokratie gefährdende Partei solch ein Ergebnis erreicht, ist bestürzend. Wir sehen es als unsere Pflicht an, dieser Herausforderung mit konstruktiven Lösungen zu begegnen. Deshalb werden wir uns nun die Zeit nehmen, die es braucht, um das Ergebnis in aller Ruhe zu analysieren.“, so Anja Degenhardt, Sprecherin der Kreisgrünen. Co-Sprecherin Michaela Baldus ergänzte: „Wir werden unsere Entscheidungen und deren Hintergründe noch klarer und nachvollziehbarer darstellen, um Falschinformationen entgegenzuwirken und Aufklärung zu betreiben.“

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