Kempen : Alte Musik auf alten Instrumenten

Der letzte Termin der Sommerserenaden in der Propsteikirche stand ganz im Zeichen der Harfe. Claus Henry Hüttel aus Düren stellte verschiedene Harfen historischer Bauart vor.

Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide hätten am letzten Sommerserenaden-Konzert ihre Freude gehabt. Harfen alter Bauart, wie sie bei der Begleitung mittelalterlicher Minnesänger regelmäßig eingesetzt wurden, waren in mehreren Varianten zu sehen und zu hören. Claus Henry Hüttel aus Düren konstruiert, baut, restauriert und repariert Harfen historischer Bauart. Gern nahm er die Einladung seines Kempener Freundes Frank Gössel an, in der Propsteikirche einmal einige dieser Instrumente optisch und akustisch vorzustellen.

Der Unterschied zu modernen Konzertharfen, wie sie bei heutigen Sinfonieorchestern verwendet werden, ist beträchtlich. Dank einer komplizierten Pedaltechnik lassen sich heute auf einer Harfe alle Halbtöne spielen; ein großer Resonanzraum trägt der Klang weit und setzt ihn deutlich von anderen Instrumenten ab.

Klangliche Möglichkeiten alter
Instrumente nicht unterschätzen

Deswegen dürfen aber die klanglichen Möglichkeiten der alten Instrumente nicht unterschätzt werden. Das ließ sich gleich beim ersten Programmbeitrag feststellen. Hüttel begann auf einer Harfe spätgotischer Bauart, die also bestens zur Entstehungszeit der Propsteikirche passte. Noch etwas älter war die Musik, mit der er begann, sie stammte aus dem 12. Jahrhundert. Damit stellte Hüttel nicht nur eine für heutige Ohren vergleichsweise herbe Musik vor. Schnell wurde auch der klangliche Unterschied zur modernen Harfe deutlich. Das nach alten Vorlagen gebaute Instrument klingt nicht nur leiser; es verfügt auch nicht über den heute typischen romantischen Charakter. Dabei hat der Klang durchaus seinen Reiz. Aber er ist eben anders als gewohnt, herber und auch etwas metallisch. Das liegt nicht an den Darmsaiten, die Hüttel heute wie vor Hunderten von Jahren aufspannt. Interessant waren die Erklärungen, die der Harfenbauer den wieder sehr zahlreich erschienenen Zuhörern zwischen den Musikbeiträgen bot. Um den Klang zu verstärken, baute man früher eigens Schnarrhaken ein, an die die Saiten anschlagen. Und diese beeinflussen die Klangfarbe.

Was nun den heute so beliebten romantischen Harfenklang anbelangt, so ist der allerdings keine Erfindung des 19. oder 20. Jahrhunderts. Der ließ sich auch bei einer Renaissance-Harfe schon feststellen. Mit einem gut zusammengestellten Programm demonstrierte Hüttel, dass zu den alten Instrumenten letztlich die Musik aller Zeiten und Länder passt. Das ließ sich von den mittelalterlichen Klängen ebenso sagen wie von einem Bachschen Choralvorspiel, von der Begleitung gesungener Lieder genau so wie von irischen Volksweisen. Und natürlich klang auch die Zugabe reizvoll: Der Mond ist aufgegangen. Für die Rezitationen zwischen der Musik begab sich Frank Gössel auf die Suche nach Texten, die sich mit der Harfe beschäftigten. Fündig wurde er bei Theodor Storm, Gustav Falke und Klabund.

Gern machten auch mehrere Zuhörer von dem Angebot Gebrauch, zwischen Konzert und Umtrunk die Instrumente noch genauer zu betrachten und dem Fachmann Fragen zu stellen. Da war noch mehr Interessantes zu erfahren.

Bis zur nächsten Sommerserenade wird es ein Jahr dauern. Aber schon bald geht es in Kempen mit hochkarätigen Konzerten wieder los. Der Verkauf an Neuabonnenten läuft noch bis zum 24. August im Kulturforum Franziskaner-
kloster.

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