Konzert von Gregor Meyle bei der Kempener Sommermusik

Kempener Sommermusik : Kempen feiert Meyle und Band

Beim Konzert auf der Burgwiese zeigt sich der Sänger von seiner sympathischsten Seite. Rund 2500 Menschen hörten zu.

Wenn Gregor Meyle mit seiner Band kommt, dann staunen besonders die Liebhaber von Musikinstrumenten: Im Laufe des Freitagabends spielt die zehnköpfige Combo auf der großen Bühne an der Kempener Burg verschiedene Gitarren, Bässe, Geigen, Ukulele, Kontrabass, Saxophon, Posaune, Flöte, Akkordeon, Klavier und Schlagzeug. Das macht Meyle, der von sich sagt, er sei gitarrenkaufsüchtig, so schnell niemand nach. „Ich habe 15 Jahre gebraucht, bis ich diese Band zusammenhatte“, sagt Meyle, und man möchte hinzufügen, dass sich das aber auch gelohnt hat.

Jeder Musiker für sich ist ein Virtuose, und der Sound auf der Burgwiese, wo sich fast 2500 Menschen zum Konzert eingefunden haben, ist großartig. Im Laufe des Abends zeigt sich außerdem, dass die Musiker Hip-Hop und Pop, Samba und Schlager auf ihren Instrumenten beherrschen. Großartig ist dabei auch die einzige Frau auf der Bühne: Laura Bellon hat eine tolle Stimme, die besonders im Duett mit Meyle sehr gut zur Geltung kommt.

Hut ab! Meyle begeisterte mit weiteren Vollblut-Musikern. Foto: Reimann, Friedhelm (rei)

Allerdings sind die meisten Besucher nicht wegen Laura Bellon und den Musikern gekommen. Vielmehr ist es der 40-jährige Meyle selbst, der mit seinen Liedern vor allem die weiblichen Gäste begeistert. „Wer ist freiwillig gekommen?“, fragt er zwischendurch scherzhaft. „Ok. Und wer von den Männern ist freiwillig hier? Gut, es sind mehr als zehn, wir können weiterspielen.“ Und schon erklingen die ersten Takte von „Hier spricht dein Herz“, ein etwas schnulziger Song – aber das Lied funktioniert, die Zuhörer im Alter zwischen sieben und 70 Jahren tanzen, wiegen im Takt, singen, klatschen mit und lächeln bei „Behalt dein Lächeln im Gesicht“.

Als dann am Ende des Lieds alle die Hand aufs Herz legen und ein paar Herzschläge durch die Lautsprecher wummern, gibt es einen Gänsehautmoment. Ansonsten ist die Stimmung an diesem lauen Sommerabend entspannt. Obwohl der eingezäunte Konzertbereich gut gefüllt ist, herrscht keine unangenehme Enge. Nur auf dem Weg zu den Getränkeständen knubbelt es sich.

Auch das Catering kam bei den Konzertbesuchern sehr gut an. Zeitweise gab es lange Schlangen an den Ständen der Gastronomen. Foto: Norbert Prümen

Während die Konzertbesucher vor der Bühne stehen, sitzen die Gäste im hinteren Bereich auf Biergarnituren, essen, trinken und plaudern miteinander. So hat das Open-Air-Konzert trotz seiner Größe auch etwas von einem familiären Sommer-Happening.

Anders als Max Giesinger vor zwei Jahren sucht Gregor Meyle nicht die Nähe des Publikums. Aber auch er erzählt ein bisschen von sich, von seiner zweijährigen Tochter und davon, wie sehr er die Musik und seinen Job liebt. „Wir haben den schönsten Beruf der Welt, auch wenn man viel zu tun hat als Popsternchen“, scherzt der 40-Jährige und empfiehlt allen, bei einer Castingshow mitzumachen. Tatsächlich hat Meyle, der Gitarre spielt, seit er vier Jahre alt ist und seine erste Band mit zwölf gegründet hat, einen größeren Bekanntheitsgrad erlangt, nachdem er 2007 den zweiten Platz bei einer Pro7-Castingshow belegt hat.

Der Durchbruch kam für den Mann, der in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen ist, 2014, als er für die erste Staffel des Vox-Formats „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ angeworben wurde. In Kempen erzählt er dazu: „Ich dachte, die haben sich vertan. Die wollten bestimmt jemand anders. Aber solange mich hier keiner vom Sofa schmeißt, mach ich mit.“ Meyle bleibt dabei und bekommt später mit „Meylensteinen“ sogar noch eine eigene Sendung. Mittlerweile ist bereits sein sechstes Album auf dem Markt und Gregor Meyle mit seiner Band ein gern gesehener Gast nicht nur auf Konzertbühnen.

So will auch in Kempen nach zwei Stunden niemand den Mann mit der Gitarre, der Brille und dem Hut ohne Zugabe von der Bühne lassen. Meyle kommt dem gerne nach und spielt noch ein paar Stücke, bevor die Konzertgäste beschwingt und glücklich nach Hause gehen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung